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Lars Harms zu TOP 29 - Bericht zur Situation der Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel
Presseinformation Kiel, den 17.03.2010 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 29 Bericht zur Situation der Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel Drs 17/386Die Debatte zu den beiden Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel ist nicht nur eineDebatte über den Zustand dieser beiden Anlagen, sondern auch über die Frage, ob Laufzeitenvon Atomkraftwerken verlängert werden sollen oder nicht. Betrachten wir uns die beiden inRede stehenden Kraftwerke, so wissen wir, dass diese in der Vergangenheit mit einer Vielzahlvon Störfällen „geglänzt“ haben. Das heißt, die Frage, ob diese wieder ans Netz sollen, stelltsich für mich eigentlich nicht. Was nachgewiesenermaßen ständig nicht funktioniert, darf auchnicht ans Netz gehen. Wenn man dann noch betrachtet, mit welcher Informationspolitik wir esvon Seiten der Betreiber dieser Anlagen zu tun haben, dann bedeutet auch dies für mich, dassdiese Anlagen abgeschaltet bleiben müssen.Es ist klar, dass das Atomgesetz hier kaum Möglichkeiten bietet. Schließlich ist das Atomgesetzein Gesetz, dass nahezu perfekt auf die Bedürfnisse der Betreiber von Atomanlagenzugeschnitten ist und nicht die Bedürfnisse der Menschen im Fokus hat. Da die Politik in Berlin, 2aber auch in Schleswig-Holstein, nicht den Mut gehabt hat, dieses Problem offensivanzugehen, habe ich hier keine Hoffnung, dass sich noch kurzfristig an der Gesetzgebungetwas ändert. Allerdings muss man dann mindestens am Atomkompromiss festhalten. Dasheißt, im Jahr 2022 muss Schluss sein mit der Atomenergie in Deutschland. Das ist das, was dieBürgerinnen und Bürger im Mindesten von der Politik erwarten dürfen; zumal es einedauerhafte breite Mehrheit für den Atomausstieg in Deutschland gibt.Ich glaube aber auch, dass neben den ökologischen Problemen, den Schwierigkeiten bei derEntsorgung der Atomabfälle, der möglichen terroristischen Bedrohung und der öffentlichenMeinung noch ein weiterer Punkt relevant ist.Betrachtet man die wirtschaftlichen Interessen, so kann kein Weg am Atomausstieg vorbeigehen. Gerade aus gesamtwirtschaftlichen Erwägungen heraus, müssen wir dieAtomkraftwerke in Deutschland abschalten. Die kommunalen Stadtwerke haben deutlichgemacht, dass das Angebot an Billigstrom aus abgeschriebenen und hoch-subventioniertenAtomkraftwerken, ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Bisher haben sich die kommunalenStadtwerke und andere Anbieter darauf verlassen, dass die Atomkraftwerke spätestens 2022abgeschaltet sind. Deshalb hat man damit begonnen, in vielerlei Projekte zu investieren. DieseInvestitionen lohnen sich aber nur, wenn die AKWs auch wirklich abgeschaltet werden.Geschieht dies nicht, werden jetzt gerade Investitionsruinen geschaffen, die sich niemalsrechnen können.Unser aller Interesse sollte es sein, gerade die Stadtwerke und kleinen und mittlerenEnergieproduzenten zu stützen und zu stärken. Werden aber weiterhin die hoch-subventionierten Atomkraftwerke betrieben, dann haben diese Anbieter keine Chance. Wirhaben also auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftsförderung, der Regionalentwicklung undder wirtschaftlichen Nachhaltigkeit von Projekten geradezu die Pflicht, einen Weiterbetriebvon Atomkraftwerken zu verhindern. 3Wem nützt eigentlich der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke? Gerne wird ja gesagt, dass dieKraftwerke Steuereinnahmen und Arbeitsplätze generieren. Das ist nur halb richtig, denn daswürden andere Energieformen, die nach dem Abschalten der Atomkraftwerke ausgebautwürden, ja auch tun. Auch andere Kraftwerke, Solarparks, Windkraftanlagen, Biogasanlagen,Fernwärmenetze oder Gezeitenkraftwerke generieren Steuern und Arbeitsplätze. Bei denArbeitsplätzen ist der Effekt bei den Erneuerbaren Energien sogar nachweislich höher. Manmuss ihnen aber auch die Möglichkeit dazu bieten.In Wirklichkeit nützt die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken nur den vier großenBetreibern der Anlagen. Bei einer Laufzeitverlängerung um 8 Jahre auf 2030 würden dieBetreiber 60 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Würde man die Laufzeit bis 2050verlängern, käme man auf gigantische 230 Milliarden Euro für vier Großkonzerne.Zum Vergleich: Mit dieser Summe könnte man die gesamten seit 1949 aufgelaufenen Schuldendes Landes Schleswig-Holstein 10 mal bezahlen. Das, meine Damen und Herren, muss man sichvor Augen halten, wenn man über Atomkraft und Laufzeitverlängerung redet. Mit jedem Jahrmit der wir die subventionierte Atomkraft am Leben erhalten, spülen wir staatlichsubventionierte Milliardengewinne in Konzerne. Für uns ist daher klar: Wir wollen eine andereEnergiepolitik, die auf Nachhaltigkeit und Regionalität setzt. Und wir wollen den schnellenAusstieg aus der Atomkraft – nicht nur in Brunsbüttel und Krümmel, sondern überall.