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Anke Spoorendonk zu TOP 9 - Stand und Perspektiven der kulturellen Entwicklung Schleswig-Holsteins
PresseinformationKiel, den 26.02.2009 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 9 Stand und Perspektiven der kulturellen Entwicklung Schleswig- Schleswig-Holsteins Drs. 16/2046 und 16/2276 In dem aktuell von der Bundesregierung veröffentlichten Forschungsgutachten „Kultur- und Kreativwirtschaft“ wird deutlich, wie sehr Kultur unser Leben prägt und bereichert. Mit einer Million Erwerbstätigen und einem Umsatz von 132 Milliarden Euro macht dieser Wirtschaftsbereich 2,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus. Trotz dieser nicht nur herausragenden finanziellen Bedeutung, hat Kultur gerade in der Politik keinen einfachen Stellenwert. Dies wird auch in der Antwort auf die große Anfrage der Fraktion der SPD noch einmal deutlich. In Schleswig-Holstein hat sich die finanzielle Förderung sozusagen auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Seit 2005 ist Kultur in Schleswig-Holstein Chefsache, doch auch dies hat nicht zu einer Weiterentwicklung der Kulturlandschaft geführt. Kultur ist ein elementarer Teil unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit und erfordert eine staatliche Förderung, die durch private Investitionen unterstützt - und nicht ersetzt - wird. Wenn die Landesregierung in ihrer Antwort dann schreibt, dass sie einer Stärkung der 2Eigenverantwortung der kulturellen Einrichtungen positiv gegenüber steht und begonnen hat,zur Verbesserung der Eigenwirtschaftlichkeit Zielvereinbarungen abzuschließen, läuten bei mirsämtliche Alarmglocken. Der Abschluss von Zielvereinbarungen sichert nicht die kulturelleGrundversorgung und wird der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung auch nicht gerecht.Kultur hat sowohl einen ideellen als auch einen wirtschaftlichen Stellenwert. DieKulturwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaftsförderung und trägtzur Entwicklung von Städten und Regionen bei. Nicht nur die existenzielle Identitätsbildungund Identifizierung der Bevölkerung mit ihrer Lebensumgebung werden durch Kultur gestärkt.Kultur ist außerdem ein wichtiger Imagefaktor für die Regionen.Die Kulturwirtschaft ist eine zukunftsorientierte Wirtschaftsbranche, die nicht nur Einfluss aufdas Beschäftigungspotenzial hat, sondern auch die Attraktivität der Städte und Regionenstärkt. Bei einem Blick über den Tellerrand wird deutlich, dass in unserem nördlichenNachbarland der Einklang und die gegenseitige positive Bedingung von Kultur und Wirtschaftlängst politische Wirklichkeit ist. Die Stadt Sønderborg hat sich mit ihrer klaren Förderung vonKultur zu einem Zentrum der wirtschaftlichen Innovationen und Investitionen in Sønderjyllandentwickelt. Auch die Stadt Vejle hat das Potenzial erkannt und baut derzeit daskulturwirtschaftliche Zentrum „biz-art“ für insgesamt 60 Existenzgründerinnen und Gründeraus dem kreativen Milieu auf.Aus Sicht des SSW macht die Antwort der Landesregierung zur Situation der kulturellenEntwicklung in Schleswig-Holstein sehr deutlich, dass das Wirtschafts- undBeschäftigungspotenzial des Kultursektors in diesem Land immer noch nicht erkannt wordenist. Und das, obwohl die Kultur doch eine Herzensangelegenheit unseres Ministerpräsidentenist. Außerdem wurde 2004 mit dem ersten Kulturwirtschaftsbericht unseres Landesbeschlossen, dass dieser Bericht einmal pro Legislaturperiode fortgeschrieben werden sollte.Das ist bisher nicht geschehen, so dass es höchste Zeit für die Landesregierung wird, wenn derBericht noch in dieser Wahlperiode eine Rolle spielen soll. 3Seit Jahren fordert der SSW eine verbesserte Förderung der Breitenkultur, um so ein lebendigesSchaffen und eine ganzheitliche Teilhabe aus der Mitte der Gesellschaft zu fördern. Dies