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Lars Harms zu TOP 18 - Alkoholkonsum von Jugendlichen
PresseinformationKiel, den 18. Juni 2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 18 Alkoholkonsum von Jugendlichen Drs. 16/2665Fast jeden Montag das Gleiche: neue Meldungen über alkoholbedingte Verkehrsunfällenach einem Diskobesuch, über Jugendliche, die unter Alkohol randalieren oder sogar imKrankenhaus landen.So weit, so schlecht.Aus der vom Antragssteller angeführten aktuellen Studie wissen wir, dass „vielekonsumierende Schüler/innen zwar eher selten Alkohol trinken, aber wenn sie trinken,dann viel.“ (S. 12). Kampagnen, wie die während der Kieler Woche zu „Kids ohne Alkohol“,und Polizeikontrollen, wie am letzten Wochenende in Hannover, zeigen Wirkung und dasKonsumverhalten der Jugendlichen ändert sich kurzfristig tatsächlich. Die Jugendlichentrinken seltenener; aber wenn sie es tun, dann trinken sie viel – meistens zu viel. DieAusschläge, bis hin zum gesundheitsgefährlichen Komasaufen, werden heftiger.Das liegt nicht zuletzt an Erwachsenen, die ein lukratives Geschäft mit dem Verkauf,auch dem illegalen Verkauf von Alkohol an Jugendliche, machen. Die Zeltfestsaison ist 2angebrochen, unter ihnen viele so genannte Flatparties, die zum Alkohol verführen oder50-Cent-Parties, wo die Jugendlichen durch Rabatte regelrecht zum schnellen, heftigenBetrinken getrieben werden, weil nämlich der Preis fürs Glas Bier oder für den Cocktailbis um 23 Uhr auf 50 Cent gehalten wird und danach steigt.Es ist außerdem relativ simpel, auch als 16jähriger an Hochprozentiges zu gelangen:Viele kleine und große Einzelhandelsgeschäfte verkaufen ohne Kontrolle Schnaps anJugendliche. Dabei gibt es inzwischen Kassensysteme, die beim Einscannen dieKassiererin automatisch darauf aufmerksam machen, dass der Kunde älter als 18 Jahresein muss und sie sich seinen Ausweis zeigen lassen sollte. Die Anschaffungskosten einesentsprechenden Programms sind niedrig, dennoch sind sie nur in wenigen Geschäften zufinden. Offenbar will sich der Handel ein Schlupfloch lassen, wonach der Spirituosen-Verkauf an Jugendliche nur Einzelfälle seien. Das bezweifle ich allerdings ausdrücklich.Allerdings weiß ich auch, dass Jugendliche mit der Unterstützung vieler jungerErwachsener rechnen können, die dann statt ihrer die Flasche kaufen und sich vor demGeschäft das Geld dafür geben lassen. An dieser, wenn auch falschen Verbrüderung,werden übrigens auch die Testkäufe durch die Polizeischüler nichts ändern, die der SSWsowieso ablehnt. Der Staat sollte nicht zu Ordnungswidrigkeiten animieren, auch nichtin bester Absicht.Es gibt noch weit gewichtigere Wirtschaftsinteressen; die der Hersteller nämlich, diedem Komasaufen Vorschub leisten. Sie fahren Jahr für Jahr speziell auf Jugendlichegemünzte Werbekampagnen, die durch das Sponsoring von sportlichen Großereignissenallgegenwärtig sind, und den Durst auf Bier, Sekt und Höherprozentiges regelrecht 3schüren. 2007 lagen die Werbeausgaben der Alkoholindustrie bei 557 Millionen Euro, fürSponsoring wurden nochmals etwa 600 Millionen draufgelegt. Das ist ein gigantischerWirtschaftszweig, der einen nachhaltigen Eindruck bei den Konsumenten hinterlässt. Sozählt die Biermarke „Krombacher“ laut der IFT-Studie zu den bekanntestenAlkoholmarken, sicherlich gerade wegen des Engagements der Brauerei beim Fußball.Die Bilder der Werber sind fast immer gleich aufgebaut: Coole Typen und hübscheMädels tanzen und chillen in lockerer Atmosphäre lässig mit dem Drink in der Hand. Dasist eine ausgeklügelte Manipulations-Strategie, die sich ausschließlich an die jüngerenKonsumenten richtet. Da hilft oftmals nur eine gepfefferte Preiserhöhung, um diesenMachenschaften das Handwerk zu legen. Genau das hat eine entsprechendeLandtagsinitiative für die Alkopops erreicht. Doch dieses Vorgehen hat Grenzen, wie dasBeispiel Finnland belegt, wo der Schnaps sehr teuer ist, sich aber trotzdem ungebremsterBeliebtheit erfreut.Die Wirtschaft muss sich ihrer Verantwortung stellen. Die freiwilligen Verpflichtungen,die die Bundesdrogenbeauftragte alljährlich beschwört, sind wichtig – dann wird genauan die appelliert, die es angeht. Die Wirtschaft trägt, in allererster Linie dieVerantwortung, den Auswüchsen gegenzusteuern.Danach ist es das Elternhaus, das eine ähnliche Verantwortung trägt.Die Politik kann hier nur begleiten und keineswegs den Alkoholkonsum bei Jugendlichengenerell verhindern. Deshalb weiß ich auch nicht, ob ein Werbeverbot der richtige Wegist – zumal die Brauereien für ihr alkoholfreies Bier werben können und trotzdem gewisssein können, dass auch die Marken mit Alkohol indirekt mitbeworben werden; ihre 4Alkoholbotschaft also auch über Umwege an den Konsumenten gelangt. Hier würde dasWerbeverbot überhaupt nichts bringen.Wahrscheinlich müsste man mit Kampagnen eher in Schule und Berufsausbildungansetzen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt, wie man das macht:sie nimmt die Jugendlichen ernst, spricht ihre Sprache und bringt gleichzeitig die fatalenFolgen übermäßigen Alkoholkonsums rüber. So werden die Jugendlichen sensibilisiertfür das Thema, so dass sie beim nächsten Mal eben nicht bis zum Vollrausch trinken.Diese Vorschläge sollten wir im Ausschuss beraten.