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Lars Harms zu TOP 18 - Investitionserleichterungsprogramm
PresseinformationKiel, den 7. Mai 2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 18 Investitionserleichterungsprogramm zur Stärkung der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Schleswig- Schleswig- Holstein 16/263 Drs. 16/2634Das Wort Investitionserleichterungsprogramm ist ja positiv besetzt und so kann es nichtwundern, dass man erst einmal sagt, dass ein solches Programm natürlich sehr wünschenswertwäre. Doch kann man sich auch gut vorstellen, dass es unterschiedliche Auffassungen dazu gibt,wie ein solches Programm aussehen sollte. Allerdings möchte ich grundsätzlich hervorheben,dass es in erster Linie wichtig ist, die Binnenkonjunktur wieder anzukurbeln, damit die Warenund Dienstleistungen, die produziert werden, auch ihren Konsumenten finden können. EinInvestitionserleichterungsprogramm macht daher nur Sinn, wenn die Rahmenbedingungen inOrdnung sind. Und das sind sie hier bei uns in Deutschland bei weitem nicht. Wenn dieBinnenkonjunktur florieren soll, müssen die einfachen Arbeitnehmer finanziell entlastet werden.Bevor man also ein Steuererleiterungsprogramm für Selbständige und Unternehmen fordert,muss erst einmal der Normalbürger steuerlich entlastet werden. Außerdem müssen dann auchalle die, die von staatlichen Leistungen abhängig sind, mit in die Betrachtung aufgenommenwerden. Dies ist eine Klientel, die einen besonders hohen Anteil ihres Geldes konsumiert. Hier ist 2die Chance am größten, dass das Geld, das durch den Staat ins System eingespeist wird, auchwirklich in den Wirtschaftskreislauf gelangt.Wenn wir also, die Menschen, die nur über geringe oder niedrige Einkommen verfügen, entlastethaben, dann kann man auch über Investitionserleichterungsprogramme reden. Von diesenEntlastungen für die Menschen sind wir aber noch weit entfernt und deshalb kann man einsolches Programm schon aus diesem Grunde kritisch sehen. Die Rahmenbedingungen inDeutschland sind derzeit Dank der Großen Koalition in Berlin so, dass auch das besteInvestitionsförderprogramm nicht richtig greifen kann. Dies wollte ich vorausschicken, damitdeutlich wird, dass jedes noch so gut gemeinte und gut gemachte Investitionsprogramm immerauch vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen zu sehen ist und man durchaus dieAuffassung haben kann, dass das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt wird, wenn dieRahmenbedingungen, wie bei uns in Deutschland, nicht stimmen.Betrachtet man den Antrag der FDP, so findet man eine Vielzahl von Vorschlägen, zu denen mandurchaus die gleichen aber eben auch unterschiedliche Auffassungen haben kann. Dergrundsätzliche Tenor des Antrages ist: Gibt den Unternehmen, was sie wollen und allen geht esdann besser. Das dieser Ansatz zu kurz springt, zeigt schon der erste Bereich, der sich um dieMittelstandsfinanzierung dreht. Es ist unbestritten, dass Erleichterungen in der Kreditvergabe -und hier insbesondere im Verfahren zur Kreditvergabe – den Unternehmen helfen. Allerdingswird schon im ersten Punkt des Antrages gefordert, dass Unternehmen Darlehen für allebetrieblichen Zwecke erhalten können sollen. Damit würde die Politik ihrer Steuerungsfunktionnicht mehr gerecht werden. Es geht nämlich nicht darum – wie es die FDP wünscht –Unternehmen mit billigen Krediten staatlich zu subventionieren. Sondern durch die Lenkung vonKrediten in bestimmte Bereiche sollen gesamtgesellschaftlich gewollte Prozesse gefördertwerden und die Wirtschaft in Bereichen