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Anke Spoorendonk zu TOP 23 - Mehr Frauen in Führung
PresseinformationKiel, den 26. Februar 2009 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 23 Mehr Frauen in Führung Drs. 16/2485Frauen sind in Führungspositionen schleswig-holsteinischer Behörden und Institutionenunterrepräsentiert. Dabei ist die Papierlage sehr gut: bereits 1994 trat dasGleichstellungsgesetz in Kraft, das ausdrücklich die gerechte Beteiligung von Frauen anallen Lohn-, Vergütungs- und Besoldungsgruppen erreichen will.Dieses Ziel ist aber auch nach 15 Jahren nicht umgesetzt. Dazu nur zwei Beispiele:Im richterlichen und staatsanwaltschaftlichen Dienst werden Frauen und Männer zwarseit mehreren Jahren zu gleichen Teilen eingestellt; trotzdem wirkt sich das nicht auf dieBesetzung von Beförderungsämtern aus. Ebenso stellen Professorinnen an schleswig-holsteinischen Hochschulen auch im Jahre 2009 eine Minderheit, obwohl dieVerbesserung der Gleichstellung und damit die Erhöhung des Anteils an weiblichenWissenschaftlerinnen in den Zielvereinbarungen zwischen dem Land und denHochschulen erneut festgeschrieben wurde. 2Ernüchternd muss man also feststellen, dass die ehrgeizigen Ziele der Gleichstellung imöffentlichen Dienst bisher nicht erreicht wurden. Es hapert ganz offensichtlich an derUmsetzung. Die Frauen sind unterrepräsentiert, trotz Frauenförderprogrammen,Zukunftswerkstätten und Ausschreibungen aller Führungspositionen. Dies wurde auchvor drei Wochen in Genf deutlich, als sich die Berichterstatter der Bundesregierung herbeKritik der UN-Frauenrechtskommission gefallen lassen mussten. Diese warfenDeutschland vor, ihre eigenen Gesetze und Verordnungen zum Gender-Mainstreamingnicht umzusetzen.Hier wie dort das gleiche Bild: die gesetzlichen Rahmenbedingungen, um Frauen denZugang zu allen Positionen zu eröffnen, sind da, werden aber nicht konsequent realisiert.Das ist umso bedauerlicher, da mit der Existenz von Frauenförderprogrammen immerwieder argumentiert wird, um die Kritik an der fehlenden Gleichberechtigung zwischenFrauen und Männern zurückzuweisen.Frauenförderprogramme verstärken das kollektive Gefühl, dass genug oder sogar schonzu viel für Frauen getan werde. Dies ist aber nicht der Fall. Wir brauchen nach wie vorStatistiken, Berichte und vor allem Konzepte zur Gleichstellung von Frauen undMännern, diese müssen aber auch umgesetzt werden! Hierbei ist zum Beispiel dieEinführung von Quoten ein legitimes Hilfsmittel, das aber nicht ausreicht, um dieRahmenbedingungen für ein gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter zuschaffen. Notwendige Rahmenbedingungen sind außerdem gleicher Lohn für gleicheArbeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Von daher sage ich, erst wenn dieseRahmenbedingungen realisiert sind, kann die Gleichstellungspolitik in Zukunft inSchleswig-Holstein und Deutschland vorangetrieben werden. Norwegen als Vorbild zu 3nennen, nützt uns momentan außerdem wenig. Dort gab es seit den 80´er Jahren einensehr intensiven gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozess von unten, den wir so inDeutschland bisher aber nicht haben.Was wir im Landtag bewegen können, ist, die Landesregierung immer wieder auf ihreVerantwortung hinzuweisen, nachzufragen und Versäumnisse zu veröffentlichen.Landesregierung und Kommunen müssen bei ihrer Einstellungspolitik, ihrenWeiterbildungsprogrammen und ihrer Personalentwicklung auf die Gleichbehandlungder Geschlechter achten und diese tatsächlich umsetzen.