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Anke Spoorendonk zu TOP 36 - Für eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte
Presseinformation Kiel, den 18. Dezember 2009 Es gilt das gesprochene Wort Anke Spoorendonk TOP 36 Für eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der DDR- Geschichte an schleswig-holsteinischen Schulen Drs. 17/117Es ist wichtig und notwendig, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen; unddie Geschichte der DDR ist ein Teil unserer Geschichte. Es ist mit anderen Wortenbequem, aber völlig falsch, die Jahrzehnte der DDR - von 1949 bis 1989 - als etwasabzutun, was mit 40 Jahren Bundesrepublik rein gar nichts zu tun habe.Dass es immer noch große Defizite in der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gibt, lässtsich anhand von Umfrage-Ergebnissen immer wieder dingfest machen. Zwei Jahrzehntenach dem Mauerfall zeigt sich, welche fatalen Folgen diese fehlende Beschäftigung mitder DDR- Geschichte hat: die DDR wird vielfach nostalgisch verklärt, aber größtenteilsschlichtweg ignoriert.Eine Befragung Berliner Schülerinnen und Schüler, die 2007 von der Freien UniversitätBerlin durchgeführt und wissenschaftlich begleitet wurde, belegt, dass Jugendliche - 2sowohl aus dem West- als auch aus dem Ostteil der Stadt - wenig über die DDR wissen.Diffus ist auch das Wissen über die Politiker beider Staaten. Fast jeder dritte Schüler hältKonrad Adenauer, den ersten deutschen Bundeskanzler, für einen Politiker der DDR.Insgesamt 18 Wissensfragen wurden gestellt. Hiervor konnten etwa 70% der Ost-Berlinerund 65% der West-Berliner Schüler aus den Klassen 9 bis 11 nur die Hälfte oder wenigerbeantworten.Entsprechend stellten die Forscher bei der Bewertung von Staat und Gesellschaft eingespaltenes Bild der beiden deutschen Staaten fest: West-Berliner bevorzugten aufnahezu allen Feldern die alte Bundesrepublik, Ost-Berliner Schüler mehrheitlich die DDR.Viele Ostdeutsche bewerten die beiden deutschen Staaten als gleichrangig, was beieinigen zu der Behauptung führt, die DDR und die alte Bundesrepublik seien zwar andersgewesen, aber keiner der beiden Staaten könnte, wie es heißt „in der Gesamtschaubesser oder schlechter beurteilt“ werden.Es würde den Rahmen meiner Redezeit sprengen, auf die unterschiedlichen Aspekte beider Aufarbeitung der DDR-Geschichte jetzt im Einzelnen einzugehen. Auch, wenn dievorhin zitierte Studie zwei Jahre zurückliegt, so zeigt sie mit großer Deutlichkeit, woangesetzt werden sollte - nicht nur in Berlin, sondern wenn es darum geht, diegesamtdeutsche Geschichte auch als gesamtdeutsch zu begreifen.Der vorliegende Antrag geht genau in diese Richtung, wobei ich nicht verhehlen will,dass er aus Sicht des SSW fast zu detailliert ist. Es ist nicht die Aufgabe des Parlaments,Lehrplanarbeit zu leisten - und genau dies geschieht in unserem gemeinsamen Antrag.Gleichwohl stimmt das Ziel, und das ist entscheidend. 3Wir brauchen neue Konzepte für den Umgang mit der DDR-Vergangenheit - aufgesellschaftlicher Ebene und nicht zuletzt im Geschichts- und Politikunterricht unsererSchulen. „Wenn nach Römern, Griechen und Nationalsozialismus, irgendwann die DDRdran ist, beginnen meist die Sommerferien“, las ich letzt, und ich denke, dass dies imKern immer noch das Dilemma vieler WiPo-Lehrer ist. Soll heißen: Wenn wir denGegenwartsbezug des Unterrichts stärken und Vertiefung ermöglichen wollen, danngeht es letztlich nicht ohne eine Entrümpelung der Lehrpläne. Die Erinnerungen an dieDDR dürfen nicht vergessen werden. Es muss eine kritische, offene und vergleichendeAufarbeitung und Bewältigung der DDR-Geschichte geben, die keinen Schlussstrichzieht, sondern einen Einstieg in eine aktive Auseinandersetzung und Thematisierung derGeschichte dieser Republik.