umgestellt werden, damit sie neuen Herausforderungengerecht werden kann. Dieses Ziel hat nichts mit Subventionen zu tun und ist damit politisch 3gerechtfertigt. Billige, sichere staatliche Kredite ohne Zielsetzung schaden dem Wettbewerb undsind nichts anderes als Subventionen durch die Hintertür und das lehnen wir als SSW ab.Positiv sehen wir die Forderung der FDP nach neuen Programmen, Kredite schnell undunbürokratisch zu vergeben. Ich habe allerdings auch den Eindruck, dass dasWirtschaftsministerium nicht unbedingt so unbürokratisch handelt, wie es aufgrund desAntrages den Anschein haben mag. Gleichwohl zeigen die ehemaligenExistenzgründerinnenprogramme, dass solche Programme funktionieren können. DieseExistenzgründerinnenprogramme gibt es nicht mehr und es wäre zu überlegen, ob dieseerfolgreichen Programme wieder aufgelegt werden könnten. Dazu müsste dann aber auch dasNetz der Beratungsstellen „Frau und Beruf“ gestärkt werden.Ein weiterer Punkt des FDP-Antrages ist der Wunsch, dass Unternehmen und Selbständige ihreSteuervorauszahlungen reduzieren können. Die erste Frage, die sich dann stellt, ist natürlich:Warum sollen Freiberufler oder auch normale Arbeitnehmer ihre Zahlungen nicht auchreduzieren dürfen? Deren Beitrag zur wirtschaftlichen Gesundung unseres Landes könnte jagenauso hoch sein.Aber darüber hinaus hätten wir dann ja noch ein weiteres Problem. Zwar darf man seineSteuervorauszahlungen reduzieren, aber bei der Endabrechung im folgenden Jahr wäre danneine Steuernachzahlung fällig. Dann würden wir nur ein Jahr später alles das wieder einreißen,was möglicherweise in den einen oder anderen Fall kurzfristig durch die Reduzierung derVorauszahlung gewonnen worden wäre. Ein richtige Hilfe wäre dies somit auch nicht.Helfen würden eigentlich nur Regelungen, die dauerhaft zu einer Entlastung führen würden.Allerdings braucht der Staat Steuern für die gesellschaftlichen Aufgaben, die er zu erfüllen hat.Und wenn schon über Steuererleichterungen geredet wird, dann müssen diese zuallererst denNormalbürgern zugute kommen. Das stärkt die Binnenkonjunktur am besten. 4Sehen wir uns nun den zweiten Bereich an, der im Antrag angesprochen ist: der Bürokratieabbau.Bürokratie muss abgebaut werden, das ist klar. Hierbei geht es aber in erster Linie um den Abbauvon Doppelzuständigkeiten und von unübersichtlichen Verwaltungsstrukturen. Es sind wenigerdie Gesetze und Verordnungen das Problem, sondern vielmehr die vielen Verwaltungen und dievielen verschiedenen Zuständigkeiten. Wenn also die FDP fordert, Gesetze und Verordnungenzeitlich zu begrenzen, dann gewinnt sie erst einmal gar nichts, weil die Regelungen jaunverändert bestehen bleiben. Sie verliert aber an politischen Einfluss, weil über dieseRegelungen nicht mehr politisch diskutiert werden muss, wenn sie wegfallen sollen. Diesschadet unserem politischen System mehr als das dies dem Bürokratieabbau nutzt.Genauso verhält es sich mit dem so genannten Genehmigungsfiktion. Entweder haben wirrechtliche Regelungen, dann müssen wir uns auch daran halten, oder wir haben diese eben nicht.Wir als SSW sind der Auffassung, dass ein und der selbe Tatbestand immer gleich behandeltwerden muss. Mit einem Anzeigeverfahren können wir im Einzelfall leben. Aber, dassbeispielsweise eine nicht rechtmäßige Baumaßnahme auf einmal rechtens sein soll, weil dieBauverwaltung eine Bearbeitungsfrist nicht einhalten kann, werden wir so nicht akzeptierenkönnen.Gleiches gilt für die Abschaffung von Beauftragten oder auch die Schleifung des Bau-,Naturschutz-, Denkmalschutz- und