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Anke Spoorendonk zu TOP 28 - Stärkung der FUEV
Presseinformation Kiel, den 18. Juni 2009 Es gilt das gesprochene WortAnke Spoorendonk TOP 28 Stärkung der Arbeit der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) Drs. 16/2709Die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen, die FUEV also, ist die Dachorganisationnationaler Minderheiten in Europa. Sie besteht aus 84 Mitgliedsorganisationen verteilt auf 32Länder und ist damit die größte demokratisch legitimierte Vertretung der nationalenMinderheiten auf europäischer Ebene. Man kann übrigens davon ausgehen, dass es in Europaüber 330 nationale und ethnische Minderheiten gibt, denen über 100 Millionen Menschenangehören. Jeder dritte Europäer gehört somit einer nationalen Minderheit an. Diese Vielfaltspiegelt sich auch in den Sprachen wieder: In den 46 Ländern, die dem Europarat angehören,werden 91 Sprachen gesprochen – 37 anerkannte Nationalsprachen und 54 SprachenMinderheiten- und Regionalsprachen. – Soll heißen mindestens 5% der europäischenBevölkerung identifizieren sich mit einer anderen Sprache als der jeweiligen Sprache ihresNationalstaates.Als die FUEV 1949 gegründet wurde, sahen die Verhältnisse im deutsch-dänischen Grenzlandnoch ganz anders aus als heute. Umso bemerkenswerter ist es, dass sowohl die dänische 2Minderheit im Landesteil Schleswig wie auch die deutsche Minderheit nördlich der Grenze zuihren Gründungsmitgliedern gehörten. Man traf sich im Rahmen der FUEV-Arbeit zu einemZeitpunkt, wo nichts darauf hindeutete, dass es eine Lösung der Konflikte in unseremgemeinsamen Grenzland geben könnte – ungeachtet der Tatsache, dass 1949 auch das Jahr derEntstehung der sogenannten Kieler Erklärung war.Rückblickend betrachtet bleibt also festzuhalten, dass sich die FUEV in den 60 Jahren ihresminderheitenpolitischen Engagements zu einem unverzichtbaren Sprachrohr für nationaleMinderheiten in Europa entwickelt hat. Dass es in all diesen Jahren gelungen ist, dieGeschäftsstelle in Flensburg zu erhalte, spricht vor diesem Hintergrund nicht nur für denEinfluss der Minderheiten unseres Grenzlandes; es spricht insbesondere für dieZukunftsfähigkeit unserer Minderheitenregelungen.Das Prinzip, dass die Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit von Amts wegen nichthinterfragt werden darf: Kein Sprachtest, keine Zählung oder der Nachweis, dass man seit dreiGenerationen in der Region lebt, ist vonnöten – ausschlaggebend ist die individuelleEntscheidung und die persönliche Identität. Das Recht, einer nationalen Minderheitanzugehören, ist ein Menschenrecht im Sinne der UN-Menschenrechtskonvention. Und weildies so ist, haben Angehörige einer nationalen Minderheit unserer Minderheitenordnungentsprechend auch die gleichen Rechte und die Pflichten wie alle anderen Bürger in derGesellschaft, in der sie leben. Beide Punkte sind zentrale Elemente unsererMinderheitenregelungen; sie sind es auch, wenn es um die Grundsätze der FUEV geht. Undgenau deshalb sollte es im Interesse aller in diesem Hohen Hause sein, dass die Geschäftsstelleder FUEV weiterhin in Flensburg angesiedelt ist.Was spricht dagegen, könnte die Frage lauten. Zumindest die Mitglieder des Europa-Ausschusses wissen, dass sich die FUEV momentan - im Jahr ihres 60. Geburtstages - in einemökonomisch schwierigen Fahrwasser befindet. In den Haushalten für 2009 und 2010 fehlen ihrjeweils rund 60.000 Euro – und dies, obwohl es ihr in den vergangenen Jahren gelungen ist 3weitere Förderer ihrer Arbeit hinzu zu gewinnen: den Freistaat Sachsen mit 20.000 Euro,Dänemark mit 25.000 Euro und Ungarn mit 19.000 Euro; Schleswig-Holstein unterstützt dasEngagement der FUEV mit 20.000 Euro. Der größte Einzelförderer ist die Provinz Südtirol mitrund 42.000 Euro. Und gelingt es uns nicht, die Finanzlage der FUEV zu stabilisieren, wird dieGeschäftsstelle nach Bozen verlegt werden. Denn Südtirol hat in der Vergangenheit mehrfachgroßes Interesse an eine Umsiedlung gezeigt. Aber genau dies würde aus Sicht des SSW auchzu einem Paradigmenwechsel in der minderheitenpolitischen Ausrichtung der FUEV führen, diewir nicht unterstützen. Wir wollen eben kein statisches System, dass Minderheitenförderungvon dem Ergebnis von Sprachenzählungen abhängig macht.Daher fordern wir im letzten Abschnitt unseres Antrages die Landesregierung auf, aufBundesebene aktiv zu werden. Wir wissen aus dem Europa-Ausschuss, dass derMinisterpräsident schon aktiv geworden ist. Das ist gut so, denn das ist auch notwendig.Der Bund hat in den letzten Jahren seine Förderung der FUEV fast halbiert, und genau dies istein erdenklich schlechtes Signal in einer Zeit, wo Minderheitenpolitik auf europäischer Ebenemehr denn je gefragt ist. Hinzu kommt, dass es in 22 europäischen Staaten deutscheMinderheiten gibt. Damit gibt es in Europa fast so viele deutsche wie Roma-Minderheiten.Von der Bundesrepublik sollte also ein eindeutiges Signal ausgehen, dass Minderheitenpolitikaktuelle Politik in Europa ist. Es wäre auch ein gutes Signal vor dem Hintergrund, dass wir imHerbst dieses Jahres den 20. Jahrestag des Mauerfalls würdigen werden. Denn nach der erstenEuphorie nach Beendigung des Kalten Krieges wurde Europa ganz schnell vonMinderheitenkonflikten dominiert. Wenn wir den Frieden in Europa sichern wollen, brauchenwir mit anderen Worten tragfähige Minderheitenregelungen. In diesem Kontext muss dieArbeit der FUEV gesehen werden!