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Anke Spoorendonk zu TOP 7 - Gesetz zur Änderung der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 19. März 2010 Es gilt das gesprochene WortAnke Spoorendonk TOP 7 Gesetz zur Änderung der Verfassung des Landes Schleswig- Holstein Drs. 17/268Als der Schleswig-Holsteinische Landtag im März 2006 in erster Lesung eine Änderung derLandesverfassung debattierte, trat die damalige Opposition bestehend aus FDP, Grünen undSSW dafür ein, dass auch die Minderheit der Sinti und Roma in unsere Landesverfassungaufgenommen wird.Bei der Gelegenheit hob der Kollege Kubicki in seinem Redebeitrag hervor - bezogen auf denÄnderungsvorschlag der Großen Koalition - dass im Ausschuss intensiv zu diskutieren sei„warum bei den nationalen und autochtonen Minderheiten ausgerechnet gegenüber unseremVorschlag Sinti und Roma wieder herausfallen, warum wir nach wie vor die Förderung derdänischen Minderheit und der friesischen Volksgruppe in die Verfassung aufnehmen“. Undweiter in Richtung SPD: „Mich interessiert insbesondere die Veränderung der Haltung derSozialdemokraten in dieser Frage. Man kann ja nicht einfach die Begründung vortragen, mansei nun in einer großen Koalition und habe deshalb einen Teil seiner Überzeugung, seines 2Verstandes oder seines Herzens an der Garderobe abgegeben.“ Für die SPD antwortete derdamalige Kollege Klaus-Peter Puls, indem er hervorhob, dass die SPD weiterhin für diesystematische Einbeziehung der Sinti und Roma in den Schutz nationaler Minderheiten undVolksgruppen sei und er fügte hinzu, dass sei in dieser Legislaturperiode aber leider nichtdurchsetzbar, „weil dies im Koalitionsvertrag von der CDU ausgeschlossen ist.“Nun kann man sagen, dass diese Auseinandersetzung einfach auf den Punkt bringt, wieKoalitionen funktionieren und das politische Spiel zwischen regierungstragenden Fraktionenund Oppositionsparteien so läuft.Gleichwohl erwarte ich von der FDP, dass sie auf ihren Koalitionspartner Druck ausübt, mit ihmdiskutiert und im Sinne dessen, wofür die FDP 2006 eintrat, die CDU davon überzeugt, dass dieZeit reif dafür ist, dass die in Schleswig-Holstein heimische nationale Minderheit der deutschenSinti und Roma wie die dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe Anspruch aufSchutz und Förderung nach Artikel 5 unserer Landesverfassung haben. Geben Sie sich einenRuck, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU, und denken Sie daran, dass es bei dieser Sachenicht um Gesichtswahrung oder um Gesichtsverlust geht, sondern um Menschen, die sich zurecht einer politischen Prinzipienreiterei ausgesetzt fühlen, die mit der Sache nur am Randeetwas zu tun hat. Weder für die dänische Minderheit noch für die friesische Volksgruppe istzumindest nachvollziehbar, warum in Schleswig-Holstein immer noch zwischen unserenBelangen und den Belangen der Sinti und Roma unterschieden wird. Wir arbeiten in allenmöglichen Gremien eng und freundschaftlich zusammen, weil die Minderheit der Sinti undRoma einfach dazu gehört. Das ist auch auf Bundesebene der Fall, mit dem Minderheitenratder vier autochtonen Minderheiten in der Bundesrepublik als institutionellem Rahmen.Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich verzichte bewusst darauf, auf weitere übergeordneteZusammenhänge einzugehen. Wer sich nicht auskennt, kann sich die früheren Debatten zudiesem Thema durchlesen - meine Reden stelle ich Ihnen gern zur Verfügung. Nur auf einen 3Aspekt möchte ich abschließend etwas näher eingehen. Sinti und Roma stellen aufeuropäischer Ebene die größte nationale Minderheit dar, aber fast so groß ist zusammengelegtdie Anzahl der deutschen, die sich als nationale Minderheiten verstehen. Oder andersformuliert: Deutschland hat die größte Anzahl nationaler Minderheiten in Europa. Darausergibt sich meines Erachtens eine besonders Verantwortung in der Minderheitenpolitik. Esgehört zumindest zu den Merkmalen unserer Minderheitenregelung, dass Minderheitenpolitikimmer auch Ausdruck für Beteiligungsrechte auf Augenhöhe sein muss.Und genau daran hapert es, bei dem Umgang mit der Minderheit der Sinti und Roma. In alleneuropäischen Ländern gibt es immer noch Vorurteile gegen die Roma. Häufig werden siediskriminiert und direkt verfolgt, und sie geraten immer wieder in die Mangel der europäischenPolitik - zum Beispiel jetzt, wo das Rückübernahmeabkommen mit dem Kosovo abgeschlossenwerden soll. Denn der Abschiebestopp schützte in erster Linie die aus dem ehemaligenJugoslawien hierher geflohenen Roma. Der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma inSchleswig-Holstein, Matthäus Weiss, kann darüber ein Lied singen, da er sich wie wenige indieser Frage engagiert. Und daher sage ich noch einmal klar und deutlich: Die Aufnahme derSinti und Roma in die Landesverfassung ist viel mehr als Symbolpolitik. Sie ist Ausdruck dafür,dass Sinti und Roma sich auf gleicher Augenhöhe in die politischen Prozesse unseres Landeseinbringen können. Und das stärkt die Position insgesamt - auch auf europäischer Ebene.