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Anke Spoorendonk zu TOP 07 und 24 - HSH Finanzfonds AöR
PresseinformationKiel, den 25.03.2009 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 7, 24, 25, 26 und 31 Gesetz zum Staatsvertrag über die Errichtung der HSH Finanzfonds AöR Drs. 16/2511, 16/2543, 16/2544, 16/2545 und 16/2552Seit Wochen überschlagen sich die Berichterstattungen der Medien über die HSH Nordbank, sodass mittlerweile kaum mehr jemand nachvollziehen kann, was eigentlich Sache ist. Den einenTag heißt es, erhebliche Zweifel am Rettungsplan der Bank werden geäußert; am nächsten Tagwird angedeutet, die HSH stehe kurz vor der Abwicklung.Dass so viele unterschiedliche Informationen auf dem freien Meinungsmarkt gehandeltwerden konnten, lag nicht zuletzt daran, dass weder die Landesregierung noch der Vorstandder HSH Nordbank dazu imstande gewesen sind, ihre - wie Landtagspräsident Kayenburg es sopassend bezeichnete - „nebulösen“ Vorstellungen mit konkreten Zahlen zu untermauern;geschweige denn dem Parlament Gutachten oder geprüfte Alternativen zur Restrukturierungder Bank zeitnah zur Verfügung zu stellen. Was bleibt, ist der Eindruck, dass der Aufsichtsratwiederholt, was der Vorstand vorgibt. Und genau dies lässt jegliche - notwendige - Distanzzwischen der Landesregierung und der HSH Nordbank vermissen. 2Die testierte Jahresbilanz der Bank wird zum Beispiel erst Mitte April vorliegen - zu einemZeitpunkt also, wo die Entscheidung über die HSH-Rettung schon längst getroffen ist. Für denAufsichtsrat der Bank ist dies anscheinend kein Problem, weil es auch für den Vorstand keinProblem darstellt. Andererseits muss sich Finanzminister Wiegard nunmehr vom Magazin der„Spiegel“ vorwerfen lassen, dass er dem Parlament die Unwahrheit gesagt hat, weil dieWirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nicht - wie von ihm behauptet - eine umfassendeSonderprüfung, sondern nur die übliche Jahresabschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2008durchgeführt hat. Ganz zu schweigen davon, dass die Abgeordneten des Schleswig-Holsteinischen Landtages von der Auszahlung der 200 Millionen Euro Dividende an StilleEinleger erst nach der gemeinsamen Finanzausschuss-Sitzung von Hamburg und Schleswig-Holstein am 17. Februar erfuhren und gestern zur Kenntnis nehmen mussten, dass dieAusschüttung jener Dividende Zeitungsberichten zufolge von der EU-Kommission ausWettbewerbsgründen gekippt worden sei.Daher sage ich für den SSW: Was uns in den letzten Monaten geboten wurde, hat weder unserVertrauen in die Landesregierung noch in den Vorstand der HSH Nordbank gestärkt. - Wobeider dilettantische Umgang der Bank mit der geplanten Auszahlung der 200 Millionen EuroDividende bei uns das Fass zum Überlaufen gebracht hat! Zumal die Sprecher der Bank in derFinanzausschuss-Sitzung am 19. Februar den Hinweis des Kollegen Kubicki, bei der BayernLBhabe die EU die Zahlung einer solchen Dividende untersagt, arrogant zurückwiesen.Für den SSW stellt sich somit nach wie vor die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten dieLandesregierung zur Rettung der HSH Nordbank eigentlich hatte und wie sie mit diesenOptionen umgegangen ist, so dass wir heute in eine Situation gedrängt werden, in der es keineAlternativen mehr gibt, und wir nach dem Motto „Vogel friss oder stirb“ handeln müssen. 