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Monika Heinold zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen
Presseinformation Landtagsfraktion Es gilt das gesprochene Wort Schleswig-Holstein Pressesprecherin TOP 18 – Alkoholkonsum von Jugendlichen Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 Dazu sagt die jugendpolitische Sprecherin 24105 Kiel der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Telefon: 0431 / 988 - 1503 Monika Heinold: Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 259.09 / 18.06.2009Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen nicht auf die leichte Schulter nehmenAnfang Mai legte das Kieler Institut für Gesundheitsforschung eine Studie über den Zu- sammenhang von Alkoholkonsum und -werbung bei Kindern und Jugendlichen vor. Das Ergebnis sorgte für Schlagzeilen. Die eindeutige Aussage der Studie war: Alkoholwer- bung führt bei Kindern und Jugendlichen zu einem erhöhten und frühzeitigen Alkohol- konsum.An dieser Aussage kommt erst einmal niemand vorbei. Eltern, Werbeagenturen, Alko- holhersteller und wir als Politik müssen uns mit diesen Ergebnissen beschäftigen. Neunzig Prozent der befragten Jugendlichen zwischen zehn und siebzehn Jahren, die zehn Mal und öfter Alkoholwerbung gesehen hatten, hatten selbst schon Alkohol kon- sumiert. Achtzig Prozent derjenigen, welche die gezeigte Werbung noch nie wahrge- nommen hatten, hatten bislang keinen Alkohol getrunken. Demzufolge wäre die Konse- quenz aus dieser Studie ein komplettes Werbeverbot für Alkohol.Solche Forderungen sind nicht neu. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing schlug im März 2008 mit dem Drogen- und Suchtrat ein Werbe- und Sponsoringverbot für Alkoholika vor. Die gemeinsamen Empfehlungen scheiterten an der Lobby der Alko- holproduzenten und angesichts der Tatsache, dass Großveranstalter und Sportvereine erheblich vom Sponsorentopf der Alkoholbranche profitieren. Der Einsatz für ein Alko- holwerbeverbot ist vergleichbar mit dem Kampf für das Tabakwerbeverbot – auch hier dauerte es Jahre, bis sich die Vernunft durchgesetzt hatte. Jetzt sind die Raucherzahlen rückläufig, erfreulicherweise gerade bei Jugendlichen. Seite 1 von 2 Der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen ist besorgniserregend. Im Jahr 2007 wurden ca. 740 junge Menschen zwischen zehn und zwanzig Jahren mit Alkoholvergif- tung in ein schleswig-holsteinisches Krankenhaus eingeliefert. Jede(r) von ihnen ist ei- ne(r) zu viel!Deshalb plädiere ich dafür, die Ergebnisse der Studie ernst zu nehmen. Dabei sollten wir genau hinschauen, um Ursachen und Wirkungen zu erfassen und um die richtigen Präventionsmaßnahmen zu unterstützten. Mit einem Alkoholwerbeverbot allein ist es si- cher nicht getan.Ich will das Ergebnis der Studie, dass es einen Zusammenhang zwischen Alkoholwer- bung und Alkoholkonsum gibt, nicht anzweifeln. Aber ich plädiere dafür, dieses Ergeb- nis nicht eindimensional zu sehen. Beim Drogenkonsum gibt es keine einfachen Lösun- gen, der Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen ist immer vielschichtig. Die Kin- der und Jugendlichen der Studie waren zwischen zehn und siebzehn 17 Jahren alt. Ich frage sie, welche Sechzehnjährige, welcher Zwölfjährige hat noch nie Plakate oder TV- Spots mit Alkoholwerbung gesehen? Wohl die wenigsten. Daraus lässt sich möglicher- weise ableiten, dass die gesamte Lebenssituation dieser Gruppe eher untypisch ist.Nicht unwahrscheinlich, dass es diese Gesamtsituation ist, welche sich positiv auswirkt und eine Nichtanfälligkeit der Kinder und Jugendlichen gegenüber einem frühen Alko- holkonsum bedingt. Aber auch die Ergebnisse der zweiten Gruppe sollten wir kritisch hinterfragen. Hier könnten es ebenfalls die Lebensumstände insgesamt sein, welche ei- nen frühen Alkoholkonsum begünstigt haben. Kinder, die schon früh stundenlang vor dem Fernseher sitzen, sehen logischerweise mehr Alkoholwerbung als diejenigen, die im Reitkurs oder Musikunterricht selbst aktiv sind oder draußen mit den Nachbarskin- dern spielen.Meine Fraktion plädiert dafür, genau diese Zusammenhänge zwischen Lebensumstän- den und Verhalten genauer zu untersuchen. Die Erkenntnisse könnten für eine Neuaus- richtung und Intensivierung der Präventionsarbeit hilfreich sein. Prävention, Beratung und Begleitung, Hilfe und Unterstützung gehen vor. In diese Richtung zielt auch unser heutiger Berichtsantrag. Ich bedanke mich bei der Ministerin für den gegebenen Bericht. *** 2