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Flemming Meyer zu TOP 29 - Für den Erhalt der solidarischen Kranken- und Pflegeversicherung
PresseinformationKiel, den 26. Februar 2010 Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 29 Für den Erhalt der solidarischen Kranken- und Pflegeversicherung Drs. 17/259Ich möchte vorweg sagen, dass ich sehr viel Verständnis für den vorliegenden Antrag habe. DieBürgerinnen und Bürger haben sich nur vermeintlich mit den immer neuenLeistungsverschlechterungen bzw. einseitigen Kostensteigerungen im Namen einer sogenannten Reform abgefunden; tatsächlich sind die meisten mit dem Ausstieg aus demSolidarsystem nicht zufrieden. Sie bemerken sehr wohl, wohin die Reise gehen soll: nämlichweiter in Richtung Beitragserhöhung und mehr Zuzahlungen. So kann es nicht weiter gehen.Der Antrag hat durch die Einsetzung von Arbeitsgruppen, wie vorgestern in Berlin beschlossen,eine ungeahnte Aktualität erlangt, die weit über den Antragstext hinausgeht. Wir müssen uns inder Tat mit der Zukunft der Kranken- und Pflegeversicherung beschäftigen.Wenn wir diesen Antrag nicht mitgetragen haben, dann liegt es daran, dass bereits derAntragstitel falsch ist. Die solidarische Krankenversicherung gibt es nicht mehr. Die Solidaritätwurde und wird schrittweise ausgehöhlt. Spätestens mit den Überweisungsvordrucken für die 2einseitige Beitragserhöhung, die den meisten gesetzlich Versicherten in den letzten Wochen insHaus flatterten, war auch noch dem letzten Verteidiger des Solidarprinzips klar, dass es mit dersolidarischen Finanzierung nicht mehr weit her ist. Der paritätischen Finanzierung habeneinseitige Zuzahlungspflichten der Patienten und die Praxisgebühr den Garaus gemacht. DerSozialverband Deutschlands sprach vor wenigen Tagen von der einseitige Verlagerung derGesundheitskosten auf die Versicherten. Die Zusatzbeiträge verstärken darüber hinaus diesoziale Schieflage, weil ein Geringverdiener tatsächlich 96 Euro mehr im Jahr berappen muss,während sich ein Großverdiener seine Kosten über die Steuererklärung wieder zurückholen kann.Da gibt es also wenig zu erhalten. Die Solidarität ist perdu: Chronisch Kranke undGeringverdiener zahlen mehr – und das schon seit Jahren. Der Ausstieg aus der Solidarität durchdie privaten Krankenversicherungen ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.Der SSW setzt sich darum für eine Kehrtwende in der Finanzierung der Kranken- undPflegeversicherung ein. Wir fordern eine Sozialversicherung, die die Lasten gerecht auf alleSchultern verteilt und dabei die Stärkeren stärker belastet und die Schwächeren schwächer. Dasist der einzige Weg. Das ist übrigens auch den Programmen der Antragssteller zu entnehmen.Da heißt das Ganze dann solidarische Bürgerversicherung. Alle Bürgerinnen und Bürgerbeteiligen sich an der Finanzierung, wobei allerdings alle Einkünfte - also auch Kapitalerträgeund Mieteinnahmen - bei der Berechnung berücksichtigt werden.Anstatt also weiter mit Pflaster am Wasserrohrbruch zu hantieren, sollten wir über einegründliche Renovierung nachdenken. Das kann keineswegs die Kopfpauschale sein - das istselbstredend - weil sie die Privatversicherung erhalten will und daneben den Arbeitgeberbeitrageinfrieren will. Das wäre der direkte Weg in ein Zweiklassensystem. Stattdessen müssen wirschleunigst über einen grundlegenden und gerechten Umbau des Sozialstaates nachdenken.Dazu gehört eine steuerfinanzierte soziale Grundsicherung bei der Krankenversorgung, wie sie inden skandinavischen Ländern praktiziert wird. Bei allem Verständnis dafür, dem fortgesetztenAbbau sozialer Leistungen mittels des vorgelegten Antrags ein deutliches Zeichen 3entgegensetzen zu wollen, kann der Erhalt des derzeitigen Systems zu keiner Zeit imVordergrund stehen.Bleiben wir realistisch. Und gerade darum sollten wir über einen grundlegenden Perspektiven-wechsel nicht nur in Papieren fachsimpeln, sondern sie tatsächlich in Angriff nehmen. Wir solltenuns keineswegs mit der zweitbesten der schlechten Lösungen begnügen und weiterherumdoktern, indem wir mit einer Krankenversicherung weitermachen, die einseitig dieabhängig Beschäftigten belastet und nicht erst seit der Wirtschaftskrise unter einer massivenEinnahmekrise leidet.Die solidarische Bürgerversicherung, die steuerfinanziert ohne Umwege direkt den Patientinnenund Patienten zu Gute kommt, ist die bessere Wahl. Diese soziale Absicherung entspricht demGedanken der Solidarität tatsächlich, weil sie dem Wortsinn nach solide ist, also zukunftsfest,und sich darüber hinaus auf einer, alle Bürgerinnen und Bürger umfassenden, Gegenseitigkeitgründet.