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Anke Spoorendonk zu TOP 26 - Bildungsfinanzierung
Presseinformation Kiel, den 19. November 2009 Es gilt das gesprochene WortAnke Spoorendonk TOP 26 Bildungsfinanzierung Drs. 17/40Ein Jahr nach dem Bildungsgipfel in Dresden sind die Versprechen der Bundeskanzlerin und derMinisterpräsidenten in weite Ferne gerückt. Die Finanzminister haben zwar bekannt gegeben,dass eine Steigerung der Bildungsausgaben auf 10% des BIP rein rechnerisch schon geschehenist – auf eine verbesserte Bildungsfinanzierung hoffen wir aber vergeblich. Auch dieZahlenakrobatik der Finanzminister ändert nämlich nichts daran, dass es sowohl bei enSchulen wie auch im Hochschulbereich weitere große Baustellen gibt.Die Erfolgsaussichten, um beim Bildungsgipfel im letzten Jahr überhaupt etwas zu erreichen,waren insgesamt ziemlich durchwachsen. Auch, dass die Bundeskanzlerin „Bildung zurChefsache“ erklärte, änderte nichts daran, dass der Bund sich bei der letztenFöderalismusreform aus der Zuständigkeit für den Bildungsbereich entlassen hat. Bildung istLändersache. Von vornherein war also klar, dass sämtliche Beschlüsse dieses Gipfels mehrsymbolischen Wert hatten als alles andere. 2Nur beim Hochschulpakt II gelang es ansatzweise über das Unverbindliche hinaus zu kommen.Der SSW begrüßt die im Hochschulpakt II vorgesehene Erhöhung zur Finanzierung neuerStudienplätze. Sie liegt aber nach wie vor unter dem OECD-Durchschnitt von 10.600 Euro proStudienjahr. Hinzu kommt, dass aus schleswig-holsteinischer Sicht eine Laufzeit des neuenHochschulpaktes bis 2015 reichlich wenig nützt, da die doppelten Abiturjahrgänge erst 2016 indie Hochschulen wollen. Wir brauchen also eine längere Laufzeit des Hochschulpakts und wirbrauchen auch eine Bilanz darüber, wie es mit der Umsetzung des Hochschulpaktes II bestelltist.Vor dem Hintergrund der gesamten Gemengelage begrüßt der SSW den vorliegenden Antragvon Bündnis 90/Die Grünen. Denn richtig ist, dass der nächste Bildungsgipfel mehr bringenmuss als nette Unterhaltung.Bildungsfinanzierung ist in Deutschland ein prinzipielles Problem. Der politische Beitrag für einbesseres Bildungssystem beschränkt sich aber häufig auf rhetorische Plädoyers, in denen dieBedeutung von Humankapital für den Wirtschaftsstandort Deutschland hochgehalten wird.Darüber hinaus passiert aber viel zu wenig, um die Missstände in unserenBildungsinstitutionen aufzuheben.Und damit meine ich nicht nur die Probleme an den Schulen. Unterrichtsausfall, hoheBelastung von Lehrerinnen und Lehrern, zu große Klassenfrequenzen, marode Schulgebäude,zu wenig Schulsozialarbeit und ein mittlerweile völlig undurchschaubares Schulsystem sindnur ein Teil des Problems. Viel zu häufig wird vergessen, dass wir auch eine bildungspolitischeVerantwortung für den Vorschulbereich und für die Bildung aller Menschen nach der Schulzeithaben - also in der gesamten Erwachsenen- und Weiterbildung.Daher ist es aus Sicht des SSW ganz wesentlich, dass die im Bundestagswahlkampfangestoßene Debatte über die Finanzierung von Bildungsaufgaben weiter geführt wird. Die 3Grünen schlagen vor, den auslaufenden Soli-Ost in einen Bildungs-Soli umzuwidmen. DiesesKonzept wirkt spontan gesehen bestechend - es kann leicht in existierende Systemeeingearbeitet und schnell umgesetzt werden. Gesamtgesellschaftlich gesehen kann es abernicht angehen, dass auf der einen Seite Steuererleichterungen durchgewunken werden undauf der anderen Seite diejenigen, die von den Steuererleichterungen am wenigsten profitieren,über einen Bildungssoli für das Bildungssystem zahlen sollen. Es geht aus unserer Sicht keinWeg daran vorbei, endlich ein gerechte Steuersystem einzuführen, das in sich konsistent istund die starken Schultern am meisten tragen lässt - auch in Sachen Bildung.Bildungsausgaben sind eine Zukunftsinvestition und damit eine gesamtgesellschaftlicheVerpflichtung. Der SSW plädiert daher dafür, dass zum einen endlich die Ausgleichsfunktiondes Bundes zum Tragen kommt, um in allen Bundesländern in etwa die gleichenLebensverhältnisse zu schaffen. Außerdem fordern wir, dass die demographische Rendite imBildungssystem bleibt. Die vom Landesrechnungshof im jüngsten Schulbericht veröffentlichtenSparvorschläge würden bei einer 100% Umsetzung wohl dazu führen, dass in Schleswig-Holstein die billigsten Schulen Deutschlands lägen. Dem SSW geht es aber nicht um billigeBildung, sondern um gute Bildung. Daher sage ich noch einmal, wir müssen die freiwerdendenMittel im Bildungsbereich nutzen, um ein qualitativ wertvolles Bildungssystem zu schaffen, indem endlich die Bildung an oberster Stelle steht.