Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms zu TOP 8 - Keine Steuersenkungen zu Lasten von Land und Kommunen
PresseinformationKiel, den 20. November 2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 8 Keine Steuersenkungen zu Lasten von Land und Kommunen Drs. 17/15Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen. Die Berliner Koalition schreibtnämlich in ihren Koalitionsvertrag: „Die steuerlichen Entlastungen schaffen dienachhaltige Grundlage für gesunde Staatsfinanzen“. Tatsächlich ruinieren die geplantenEntlastungen die Staatsfinanzen. Alleine das so genannteWachstumsbeschleunigungsgesetz wird dem Landeshaushalt 70 Mio. Euro Minusbringen und die Kommunen in Schleswig-Holstein weitere 60 Mio. Euro kosten. Diehiesigen Kämmerer rechnen derzeit angesichts massiver Steuerausfälle bereits sehrpessimistisch, auch ohne das Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Die Wirtschaftskrise istschon jetzt für die Kommunen ein richtiger Schlag ins Kontor. Die letztenSteuerschätzungen haben gerade für Schleswig-Holstein gezeigt, dass die Kommunenhier mit massiven Einnahmerückgängen kämpfen müssen. Dass ihnen jetzt auch der 2Bund im Rechnungsbuch herum streicht, hat viele von ihnen deshalb besonders kalterwischt.Der SSW prophezeit für das nächste Jahr massive Kürzungen der kommunalenAusgaben. Ob manche freiwillige Leistungen überhaupt noch erbracht werden können,ist überaus fraglich. Darüber hinaus denken Bürgermeister und Amtsvorsteher wegender leeren Kassen über Entlassungen nach. Die kommunalen Schulden werden weiterwachsen. So sieht die Wirklichkeit in Schleswig-Holstein aus.Dabei hatte die FDP in klaren Worten vor weiteren Schulden gewarnt. Jeder kann das imWahlprogramm nachlesen: „Es ist unverantwortlich, unseren Kindernimmer höhere Schuldenberge zu hinterlassen.“ Doch genau das ist das, was wir unserenKindern zumuten, wenn jetzt die Steuern auf Kosten der Länder und Kommunen gesenktwerden und so schwarz-gelbe Wahlgeschenke verteilt werden. Sogar dieWirtschaftsweisen nennen das Gebaren der Bundesregierung „unseriös“.Was sind die Gründe für die Einnahmeverluste, die uns die Bundesregierung zumutet?Bessere Infrastruktur, sanierte Schulen oder ein kostenloses Mittagessen für alleSchulkinder? Mitnichten! Es geht darum, den Arbeitnehmern, die bereits sehr gutverdienen, Steuergeschenke zu machen, indem die Kinderfreibeträge deutlich erhöhtwerden. Das macht unter unter Umständen mehrere hundert Euro im Jahr aus.Kleinverdiener und Hartz-IV-Empfänger bekommen dagegen nur 20 Euro mehr imMonat, die dann aber bei den Hartz-IV-Empfängern mit deren Ansprüchen verrechnetwerden. Am Ende kommt für diese menschen dann nicht heraus. Diese Art Lobbyismusist bereits in wirtschaftlich guten Zeiten unverantwortlich; in der derzeitigen Krise 3spaltet diese Politik unsere Gesellschaft und entzieht ihr die demokratische Grundlage.Darum warnt der SSW vor der Fortsetzung dieses Kurses.Schleswig-Holstein kann diesem Vorhaben keinesfalls zustimmen. Das so genannteWachstumsbeschleunigungsgesetz ist eine Mogelpackung. Es begünstigt diejenigen, dieohnehin schon viel haben und es wirkt sich nicht so aus, wie von Schwarz-Gelb erwartet.Das Institut für deutsche Wirtschaft hat ermittelt, dass die 23 Milliarden Euro die hierquasi eingesetzt werden nur Wachstumseffekte von rund 3 Milliarden Euro auslösenwerden. Das Ganze ist somit ein Absolutes Minusgeschäft. Besser wäre es, wenn wirSchulmalzeiten für alle Schüler oder die völlige Beitragfreiheit in Kindergärtenfinanzieren würden. Das würde nicht nur Konsum und Investitionen auslösen, sonderndas wäre auch sozial gerecht.Der SSW würde es ausdrücklich begrüßen, wenn sich alle Fraktionen dem vorgelegtenAntrag anschließen. Das wäre das deutliche Signal, das in der Steuerdiskussion derzeitvon Nöten ist. Ohne ein solches Signal kommt es nicht zur Umsteuerung. Darum: keinHerumgeeiere und keine falschen Rücksichten. Wenn die Berliner Steuerpolitik denKommunen finanziell das Rückgrat bricht und soziale Ungerechtigkeiten zementiert,müssen wir dem gemeinsam Einhalt gebieten.