3Bereits Ende 2008 hatte der SoFFin der HSH Nordbank bekanntlich Garantien von 30 MilliardenEuro genehmigt. Mit dieser Garantie wurde die Auflage verbunden, bis Ende Februar 2009 einneues Geschäftsmodell, eine Ausgliederung der Altlasten sowie eine nachhaltigeKapitalaufstockung auf 7% vorzuweisen, um die gesamten 30 Milliarden in Anspruch nehmenzu können.Das neue Geschäftsmodell liegt jetzt vor; es soll zukunftsfähig und tragfähig sein. Darüberhinaus hat die HSH die Einrichtung einer Abbaubank beschlossen, in der die toxischen Papiereder Bank mit der Zeit vermodern sollen. Und letztlich hat die Bank zusammen mit denLandesregierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg einen Vorschlag zurRekapitalisierung der Bank entworfen: Das Modell 3 + 10 soll es richten - der vorliegendeGesetzentwurf also.Seit Ende November 2008 streiten wir nun darüber, ob das Land Schleswig-Holstein sich einRettungspaket überhaupt leisten kann und wenn nicht, warum der SoFFin bei einer systemischrelevanten Bank nicht für die Kapitalaufstockung zuständig sein kann. Heute wissen wir: DieseDebatte ist eine Scheindebatte, da die Entscheidung darüber, ob Schleswig-Holstein es sichleisten kann, 1,5 Milliarden Euro in die HSH zu stecken und weitere Garantien von 5 MilliardenEuro zu geben, anscheinend bereits im November getroffen wurde.Denn vieles deutet darauf hin, dass sich die Bank und die Landesregierungen schon damalsdarüber einig waren, dass Schleswig-Holstein und Hamburg für die Kapitalaufstockungzuständig sein sollten - nicht weil diese beiden Länder das Geld hätten, sondern weil ihnen dieBedingungen des SoFFin nicht passten. Genau dies geht deutlich aus dem Protokoll derFinanzausschusssitzung am 17. Februar in Hamburg hervor. Dass Finanzminister Wiegard vordiesem Hintergrund nicht klar und deutlich sagt, dass der SoFFin für die Rekapitalisierung einergesunden Kernbank zur Verfügung steht, sollte uns daher nicht wirklich verwundern. - Um dieskonkret zu erfahren, mussten Vertreter des SoFFin und des BaFin erst nach Kiel zitiert werden.Das ist für den SSW nicht hinnehmbar. 4Dass die Landesregierung und die HSH seit Monaten eine dermaßen desolateInformationspolitik betreiben, erklärt sich daher von selbst. Der Kabinettsbeschluss liegt seitEnde Februar vor - da scheint es der Landesregierung schlichtweg egal zu sein, ob dieAbgeordneten dieses Landes informiert sind oder nicht.In der letzten Woche haben Herr Dr. Rehm und Herr Sanio als Vertreter des SoFFin und desBaFin im Finanzausschuss eindrucksvoll erklärt, dass es zum vorgestellten HSH-Rettungspaketzwar Alternativen gibt; diese aber niemandem zu empfehlen sind. Eine kontrollierteAbwicklung der HSH könnte niemals kontrolliert vonstatten gehen. Ebenso sind dieKonsequenzen einer Insolvenz nicht nur für die deutsche Bankenwelt, sondern vor allem auchfür die restlichen Landesbanken unüberschaubar. Weder Schleswig-Holstein noch der Bundhaben ein Interesse daran, die Bankenwelt nach der Pleite von Lehmann Brothers oder denVerlusten der Hypo Real Estate weiter herauszufordern. Am Ernst der Lage und derDringlichkeit der HSH-Rettung gibt es aus Sicht des SSW daher überhaupt nichts zu bezweifeln.Die weiteren Ausführungen der beiden Bundesvertreter waren wage: Prinzipiell sei vielesmöglich - zum Beispiel, dass das Geschäftsmodell zukunftsfähig und tragfähig sei. Prinzipiellverbaue das Modell keine in die Zukunft gerichteten größeren Lösungen.Es stellt sich aber kein Experte deutlich hinter das vorgeschlagene Geschäftsmodell. Sogar dieSparkassen haben zwar dem Geschäftsmodell im Aufsichtsrat zugestimmt, versuchen abergleichzeitig ihre Anteile an der Bank loszuwerden. Das würden die Sparkassen nicht tun, wennsie vom Geschäftsmodell der HSH