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Anke Spoorendonk zu TOP 13 - Ecofin-Beschluss
PresseinformationKiel, den 07.05.2009 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 13 ECOFIN- Anwendung Umsetzung des ECOFIN-Beschlusses zur Anwendung Mehrwertsteuersätz tze reduzierter Mehrwertsteuersätze Drs. 16/2558Die Diskussion über den Sinn eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes ist so etwas wieein politischer Dauerbrenner. Gern wird sie von der FDP angeführt, und genau diesversucht sie ja mit dem uns heute vorliegenden Antrag zu erreichen.Konkret macht es die im März von den Finanzministern der EU getroffene Entscheidungmöglich. Denn die EU-Finanzminister hatten sich danach zur Vorbereitung desEuropäischen Rates darauf verständigt, dass Mitgliedsstaaten in einigen lokalenDienstleistungsbranchen ein verminderter Mehrwertsteuersatz erlaubt wird. Allgemeingilt in Deutschland bekanntlich ein Steuersatz von 19 Prozent; für Dinge, die demGemeinwohl dienen, sind es nur 7 Prozent. Was dem Gemeinwohl dient, ist allerdingsauch Fachleuten nicht mehr ersichtlich. Auch darüber haben wir im Plenum ja mehrfachDebatten geführt, denn auch Hundefutter und Schnittblumen sind immer noch von demvollen Mehrwertsteuersatz befreit. Wie im FDP-Antrag angeführt, könnte der ECOFIN-Beschluss dazu genutzt werden, arbeitsintensive Dienstleistungen besser zu stellen. 2Dass sich vor diesem Hintergrund gleich der DEHOGA zu Wort meldet, ist daher nurfolgerichtig.Da aber mehrere EU-Länder gleich abgewunken und von sich aus erklärt haben, dass siedie Option des reduzierten Mehrwertsteuersatzes nicht in Anspruch nehmen wollen,bleibt es wohl dabei, dass dieser Vorstoß als „nice to have“ Teil des EU-Wahlkampfeswerden wird.Auch das Bundeskabinett hat schnell reagiert: Man habe den ECOFIN-Kompromissakzeptiert, werde aber nichts unternehmen, um ihn in der Bundesrepublik umzusetzen.Laut Presseberichten kann sich nun aber der bayrische Ministerpräsident damit brüsten,dass diese Forderung nunmehr ihren Platz in dem gemeinsamen Wahlkampfversprechenvon CDU und CSU zur Bundestagswahl sein soll. Seehofer hat mit anderen derBundeskanzlerin ein Thema aufs Auge gedrückt, das sie von sich aus niemals aufgerufenhätte. Das mag dafür gesorgt haben, dass der unionsinterne Haussegen wieder etwasgerader hängt, den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes hilft dies alles wenig. Auchdem Verhältnis zur FDP sei damit gedient, vermute ich einmal. Denn Guido Westerwelleverlangt ebenfalls eine Senkung der Mehrwertsteuer für einige Wirtschaftszweige. Es sei„unfair“, soll er gesagt haben, wenn etwa die Hotel- und Gaststättenbetriebe in denNachbarländern weniger Steuern zahlen müssen als deutsche Unternehmen.Der SSW hat sich in Landtagsdebatten in der Vergangenheit immer wieder für denermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel ausgesprochen, denn ein Wegfallwürde für viele Familien ein richtiges Problem darstellen – man werfe einen Blick in denArmutsbericht der Bundesregierung. Ansonsten sind wir der Auffassung, dass andereSteuerungsinstrumente unter gesellschaftspolitischen Aspekten sehr viel besser und 3wirksamer sind. Hier seien stichwortartig die Einführung eines tariflichen Mindestlohnsund eine sozial gerechte Steuerreform genannt. Und würden wir eineBürgerversicherung bekommen, die den Namen auch wirklich verdient, dann würde diesauch zu einer steuerlichen Entlastung unseres Handwerks führen, die sehr vielnachhaltiger ist als ein reduzierter Mehrwertsteuersatz.Wir werden also den FDP-Antrag ablehnen. Zumal ja auch nichts darauf hin deutet, dasssich die Bundesregierung überhaupt umstimmen lässt. Entscheidend ist für uns aber,dass der Bund gerade eine ganze Reihe von Steuererleichterungen beschlossen hat, diedazu dienen sollen, die Konjunktur wieder anzukurbeln. Diese Steuererleichterungensind finanziell gesehen ein großer Kraftakt. Sie sind gewollt – in der Hoffnung, dass sieschnell Wirkung zeigen. Alles andere wäre in der jetzigen Situation ein weiterer Schussmit der Schrotflinte.