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Silke Hinrichsen zu TOP 45 - Sicherung des Landestheaters
Presseinformation Kiel, den 26. Februar 2010 Es gilt das gesprochene WortSilke HinrichsenTOP 45 Sicherung des Landestheaters Schleswig-Holstein Drs. 17/280Am Beginn einer Debatte über Kultur steht leider immer eine Debatte über Geld. Auch im Falldes Schleswig-Holsteinischen Landestheaters ist das nicht anders. Obwohl man in den letztenWochen den Eindruck bekommen konnte, dass eigentlich nur noch über Geld diskutiert wird.Die Kultur wird zunehmend als luxuriöses Anhängsel gesehen, das je nach Kassenlage erhaltenoder zusammengestrichen werden kann. Was einmal weg ist, kehrt aber nicht mehr wieder. Esist ein Irrtum zu glauben, dass im kulturellen Bereich fröhlich der Rotstift angesetzt und großeSummen eingespart werden können. Die Kürzung relativ kleiner Summen im kulturellenBereich richtet einen sehr viel größeren Schaden ein, als wir auf den ersten Blick sehen undverstehen. Und dies gilt insbesondere auch für das Landestheater.Seit etwa zehn Jahren befindet sich das Schleswig-Holsteinische Landestheater in einerfinanziellen Abwärtsspirale. Die Kombination aus gekürzten und eingefrorenenGesellschafterbeiträgen sowie die Deckelung der Dynamisierung im FAG haben dazu geführt, 2dass sich das Theater heute sozusagen selbst auffrisst. Obwohl die Mitarbeiterinnen undMitarbeiter auf Gehalt verzichtet haben und die Gesellschafter wieder mehr Geld zahlen,können die Kürzungen nicht mehr aus eigenen Mitteln aufgefangen werden. Ohne dieDynamisierung im FAG steht das Landestheater vor der Insolvenz.Dem Land ist dies seit mindestens 1 1/2 Jahren bekannt - passiert ist aber bisher nichts.Der Ministerpräsident, der Kultur in der letzten Wahlperiode noch als Chefsache hochhielt, hatsich versteckt. Und der zuständige Minister für Kultur, Herr Dr. Klug, ist irgendwieuntergetaucht. Obwohl die Schieflage des Theaters seit Monaten bekannt ist, hat es erstAnfang dieser Woche endlich ein Gespräch mit den kommunalen Spitzenverbänden gegeben.Vor diesem Hintergrund bedanke ich mich im Namen des SSW bei der Kollegin Herold, dass siesich als Vorsitzende des Bildungsausschuss für die Rettung des Landestheaters stark gemachthat. Unter ihrer Regie wurden Gespräche mit dem Landestheater mit dem Ziel organisiert,einen fraktionsübergreifenden Lösungsansatz zu finden. Dies ist leider nicht gelungen.SPD, Grüne und SSW haben sich auf einen Antrag zur Sicherung des Landestheaters einigenkönnen, mit dem ein vollgültiges Theater im nördlichen Landesteil erhalten bleibt. DieLandesregierung wird aufgefordert, die Verhandlungen mit dem kommunalenSpitzenverbänden zu intensivieren, um die Dynamisierung wieder im FAG aufzunehmen. Soerhält das Landestheater für drei Jahre die Chance, zusammen mit Kiel und Lübeck - die vorähnlichen Problemen wie das Landestheater stehen - ein Konzept zu entwickeln, in dem dieTheaterlandschaft des ganzen Landes gesichert wird. Mit dem vorliegenden CDU/FDP-Antragverabschiedet sich das Land hingegen von seiner Verantwortung dem Landestheatergegenüber - das Schicksal eines amputierten Landestheaters wird damit endgültig besiegelt.Anders formuliert: In Zukunft wird es dann keine Musiksparte mehr beim Landestheater geben,Opern und Operetten fallen weg und ein halbiertes Symphonieorchester kann eigentlich auchgleich nach Hause gehen. 3Für den SSW möchte ich ganz klar sagen, dass es ein Irrtum ist, zu glauben, dass man mit demWegfall der Musiksparte das Theater stärkt. Zu sehr sind Musik und Schauspiel miteinanderverwoben und bedingen sich gegenseitig, als dass man die eine Seite verkürzen kann, ohne dieandere nicht mit ins Verderben zu stürzen. Auch lässt sich das Landestheater aus Sicht des SSWnicht gesund sparen. Dies ist schon zu genüge versucht worden und heute sehen wir, was beidiesen unsinnigen Versuchen rauskommt.Unser Antrag entspricht der Linie, auf die sich die Kulturpolitiker eigentlich geeinigt hatten.Auch der Kulturminister hatte sich ursprünglich für die Wiedereinführung der Dynamisierungausgesprochen. Umso ärgerlicher ist es, dass wir heute feststellen müssen, dass wir trotz allerGespräche im Landeshaus, in Flensburg und Rendsburg keinen Schritt weitergekommen sind.Kultur ist kein Luxus, Kultur ist Lebensmittel. Ich bin daher stolz, dass das Landestheater in sokurzer Zeit so viel Unterstützung erhalten hat, dass es eine Bürgerinitiative „Rettet dasLandestheater“ gibt und sich zahlreiche Menschen freitagmorgens vor dem Landeshausversammeln, um für ihre Kultur zu demonstrieren. Wenn diese Landesregierung blind dafür ist,wie wichtig Kultur und Bildung für unser Land sind, müssen die Bürgerinnen und Bürger ihnendie Augen öffnen.