wirklich überzeugt wären und einen zukünftigen Gewinndurch die Bank erwarten würden.Und auch unser eigener Wirtschaftsminister hat in der Presse - trotz eines Maulkorbs -wiederholt sein schlechtes Bauchgefühl zum HSH-Rettungspaket zum Ausdruck gebracht undauch in der Finanzausschusssitzung am 19. März sehr zurückhaltend formuliert, dass sich dasModell am Markt erst beweisen müsse. Dass er anschließend eifrig zurückruderte, sagt nur 5etwas über Kabinettsdisziplin und nichts darüber aus, dass er sich eines Besseren hat belehrenlassen: Er stehe zur Entscheidung der Landesregierung und habe - obwohl er das Modell nichtgeprüft hat - keinen Grund daran zu zweifeln, wenn die Bank sich dies zutraue.Bis heute gibt es somit keine Stellungnahmen oder Expertenaussagen dazu, ob das neueGeschäftsmodell der HSH Nordbank überhaupt tragfähig ist. Sicher ist nur, dass wirmittlerweile keine Alternative mehr haben. Aus Sicht des SSW können wir als Abgeordneteaber nicht einfach nach dem Prinzip Hoffnung entscheiden, ohne zu erfahren, wohin die Reisegeht. Auch die Versicherung von Herrn Nonnenmacher, dass das Modell 3 + 10 ausreicht, umdie Bank sicher in den Hafen zu bringen, hilft wenig weiter, wenn er gleichzeitig betont, dass esnatürlich keine Garantie dafür gibt, dass die Finanzwelt nicht morgen erneut zusammenbricht.Außerdem liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Garantien der beiden Länder in Anspruchgenommen werden, nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden bei 40%. Der BankenexperteWolfgang Gerke hat dazu am 15.03. in der „Welt am Sonntag“ bereits gesagt, dass dies nachBankermaßstäben ein extrem hohes Ausfallrisiko sei. - Ausfallrisiken von mehr als 5% geltenschon als sehr hoch, so dass zumindest in Hamburg eifrig spekuliert wird, ob die Übernahmeeiner solchen Bürgschaft überhaupt zulässig ist. In Hamburg dürfen Bürgschaften undGarantien der Haushaltsordnung nach nämlich nicht übernommen werden, wenn mit hoherWahrscheinlichkeit mit einer Inanspruchnahme gerechnet werden muss.Zusammenfassend stehen wir also vor der Entscheidung, einem Rettungspaket für die HSHNordbank zuzustimmen, ohne zu wissen, was dabei auf uns zukommt. Das Rettungspaketkönnte ausreichen, um die sehr wahrscheinlichen Verluste der HSH in den nächsten Jahrenaufzufangen. Es könnte aber auch ganz anders kommen, so dass Herr Nonnenmacherspätestens im Herbst erneut mit seinem Klingelbeutel vor der Landtagstür steht. 6Die Auswahl der Kernkompetenzen Schifffahrt, Luftfahrt, erneuerbare Energien undFirmenkundengeschäft erscheinen bei der derzeitigen Wirtschaftslage nicht besondersüberzeugend. Herr Nonnenmacher selbst gibt an, dass es seit September 2008 keine neueOrder in der Schiffsfinanzierung gibt und dass alte Geschäfte gestreckt werden sollen, umweitere Verluste zu vermeiden. Auch die Ausweitung des Firmenkundengeschäfts ist inSchleswig-Holstein nur bedingt möglich, da nur 60-80 Unternehmen dafür zur Verfügungstehen, wenn die Konkurrenz mit den Sparkassen zu vermeiden ist.Für den SSW steht fest, dass die Landesregierung in den letzten Monaten nicht zwischen denInteressen des Landes und den Interessen der HSH Nordbank unterschieden hat, so dass esjetzt nur noch darum gehen kann, Schlimmeres zu verhindern. - Oder wie Herr Sanio es in derFinanzausschuss-Sitzung am 19. März plastisch formulierte: Rechnen Sie mit dem Schlimmstenund stellen Sie sich darauf ein, dass Sie enttäuscht werden.Was passiert also, wenn die positiven Szenarien nicht halten und die HSH Nordbank trotz desRettungspakets weitere