Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms zu TOP 42 - Zukunft der Partikeltherapie
PresseinformationKiel, den 26. Februar 2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 42 Zukunft der medizintechnischen Ausstattung der Partikeltherapie am Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrum Kiel (NRoCK) Drs. 16/2320Es ist nicht nur ärgerlich, sondern blamabel für die Landesregierung, wenn Abgeordneteüber neueste Entwicklungen nicht durch sie, sondern aus der Presse erfahren. Genau dasist im Zusammenhang mit dem Nordeuropäischen Radioonkologischen Zentrum Kielgeschehen, dessen Systemlieferant Siemens mittelfristig aus der Therapieformaussteigen will.Bereits im Mai 2006 bei der Debatte ums Partikelzentrum haben alle Redner derOpposition vor zu großer Euphorie bei dem neuen Zentrum gewarnt. Fragen nach derWirtschaftlichkeit wurden seitens der Landesregierung lässig vom Tisch gefegt; zu stolzwar man in Kiel, dass man konkurrierende Standorte ausgebootet hatte. Auf die Fragenach den Kosten bezifferte der damalige Wirtschaftsminister Austermann lediglich dieGröße des Einzugsgebietes auf 6 bis 8 Millionen Menschen. So gelungen die möglichen 2Absprachen mit den europäischen und norddeutschen Nachbarn auch sein mögen; dieseLeistung darf nicht davon ablenken, dass die Landesregierung bei der Kooperation mitSiemens nicht alle Faktoren berücksichtigt hat. Schließlich ist die Behandlung in etwaviermal teurer als die herkömmliche Bestrahlung.Der jetzige Wirtschaftsminister hat dagegen umgehend reagiert, als sich die Gerüchteum einen Rückzug von Siemens verdichteten. Er hat Kontakt aufgenommen undpersönlich Siemens aufgefordert, den vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen,was der Vorstandsvorsitzende zwei Wochen später in vollem Umfang versprochen hat.So weit so gut.Tatsache ist aber, dass das die Forschung über die Wirkungen der Partikeltherapie nochlange nicht abgeschlossen ist. Belastbare Fallzahlen gibt es noch nicht. Wir werden alsovielleicht erst in einigen Jahren, vielleicht Jahrzehnten tatsächlich die Partikeltherapieseriös bewerten können. Gerade aus diesem Grund ist eine ständige Überprüfung desMitteleinsatzes unumgänglich. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Millionen verbranntwerden.Ich bin aus diesem Grunde davon überzeugt, dass dem Partner Siemens, noch mehr alsbisher, deutlich gemacht werden sollte, dass die Landesregierung enger inAbstimmungen eingebunden werden muss. Damit vermeidet man einerseits Irritationenwie das nach dem zitierten Presseberichten der Fall war; andererseits, und das halte ichfür viel wichtiger, wird Siemens ganz klar vor Augen geführt, dass die Landesregierungein gleichberechtigter Projektpartner ist und nicht der stille Teilhaber, der lediglich dieEuro-Millionen über den Tisch schiebt. 3Aber noch eine andere Frage stellt sich hier. Die Landesregierung ist davon ausgegangen,dass ein Einzugsgebiet mit mehreren Millionen Menschen hier bedient werden könnte.Bei einer solchen großen Investition lohnt es sich schon einmal nachzufragen, ob wirklichsicher ist, dass man die Kundschaft bekommt, die für einen wirtschaftlichen Betrieb derAnlage notwendig ist. Gibt es daher wirklich konkrete vertragliche Vereinbarungen mitden hiesigen Krankenkassen und mit den Krankenversicherungsträgern im Ausland –und hier vornehmlich in Dänemark und Norwegen? Gespräche und Absichtserklärungenreichen nämlich nicht aus. Was wir brauchen ist Sicherheit und Sicherheit bekommt mannur durch feste Verträge. Wenn es diese nicht gibt, dann sind wir immer noch beimStand von vor zwei Jahren. Und dann wäre das Land hier keinen Schritt weitergekommen.