kannnur über eine institutionelle Unterstützung, also eine strukturpolitische Ausrichtung derkulturellen Förderung erreicht werden. Ohne das zur Verfügung stellen vonRahmenbedingungen wie Räumen und Materialien zum Beispiel in Schulen oderVereinshäusern, gäbe es keine Orte, wo Kultur gemeinsam entstehen und sich entwickelnkönnte.In Schleswig-Holstein brauchen wir eine konsequente Ermöglichung von Kultur durchStrukturpolitik, die zum einen die kulturelle Vielfalt des Landes unterstützt und zum anderenauch eine Ausdifferenzierung der kulturellen Aktivitäten zulässt. Diese müssen sich in deröffentlichen Wahrnehmung und in den kulturellen Institutionen widerspiegeln.Dem SSW liegt dabei natürlich vor allem die kulturelle Arbeit der nationalen Minderheiten amHerzen. Die Kompetenzanalyse zu den Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland weistausdrücklich darauf hin, dass gerade von Seiten der dänischen Minderheit hier eine erheblicheMenge Sozialkapital gesammelt wird, von der auch die Mehrheitsbevölkerung profitiert.Besonders hervorgehoben werden muss hier der südschleswigsche Kulturverein SSF mit 2.700organisierten kulturellen Veranstaltungen, die dänischen Büchereien mit 650.000 entliehenenMedien pro Jahr, die Arbeit des Nordfriisk Instituut und natürlich das Museum Danevirke mit20.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr.Aber die dänische Minderheit trägt auch zu einer vielfältigen grenzüberschreitendenkulturellen Zusammenarbeit bei. Dies geschieht nicht nur im Rahmen von Interreg-Projekten,denn darüber hinaus gibt es langjährige Traditionen der Zusammenarbeit, zum Beispiel in denBereichen Musik sowie Jugend und Sport. Die Minderheiten haben mit anderen Worten einewichtige Brückenfunktion in das jeweilige Nachbarland. Sehr ärgerlich ist daher, dass sich fürdie Umsetzung der Kompetenzanalyse praktisch nur die Minderheiten und die mit ihrzusammenarbeitenden Organisationen verantwortlich fühlen. 4Der SSW begrüßt die Idee eines Landeskulturentwicklungsplans, dessen Ziel jedoch nicht dieKostenersparnis durch Kooperation sein darf, sondern die Entwicklung von Kreativität undInnovation durch Zusammenarbeit. Außerdem muss gerade in einemLandeskulturentwicklungsplan die strukturelle Förderung der Kultur in Schleswig-Holsteinvorangetrieben werden. Hierzu gehört vor allem die Sicherung von Institutionen wie zumBeispiel den Volkshochschulen, Theatern und Bibliotheken. Gerade diese Einrichtungen sicherndie Rahmenbedingungen für die kulturelle Entwicklung durch die Bevölkerung dieses Landens.Die kleinen Theater des Landes ermöglichen einen Zugang zur Kultur für alle und brauchendringend Mittel zur Renovierung und Instandsetzung der Gebäude. Die Spielstätten an derWestküste wie Leck, Husum und Niebüll müssen in diesem Zusammenhang genannt werden.Aber auch die Bibliotheken des Landes, deren Ausleihzahlen in den letzten zehn Jahren von 9,22Millionen auf 15,17 Millionen gestiegen sind, funktionieren als zentrale Bildungs- undKulturinstitutionen in diesem Land. Sie gehören als Kompetenzzentren zur regionalenGrundausstattung und bieten allen Bürgerinnen und Bürgern einen barrierefreien Zugang zuBildung und Kultur. Wiederum sind es hier die kleinen ehrenamtlich geführten Bibliotheken,deren Anzahl zurückgegangen ist und somit die kleinen Gemeinden weiter kulturell verarmenlässt.Aus der Antwort der Landesregierung gehen weitere Bereiche hervor, die dringendUnterstützung und Förderung bedürfen, um die kulturelle Vielfalt in diesem Land zu erhalten.Die Situation der freischaffenden bildenden Künstler und die Finanzierung derMuseumslandschaft seien hier nur beispielhaft für Kulturbereiche genannt, für derenEntwicklung wir die Verantwortung tragen. Kultur ist nämlich kein Luxus, Kultur istLebensmittel und dementsprechend sollte endlich gehandelt werden.