Verluste einfährt? Oder anders gesagt: Wie können wir unser Land inZukunft vor der HSH Nordbank retten?Bündnis 90/Die Grünen haben nach Meinung des SSW mit ihren Anträgen bereits einen Schrittin die richtige Richtung getan. Denn langfristig muss geklärt werden, wie die Landesregierungzum Modell der Landesbanken steht und welcher Einsatz in Zukunft für deren Absicherungvonnöten sein wird. Hierzu gehört auch die grundlegende Analyse, welche Bedeutung die HSHNordbank für die schleswig-holsteinische Wirtschaft hat und ob wir diese Bank in überwiegendöffentlicher Trägerschaft überhaupt weiter brauchen. Auch die Diskussion vonFusionsmöglichkeiten; die Übernahme der Sparkassen-Anteile durch das Land zum aktuellenMarktpreis und vor allem auch, wie lange das Land seine Trägerschaft noch bewahren möchte -und kann - sollte voran gebracht werden. Und nicht zuletzt steht nach wie vor die Frage nachden personellen Konsequenzen dieser katastrophalen Entwicklung im Raum. 7Aber um dem Gesetzentwurf zur Rettung der HSH Nordbank zuzustimmen, stellt der SSWweitere Bedingungen. Erstens darf es aus unserer Sicht kein Vorteil für die Bank sein, ob eineweitere Kapitalaufstockung durch den SoFFin oder durch die Eigner erfolgt. Mit anderenWorten: Die Bedingungen des SoFFin müssen auch die Bedingungen des Landes sein.Nur so lässt sich verhindern, dass Schleswig-Holstein per Automatismus und weil dieBedingungen des SoFFin so unangenehm sind, auch in Zukunft für die HSH Nordbank in dieBresche springt - und damit seinem eigenen Bankrott immer näher kommt. Vor allem dieDividendenausschüttungen gehören damit der Vergangenheit an, ebenso wie die Zahlung vonBoni und horrenden Managergehältern.Zweitens brauchen wir die Versicherung der Landesregierung, dass bei weiteren Verlusten derHSH Nordbank die Unterstützung des SoFFin in Anspruch genommen wird. Diese Versicherunghaben wir bisher nicht bekommen – obwohl der Vertreter des SoFFin letzte Woche wie gesagtdeutlich hervorhob, dass er für die Rekapitalisierung einer gesunden Kernbank durchaus zurVerfügung steht. Diese Aussage nützt uns aber gar nichts, wenn nicht sicher gestellt wird, dassdie Landesregierung dieses Angebot auch in Anspruch nimmt.Heute wissen wir, dass die Landesregierung Ende November 2008 eine in Pflichtnahme desSoFFin nicht weiter verfolgte, da die Bedingungen den Anteilseignern Schleswig-Holstein undHamburg - und insbesondere der Bank - nicht attraktiv erschienen. Wer versichert uns also,dass dies nicht wieder passiert? Wenn die HSH Nordbank so hohe Verluste einfährt, dass diegeplante Rekapitalisierung nicht ausreicht - wer kommt dann für eine erneute Rettung derBank auf?Dies ist für den SSW weiterhin die entscheidende Frage, auf die wir auch in der gemeinsamenSitzung der zuständigen Ausschüsse am vergangenen Donnerstag keine Antwort erhaltenhaben. Dass der SoFFin zu Liquiditätsbürgschaften bereit steht, wissen wir jetzt. Dass dies nichtfür die Absicherung von Altlasten gilt, sondern nur für eine gesunde Kernbank, wissen wir 8auch. Entscheidend ist und bleibt aber die Antwort auf die Frage, ob das Land den SoFFin auchin Anspruch nimmt, wenn es mit der HSH Nordbank weiter bergab geht. Deshalb unterstützenwir die Forderung von Bündnis 90/Die Grünen, dass die Vorraussetzungen für eineKapitalaufstockung mit dem SoFFin schnellstmöglich geklärt und die erforderlichen Schritte fürdie Umsetzung dieser Forderung kurzfristig eingeleitet werden müssen.Der SSW wird dem vorliegenden Gesetzentwurf in der jetzigen Fassung daher auf keinen Fallzustimmen.