Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Detlef Matthiessen zur Verlängerung der Laufzeiten für AKWs
PresseinformationEs gilt das gesprochene Wort! Landtagsfraktion Schleswig-Holstein TOP 21 – Keine Verlängerung der Laufzeiten Pressesprecherin für Atomkraftwerke Claudia Jacob Landeshaus Dazu sagt der energiepolitische Sprecher Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Telefon: 0431 / 988 - 1503 Detlef Matthiessen: Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 034.10 / 27.01.2010 Atomkraft ist unverantwortbarAtomkraft, meine Damen und Herren, ist unverantwortbar. Schon der Einstieg in die energetische Nutzung der Kernspaltung war ein katastrophaler Fehler, die Fortsetzung und Verlängerung der Atomkraft ist es erst Recht. Wir sprechen uns dagegen aus, Laufzeiten der schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke zu verlängern.Atomkraft ist ethisch nicht vertretbar. Weniger als drei Generationen haben den Nutzen, dann ist der Strom verbraucht, dann ist der Bergbau auf Uran erschöpft. Was bleibt, sind 17.000 Tonnen Schwermetall hochradioaktiver Abfälle in Deutschland.Eine Endlagerung dieser Abfälle ist bis heute nicht definiert. Im Gegenteil: Das so ge- nannte Forschungsbergwerk Asse II versagt technisch wegen mangelnder Standsi- cherheit und eintretendem Wasser. Es soll geräumt werden, bezahlt durch den Steuer- zahler. Bei 126.000 Fässern kann von Forschung nicht die Rede sein. Hinzu kommt, dass der Betreiber einen Trümmerhaufen an Verwaltung hinterlassen hat. Keiner weiß wann, keiner weiß wie viel, von wem, wann, warum eingelagert wurde. Mitten in Deutschland versagt die Buchführung.Gefüttert mit Aufträgen aus der Atomindustrie hat sich eine Wissenschaftskaste blinder Befürworter gebildet, die offensichtlich manipuliert haben, um gewünschte Ergebnisse zu liefern. Forschungsbergwerk, Entsorgungspark: Diese Wortwahl entlarvt sich selbst.Die Grabstelle Achet Chufu wurde vor 4590 Jahren errichtet, heute besser bekannt un- ter ihrem griechischen Namen als Cheops-Pyramide. Was wissen wir heute aus dieser Zeit? Nur wenig. Plutonium 239 (239Pu) ist das am häufigsten produzierte Plutonium- isotop. Es hat eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren. Was werden die Menschen in Seite 1 von 3 Tausenden von Jahren über uns wissen? Eine Hinterlassenschaft auf ewige Zeit für 40 bis 60 Jahre Atomstromnutzung. Atomkraft ist ethisch nicht vertretbar.Atomkraft ist sicherheitstechnisch nicht vertretbar. Die vielen Beinahe-Havarien, Tschernobyl oder das TMI-Ende in den USA, zeigen uns: Ein schwerer Unfall kann sich jederzeit ereignen. Im Zeitalter des internationalen Terrorismus gilt umso dringender: Die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ist sicherheitstechnisch nicht vertretbar, weil für ein AKW das Gleiche gilt wie für einen PKW. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers oder gar ein Totalausfall ist bei einem Auto mit 400.000 km höher als bei einem jungen Fahrzeug oder einem Neuwagen.Atomkraft ist außenpolitisch nicht vertretbar. Die zivile Nutzung der Atomkraft trägt zur Verbreitung von Atomwaffen bei. Die Proliferation beobachten wir in Pakistan, wo Ab- dalkadir Chan der Vater der islamischen Atombombe genannt wird. Er klaute die Pläne für Hochleistungszentrifugen, Spaltmaterial-Anreicherung in Holland, nach Studium in Deutschland und Belgien.Was können wir denn Mahmud Ahmadinedschad im Iran entgegenhalten, der Atom- kraftwerke betreiben will? Die Welt orientiert sich am Technologiestandort Deutschland. Daher müssen wir Technologien der Vergangenheit beenden und mit neuen Technolo- gien ein gutes Beispiel geben.Atomkraft ist wirtschaftlich nicht vertretbar. Wir sehen einmal ab von der staatlichen Förderungen der Atomenergie im Zeitraum 1950 bis 2008 mit rund 60 Milliarden Euro Finanzhilfen, 65 Milliarden Euro Steuervergünstigungen, sowie 40 Milliarden Euro För- derwert von weiteren budgetunabhängigen staatlichen Regelungen ohne Berücksichti- gung der externen Kosten der Atomenergie. Sehen wir davon ab, dem Chefökonom der Internationalen Energieagentur Fatih Birol Verständnis entgegenzubringen, wenn er sagt:: „If governments do not facilitate the investment, I don‘t think nuclear will fly.“ [Fatih Birol Chief Economist, OECD International Energy Agency, in: The Economist, 9 November 2006]Ein längerer Betrieb von AKW ist davon abgesehen energiewirtschaftlich negativ. Die geplante Verlängerung der AKW-Laufzeiten steht dem dringend gebotenen Ausbau der Erneuerbaren Energien entgegen. Geplant und gesetzlich festgeschrieben ist ein Aus- bau der Erneuerbaren bis 2020 auf 30 Prozent. Dieser stark wachsende Erzeugungs- block mit fluktuierender Leistung aus Wind und Sonne trifft dann auf einen Erzeu- gungsblock, der zwar grundlastfähig ist, was die CDU hier wiederholt als große Tugend darstellt hat, die den Erneuerbaren fehlt. Grundlast ist jedoch keine Tugend, sondern die Unfähigkeit, Leistung zu modulieren und der schwankenden Stromnachfrage nach- zuführen.Wir brauchen in Zukunft nicht große, träge Stromgiganten, die die Elbe aufheizen. wir brauchen kleinere, smarte, flexible Erzeugung bei wachsenden Regenerativen. Nimmt man den geplanten Neubau von Kohlekraftwerken hinzu, steuern wir auch unter Be- rücksichtigung von abgängigen Altkraftwerken auf große Überkapazitäten zu. 2 Ein sehr langer Weiterbetrieb der AKW und anderer großer Kondensationskraftwerke gefährdet den Ausbau der Windenergie und anderer Erneuerbarer wirtschaftlich und in der Nutzung der Stromnetze zur Leistungsabführung. Erneuerbare Energie ist aber nicht nur Bestandteil der Klimaschutzstrategie, sondern auch Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung im Land.Bis zum Jahr 2020 reduziert sich die Zahl der weltweit betriebenen Kernkraftwerke nach einer Studie des Schweizer Prognos Instituts voraussichtlich um 22 Prozent, bis zum Jahr 2030 um ca. 29 Prozent gegenüber dem Ausgangsniveau im März 2009.Atomkraft ist nicht verantwortbar. Ausstieg sofort, wie von der Linken gefordert, ist je- denfalls ein frommerer Wunsch als die Verlängerung der Restlaufzeiten. In Regie- rungsverantwortung wäre das allerdings nicht umsetzbar – Stichwort Rechtsstaat –, da- her bleibt es ein frommer Wunsch.Wir haben Energie ohne Ende. Das gilt aber nur für erneuerbare Energie aus Wind und Sonne. Schwarz-gelb will die Solarförderung streichen, Atom verlängern und Kohle neu bauen. Das ist nicht zukunftsfähig.Atomkraft: Nein Danke! *** 3