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Lars Harms zu TOP 17 - Schließung von Bundesbankfilialen in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 18. November 2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 17 Schließung von Bundesbankfilialen Drs. 17/25Die Bundesbank will aus Kostengründen in den nächsten Jahren in Deutschland 13 ihrerderzeit 47 Filialen aufgeben oder zusammenlegen. Das hat an fast allen Standortenerheblichen Protest nach sich gezogen.Die angeblichen umfangreichen Untersuchungen jedes einzelnen Standorts erweisensich als wenig stichhaltig. So wurden in Hessen kurzerhand so genannte „andereWirtschaftlichkeitsüberlegungen“ aus dem Hut gezaubert, um die Schließung der Filialein Gießen zu rechtfertigen. Dabei ist in fast allen betroffenen Filialen das Einzahlungs-und Bearbeitungsvolumen durchaus ausreichend. Dagegen gefährdet die Schließungmassiv die Bargeldversorgung der Wirtschaft, weil entsprechende andere Möglichkeitennoch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Privatkunden können nichtmehr den gebührenfreien und unbefristeten Umtausch von D-Mark-Banknoten und –münzen nutzen. In Lübeck fehlt die Stadtkasse. Bürger, die an die Stadt Lübeck Geld 2überweisen oder einzahlen wollen, können das gebührenfrei nur über wenige Banken –oder eben die Bundesbankfiliale tun. Wer überhaupt kein Konto hat, kann Rechnungenund ähnliches gebührenfrei nur via Bundesbank erledigen. Das ist für viele Arme undÜberschuldete die letzte Rettung.Darum setzt sich der SSW für den Erhalt der Bundesbankfilialen in Schleswig-Holsteinein. Es liegen keine Gründe vor, die Filialen zu schließen.Die Bremer Finanzsenatorin sieht in der Schließung der norddeutschen Bundesbank-Standorte eine Fortsetzung der langjährigen Tradition, nach der der reiche Südengegenüber dem Norden bevorzugt wird. Gestützt wird diese Vermutung - die im Übrigenauch die ostdeutschen Filialen betrifft, die überproportional von der Schließungswellebetroffen sind - durch Bankinterna: So meldet das Nachrichtenmagazion „Focus“ ausinternen Papieren, dass Bremen bei der Bargeldeinzahlung auf Platz 23 von insgesamt 48Standorten liege; Meiningen in Thüringen auf Platz 31. Trotzdem sollen beideaufgegeben werden. Die Filiale im bayerischen Augsburg bleibt bestehen, obwohl siebeim Bargeldverkehr nur auf dem 41.Rang liegt.Die Wirtschaftlichkeitsüberlegungen sind also beileibe nicht so objektiv, wie uns dieFrankfurter Zentrale weis machen will.Warum sollen dann die Filialen geschlossen werden? Oder anders gefragt: warumriskiert die Bundesbank massive Kritik, zu der es ja auch tatsächlich an fast allen Filial-Standorten gekommen ist? Über die Gründe kann man nur spekulieren. Derwahrscheinlichste Grund liegt wohl in der geplanten Neuorganisation der Bundesbank. 3Die Berliner Koalition will die Bundesbank nämlich zentralisieren und in eine alleinigeBanken- und Finanzaufsicht umbauen. Dabei soll die Bundesbank auch die Arbeit derBaFin erledigen. Zur Zentralisierung müssen die Frankfurter möglichst schnell vieleFilialen schließen; schließlich will sie nicht mehr länger als Dienstleister agieren, sondernals politisch gesteuerte Behörde. Das heißt, Geldgeschäfte sind passé und und Nähe zumKunden ist dann nicht mehr notwendig. Deshalb ist unsere Kritik an denSchließungsplänen auch eine Kritik an der Umstrukturierung und Neu-Positionierung derBundesbank.Unabhängig von den Beweggründen bedeutet die Schließung der Filialen für Schleswig-Holstein, dass der Norden einen wichtigen Standortfaktor verliert. Kein Unternehmenmit umfangreichem Bargeldverkehr wird im Norden Schleswig-Holsteins nochproblemlos Geschäfte tätigen können, weil ergänzende und sichere Wege derBargeldversorgung nicht mehr bestehen. Somit ist die Schließung derBundesbankfilialen ein eindeutiger Standortnachteil, der zu den bereits bestehenden,wie der schlechten verkehrstechnischen Anbindung, hinzu gezählt werden muss.Darum müssen die Bundesbankfilialen erhalten bleiben. Die Kreistage in Nordfrieslandund Schleswig-Flensburg unterstützen diese Initiative und auch in der Stadt Flensburgsteht dieses Thema auf der Tagesordnung. Der SSW bittet alle Fraktionen, sich seinemAntrag anzuschließen um eine deutliche Position zum Erhalt der Bundesbankfilialeneinzunehmen.