Landesplanungsrechtes. Alle diese Bestimmungen sindAusfluss von politischen Prozessen und dürfen nicht einfach so außer Kraft gesetzt werden.Wenn Regelungen geändert werden sollen, kann man in diesem Haus einen konkreten Antragmit konkreten Vorschlägen stellen, der dann politisch unter Beteiligung der betroffenengesellschaftlichen Organisationen diskutiert wird. Soll es dann Änderungen geben, so ist dieseine politische Entscheidung, die zu respektieren ist. Automatismen darf es aber nicht geben.Solange die Gesetze so sind wie sie sind, sind sie einzuhalten und auch notwendig. 5Den Kern der Sache trifft die FDP nach unserer Auffassung aber im dritten Teil ihres Antrages, indem sie dazu auffordert, die Verwaltung mittelstandsfreundlicher zu gestalten. Genau das ist derKern. Es müssen effiziente Verwaltungsstrukturen geschaffen werden. Betrachtet man diekommunale Verwaltung, so kann man feststellen, dass die große Koalition total versagt hat.Normal wäre es gewesen, wenn wir eine dreigliedrige Verwaltung bekommen hätten, die aufallen drei Ebenen von der Politik in ihrem Rahmen gesteuert worden wäre. Land, Kreise undgroße, leistungsfähige Kommunen wäre das Bild von einer idealen dreigliedrigen Verwaltunggewesen. Statt dessen haben wir auf Landesebene eine verwirrende Vielzahl vonZuständigkeiten und dazu Kreise, die durchaus mehr Aufgaben als Selbstverwaltungsaufgabenübernehmen könnten und wollten. Darüber hinaus leisten wir uns eine kleinteilige kommunaleStruktur mit Gemeinden, großen und kleinen Ämtern, Amtskooperationen und Zweckverbänden,die das Verwaltungschaos mit eingebauten Demokratiedefizit mehr als deutlich machen. Untersolchen Bedingungen kann es keine bürger- und unternehmensfreundlichen Strukturen gebenund schnelle und transparente Entscheidungen sind hierbei auch nicht möglich.Wer also einen guten Service für Bürger und Unternehmen bieten will, braucht eine guteVerwaltungsstruktur, moderne und innovative Dienstleistungen und eine entsprechendeAusstattung der Verwaltungen. Alles dies fehlt uns noch und hier haben wir in der Tat einepolitische Baustelle, die die große Koalition zwar einmal besichtigt hat, aber die sieunverrichteter Dinge wieder verlassen hat.Wenn die FDP in ihren dritten Punkt allerdings nur davon spricht, dass die Leistungen derVerwaltungen bewertet und ihre Bürokratiekosten ermittelt werden sollen, ist das nach unsererAuffassung nicht genug. Vielmehr müssen alle Auswirkungen von Verwaltungshandeln in dieBetrachtung mit einbezogen werden. Zukünftige gesellschaftliche Kosten vonVerwaltungshandeln ebenso, wie auch die Umsetzung gesetzlich festgelegter Ziele.Verwaltungen sind nicht in erster Linie Umsetzungsgehilfen für die Wirtschaft, sondern siesetzen politisch formulierte gesellschaftliche Ziele um. Das ist das Maß an dem wir als SSW dasVerwaltungshandeln messen. 6Zusammenfassend kann man sagen, dass der FDP-Antrag Licht und etwas mehr Schatten hatund er so sicherlich nicht zustimmungsfähig ist. Aber losgelöst von einzelnenLösungsvorschlägen möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, dassGrundvoraussetzung für die nachhaltige Wirkung von solchen Vorschlägen immer dieAnkurbelung der Binnenkonjunktur ist. Und diese Diskussion dreht sich dann beispielsweise umSteuerentlastungen für Kleinverdiener, Verbesserung von Sozialleistungen oder die Einhaltungvon Tariflöhnen. Diese Themen sind wichtiger für das soziale Gefüge einer Gesellschaft und siewirken sich unmittelbar und schnell auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Und zwar zumpositiven.