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Lars Harms zu TOP 36 - Situation der Schiffbauindustrie
PresseinformationKiel, den 16. Juli 2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 36 Verbesserung der Situation der Schiffbauindustrie Drs. 16/2764Die Situation für die deutschen Werften spitzt sich weiter zu und eine Besserung ist bisher nichtin Sicht. Die Auswirkungen der Finanzkrise und der damit verbundene Rückgang desFrachtverkehrs haben den deutschen Werften enorm zugesetzt. Immer wieder sind neueHiobsbotschaften von Insolvenzen bei den Werften zu vernehmen. Die durch die konjunkturellguten Jahre entstandenen Überkapazitäten wirken jetzt wie ein Bumerang.Ein anderer Aspekt, der unseren Werften in den letzten Jahren erheblich zu schaffen gemachthat, ist das starke Eindringen der asiatischen Werften auf dem Weltmarkt. Gestützt durchstaatliche Subventionen für Container- und Frachtschiffe in Ländern wie Südkorea und China,konnten diese Werften dort ihre Position auf dem Weltmarkt massiv ausbauen.Durch weitere milliardenschwere staatliche Subventionen sollen die Auswirkungen der Finanz-und Wirtschaftskrise dort abgefangen werden. Dies führt natürlich zuWettbewerbsverzerrungen, die unsere Werften in der jetzigen Situation alleine nicht bewältigenkönnen. 2Zwar leistet der Bund – wie es auch aus dem Antrag hervorgeht – entsprechende Hilfen zurRettung des Schiffbaus an deutschen Standorten, aber wir wissen auch, dass dies allein oft nichtausreicht. Daher möchte ich bereits vorweg sagen, dass wir dem vorliegenden Antrag zustimmenwerden, weil wir damit deutlich machen können, dass die Verantwortung für die deutschenWerften nicht allein beim Bund liegt, sondern dass auch wir als Land eine Verpflichtunggegenüber unseren Werften haben.Auch wenn wir nicht milliardenschwere Zusagen leisten können, müssen wir aber für dieentsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, die für unsere Werften in Zukunft wichtig seinwerden.Eine maßgebliche Aufgabe spielen natürlich die Banken in dieser Zeit. Soll heißen, wir können esniemandem erklären, dass wir den Banken auf der einen Seite mit Milliardenkrediten aus derKlemme helfen und diese sich bei der Kreditvergabe querstellen, beziehungsweise den Werftendas Leben schwer machen. Hier sind die Banken gefordert, die schließlich mit öffentlichenGeldern unterstützt werden.Unbürokratische staatliche Zinsbeihilfen für Schiffbauunternehmen sind darüber hinaus einrichtiger Ansatz. Ich möchte aber auf ein weiteres Problem hinweisen, dass den Werften dieFinanzsituation zur Zeit erschwert. Wir wissen, dass die Werften für den Bau ihrer Schiffe immerwieder auf Kredite angewiesen sind. Doch diese Kredite werden immer nur temporär genutztund voll ausgeschöpft. Was unsere Werften derzeit nicht brauchen sind Kreditmittel, die alsGesamtsumme vollständig zur Verfügung gestellt werden, auch wenn man sie kurzfristig nichtvollständig benötigt. Der bei einer nur teilweisen Ausnutzung der Kreditlinie fälligeVorfälligkeitszins belastet die Werften zusätzlich. Die Werften brauchen kurzfristige Kredite unddas müssen unsere Banken und Kreditinstitute leisten.Ein wichtiger Aspekt, für die Zukunft der Werften kommt insbesondere für den BereichInnovation und Forschung zu. Wir müssen erkennen, wo unsere Stärken in der Schiffbauindustriesind und diese liegen eindeutig bei der Weiterentwicklung des Know-hows. 3Das heißt, dass die Aktivitäten und Investitionen im Bereich von Forschung, Entwicklung undInnovation weiter intensiviert werden müssen. Die Zusammenarbeit unserer Hochschulen mitden Werften muss weiter verbessert und verstärkt werden. Wir brauchen mehr Ingenieure aufdem maritimen Sektor. Hier müssen wir als Land unseren Teil beitragen.Angesichts strengerer Umweltauflagen, die auch in der maritimen Wirtschaft künftig stärkerzum Tragen kommen werden, ist es wichtig, dass auch im diesem Bereich die Forschung weitervorangebracht wird. Umweltfreundliche Schiffe und entsprechende neue Technologien werdenin Zukunft stärker benötigt als bisher. Dafür bedarf es aber politischer Entscheidungen aufeuropäischer Ebene, dass umweltschädliche Schiffe vom Markt genommen werden müssen unddurch energiesparende und schadstoffarme Schiffe ersetzt werden.Wir wissen um die finanziellen Zwänge, in denen unsere Werften derzeit stecken und es wirdZeit kosten, bis die genannten Maßnahmen greifen. Daher ist es wichtig, dass die Werften diebestehenden Möglichkeiten voll ausschöpfen. Es darf nicht zu Massenentlassungen kommen. Esmüssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Menschen weiter zu qualifizieren undfortzubilden. Antizyklisches Handeln in der Beschäftigungs- und Ausbildungspolitik ist jetztgefragt. Und dabei müssen das Land und der Bund die Werften unterstützen