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27.02.09 , 12:02 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 42 - Zukunft der Partikeltherapie

Presseinformation
Kiel, den 26. Februar 2009 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 42 Zukunft der medizintechnischen Ausstattung der Partikeltherapie am Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrum Kiel (NRoCK) Drs. 16/2320

Es ist nicht nur ärgerlich, sondern blamabel für die Landesregierung, wenn Abgeordnete
über neueste Entwicklungen nicht durch sie, sondern aus der Presse erfahren. Genau das
ist im Zusammenhang mit dem Nordeuropäischen Radioonkologischen Zentrum Kiel
geschehen, dessen Systemlieferant Siemens mittelfristig aus der Therapieform
aussteigen will.


Bereits im Mai 2006 bei der Debatte ums Partikelzentrum haben alle Redner der
Opposition vor zu großer Euphorie bei dem neuen Zentrum gewarnt. Fragen nach der
Wirtschaftlichkeit wurden seitens der Landesregierung lässig vom Tisch gefegt; zu stolz
war man in Kiel, dass man konkurrierende Standorte ausgebootet hatte. Auf die Frage
nach den Kosten bezifferte der damalige Wirtschaftsminister Austermann lediglich die
Größe des Einzugsgebietes auf 6 bis 8 Millionen Menschen. So gelungen die möglichen 2
Absprachen mit den europäischen und norddeutschen Nachbarn auch sein mögen; diese
Leistung darf nicht davon ablenken, dass die Landesregierung bei der Kooperation mit
Siemens nicht alle Faktoren berücksichtigt hat. Schließlich ist die Behandlung in etwa
viermal teurer als die herkömmliche Bestrahlung.


Der jetzige Wirtschaftsminister hat dagegen umgehend reagiert, als sich die Gerüchte
um einen Rückzug von Siemens verdichteten. Er hat Kontakt aufgenommen und
persönlich Siemens aufgefordert, den vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen,
was der Vorstandsvorsitzende zwei Wochen später in vollem Umfang versprochen hat.
So weit so gut.


Tatsache ist aber, dass das die Forschung über die Wirkungen der Partikeltherapie noch
lange nicht abgeschlossen ist. Belastbare Fallzahlen gibt es noch nicht. Wir werden also
vielleicht erst in einigen Jahren, vielleicht Jahrzehnten tatsächlich die Partikeltherapie
seriös bewerten können. Gerade aus diesem Grund ist eine ständige Überprüfung des
Mitteleinsatzes unumgänglich. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Millionen verbrannt
werden.


Ich bin aus diesem Grunde davon überzeugt, dass dem Partner Siemens, noch mehr als
bisher, deutlich gemacht werden sollte, dass die Landesregierung enger in
Abstimmungen eingebunden werden muss. Damit vermeidet man einerseits Irritationen
wie das nach dem zitierten Presseberichten der Fall war; andererseits, und das halte ich
für viel wichtiger, wird Siemens ganz klar vor Augen geführt, dass die Landesregierung
ein gleichberechtigter Projektpartner ist und nicht der stille Teilhaber, der lediglich die
Euro-Millionen über den Tisch schiebt. 3



Aber noch eine andere Frage stellt sich hier. Die Landesregierung ist davon ausgegangen,
dass ein Einzugsgebiet mit mehreren Millionen Menschen hier bedient werden könnte.
Bei einer solchen großen Investition lohnt es sich schon einmal nachzufragen, ob wirklich
sicher ist, dass man die Kundschaft bekommt, die für einen wirtschaftlichen Betrieb der
Anlage notwendig ist. Gibt es daher wirklich konkrete vertragliche Vereinbarungen mit
den hiesigen Krankenkassen und mit den Krankenversicherungsträgern im Ausland –
und hier vornehmlich in Dänemark und Norwegen? Gespräche und Absichtserklärungen
reichen nämlich nicht aus. Was wir brauchen ist Sicherheit und Sicherheit bekommt man
nur durch feste Verträge. Wenn es diese nicht gibt, dann sind wir immer noch beim
Stand von vor zwei Jahren. Und dann wäre das Land hier keinen Schritt weiter
gekommen.

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