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Lars Harms zu TOP 49 - Bericht zur politischen Bildung 2009
Presseinformation Kiel, den 26. Februar 2010 Es gilt das gesprochene WortLars Harms TOP 49 Bericht zur politischen Bildung 2009 Drs. 17/70Der vorliegende Bericht macht deutlich, dass politische Bildung sehr viel mehr ist, als nur derWiPo-Unterricht in der Schule oder der Vortrag über den Zweiten Weltkrieg an derVolkshochschule. Zwar steht im Vordergrund der politischen Bildung, dass alle Menschenunabhängig von ihrem Alter Kenntnisse über demokratische Systeme und demokratischeSpielregeln erwerben. Sehr viel wichtiger ist aber, dass politische Bildung als integrativerBestandteil unseres Lebens verstanden wird. Sobald Partizipation an gesellschaftlichenEntscheidungen erwartet wird, brauchen wir unsere politische Kompetenz. Wir müssenselbstbewusst und selbstorganisiert Denken und Handeln, Verantwortung tragen, Urteilefällen, tolerant sein und mit Kritik umgehen können.Dementsprechend geht aus dem vorliegenden Bericht auch ein sehr breites Verständnis vonpolitischer Bildung hervor. Dieser wirkt auf den ersten Blick wenig prägnant, erst auf denzweiten Blick wird deutlich, dass er eigentlich nur die Tatsache wiedergibt, dass politische 2Bildung und damit politisches Handeln und Denken eine alltägliche Lebensform sind unddeswegen eben in so vielen Bereichen zu finden sind.Obwohl der Bericht sehr beeindruckend darstellt, wie umfassend politische Bildung inSchleswig-Holstein ist, haben sich in den letzten zehn Jahren Veränderungen ergeben, die ausSicht des SSW näher zu betrachten sind. Ich möchte an dieser Stelle drei Beispiele dafürnennen.Erstens die zunehmende Notwendigkeit bürgerschaftlichen Engagements. Damit meine ichzum Beispiel die Arbeit der Landesschülervertretungen, die noch vor zehn Jahren mit derEinrichtung des Arbeitskreises „Schüler Helfen Leben“, ihren Kampagnen „Nutze Dein Recht“oder Demonstrationen vor dem Landeshaus für mehr Schülerpartizipation eingetreten sind.Aus dieser Zeit stammen die Einführung des Schulprogramms und die drittelparitätischeBesetzung der Schulkonferenzen - da kann man mal sehen, was unsere Schülerinnen undSchüler erfolgreich erkämpft haben. Weiter muss die Beteiligung von Kindern undJugendlichen an kommunalen Planungs- und Gestaltungsprozessen genannt werden. In denGemeinden wurden Kinder zum ersten Mal an der Gestaltung von KiTas, Freizeitparks,Schulhöfen oder Spielgeländen beteiligt. Das bürgerschaftliche Engagement liegt dem SSWschon seit Urzeiten am Herzen und wir wollen dieses auch in Zukunft erhalten.Zweitens möchte ich an dieser Stelle den Umgang mit den nationalen Minderheiten Schleswig-Holsteins im vorliegenden Bericht kritisieren. Wenn man sich im Vergleich mal den Bericht von1998 anguckt, wird da immerhin noch erwähnt, dass die Heimvolkshochschule Jarplund einedänische Heimvolkshochschule ist. Und unter den Einrichtungen der politischen Bildung wurdeauch noch der Sydslesvigsk Oplysningsforbund genannt. Im aktuellen Bericht werden dienationalen Minderheiten mit einem Satz erwähnt. Dieser lautet (ich zitiere): „(…) das Bemühendas Landes, die Gleichstellung der Lebensverhältnisse von Minderheiten und 3Mehrheitsbevölkerung zu gewährleisten, ist ein Schwerpunkt des Regierungshandelns inSchleswig-Holstein.“Von dieser politischen Absichtserklärung abgesehen, spielt die Kenntnis über die Minderheitenin der politischen Bildung kaum eine Rolle. Weder in einer Sprachenpolitik des Landes noch miteiner Finanzierung des „Demokratie-Projektes“ - entstanden aus der Kompetenzanalyse„Minderheiten als Standortfaktor in der deutsch-dänischen Grenzregion“ hat sich dieLandesregierung bisher in der Minderheitenpolitik sonderlich engagiert oder markiert. Für denSSW ist natürlich von besonderer Bedeutung, wie die Minderheiten in der politischen Bildungsichtbarer werden können. Ein erster Ansatz wäre da zum Beispiel eine deutlichereVerankerung der Minderheiten, ihrer Geschichte und Kultur in den Lehrplänen und eineAusweitung der Sprachunterrichts in friesischer und dänischer Sprache.Als dritten Punkt möchte ich an dieser Stelle das FÖJ nennen. Der vorliegende Bericht gibt zumAusdruck, wie wichtig die Freiwilligen Dienste für Persönlichkeitsförderung,Berufswahlorientierung und das verantwortungsbewusste Handeln sind. Gleichzeitig kündigtdie Landesregierung Kürzungen in diesem Bereich an. Aus Sicht des SSW kann es nichtangehen, dass man einerseits einen fetten Bericht vorlegt und andererseits nicht bereit ist,Geld in die Hand zu nehmen, um die Vielfalt der politischen Bildung im Land in Zukunft zuerhalten. Bildung ist nicht zum Nulltarif zu kriegen - aber sie ist die beste Zukunftsinvestition,die wir machen können.