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16.09.09 , 17:09 Uhr
SSW

Lars Harms zum Dringlichkeitsantrag zur Situation von HDW in Kiel

Presseinformation Kiel, den 16.09.2009 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
Dringlichkeit: Zur Situation von HDW in Kiel Drs. 16/2873

Bereits Anfang des Jahres haben wir hier im Landtag die Situation der Werften in Schleswig-
Holstein debattiert. Der Schiffbau als Indikator für die Wirtschaftskrise, macht deutlich, wie
ernst die Lage ist. Vor allem im Bereich der zivilen Schifffahrt brechen die Aufträge für
Container- und Frachtschiffe massiv weg. Dies bekommen wir bereits seit längerem zu spüren.
Wenn wir nun aus den Medien erfahren, dass ThyssenKrupp einen Teilverkauf von HDW plant,
ist dies in diesem Zusammenhang zu sehen. Das macht die Situation aber nicht besser.
Der geplante Ausstieg aus dem zivilen Schiffbau bis zum Ende des Jahres, würde für HDW
bedeuten, dass man sich aus einem alten traditionellen Bereich raus zieht. Erst in der letzten
Woche wurde bekannt, dass ThyssenKrupp den Verkauf der Nordseewerke in Emden plant.
Auch wenn der U-Bootbau sowie die Docks der Kieler Werft vom Verkauf unberührt bleiben
und wenn ThyssenKrupp sich zukünftig auf den Bau größerer Marine- und Spezialschiffe
konzentrieren will, ist klar, dass eine solche Entscheidung Arbeitsplätze kosten wird.
Bereits angekündigt wurde, dass nur ein Teil der 400 Mitarbeiter der HDW-Gaarden
übernommen wird. 2
Diese Nachrichten kommen einem Schicksalsschlag gleich – und betroffen ist nicht nur die
Landeshauptstadt, sondern Schleswig-Holstein insgesamt und auch der Werftenstandort
Deutschland.
Die Entscheidung von ThyssenKrupp hat aber auch eine hohe Symbolkraft für die allgemeine
Situation im Schiffbau. Denn aus schleswig-holsteinischer Sicht ist sie leider nur der vorläufige
Höhepunkt in der Krise der europäischen und deutschen Werften. Wenn man bedenkt, dass
noch Anfang der 70’er Jahre 10.000 Mitarbeiter bei der HDW in Kiel beschäftigt waren, sieht
man das ganze Ausmaß der Entwicklung im deutschen Schiffbau in den letzten 40 Jahren.
Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise, ist die Entscheidung der ThyssenKrupp ein
schwerer Schlag für die Betroffenen und deren Familien. Aber auch für die Zulieferer in der
Region wird eine solche Entscheidung negative Konsequenzen haben.


Wir alle kennen die Ursachen dieser Krise und angesichts der weltweiten Überkapazitäten im
Seeverkehr verstärkt sich die Situation. Aber auch die asiatische Billig-Konkurrenz im zivilen
Schiffbau trägt ihres dazu bei und macht den deutschen und europäischen Werften den
Garaus.


Eine Abwrackprämie für Schiffe zu fordern, wie es der Generalsekretär des Europäischen
Werftenverbandes getan hat, erteilen wir jedoch eine Absage. Aus Sicht des SSW ist dies kein
Instrument das nachhaltig hilft. Sie wirkt nur kurzfristig und schlägt wie ein Bumerang zurück.
Rund 1/3 der in Europa verkehrenden Fähren ist älter als 30Jahre. Soll heißen, sie fahren mit
veralteten Technologien und sind weit entfernt von modernen Umweltstandards. Damit sind
sie ein Fall für die neue Europäische Seeverkehrsstrategie, die unter anderem eine
Verbesserung der Umweltstandards und Richtlinien im gesamten Seeverkehr vorsieht.
Derartige Maßnahmen erfordern eine entsprechende moderne Flotte. Das sind Maßnahmen,
die nachhaltig wirken und wirtschaftliche Effekte auslösen. Dies wirkt jedoch nicht sofort. Erst
in ein paar Jahren wird man die Effekte zu spüren bekommen. 3
Wir müssen aber Wege finden, wie die Auflösung des zivilen Schiffbaus bei HDW verhindert
werden kann. HDW muss auch in Zukunft eine Universalwerft bleiben, die sowohl im zivilen
Schiffbau wie auch im Marine-Schiffbau tätig ist. Das bewirkt, dass die Belegschaft flexibel
einsetzbar ist. Solange jedoch keine konkreten Lösungen gefunden sind, fordern wir die
Landesregierung auf, auf die ThyssenKrupp einzuwirken die Planungen zu überdenken und
alles in ihrer Macht stehende zu tun, um so viele Arbeitsplätze wie nur irgend möglich bei der
HDW und ihren Zulieferfirmen zu erhalten.
Und wir fordern ThyssenKrupp dazu auf, gemeinsam mit dem Betriebsrat und der IG Metall
arbeitsplatzerhaltende Maßnahmen zu ergreifen, damit alle Beschäftigten, über den vom
Konzern anberaumten Termin hinaus ihre Arbeitsplätze erhalten.

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