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Luise Amtsberg zum Gedenktag 8. Mai
Presseinformation Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 40 – 8. Mai Tag der Befreiung Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: 0431 / 988 - 1503 Dazu sagt für die Fax: 0431 / 988 - 1501 Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172 / 541 83 53Luise Amtsberg: presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 274.10 / 19.05.2010Ein offizieller Gedenktag ist richtig, kann aber lebendige Erinnerung nicht ersetzen»Ihr werdet die Deutschen immer wieder daran erkennen können, ob sie den 8. Mai als Tag der Niederlage oder der Befreiung bezeichnen«, sagte Heinrich Böll 1985.Die US-AmerikanerInnen feiern den „Victory in Europe-Day“. In einigen europäischen Ländern, so in Frankreich, Tschechien oder der Slowakei ist er ein öffentlicher Feiertag.In Mecklenburg-Vorpommern ist der 8.Mai seit 2002 ein gesetzlicher Gedenktag und es ist gut, dass wir in Schleswig-Holstein dem nun nachfolgen.Ich bin in der DDR geboren, meine Eltern und viele meiner Familie haben den größten Teil ihres Lebens dort verbracht. Die DDR war ein Staat, der sich von jeder historischen Verantwortung freigesprochen hat und den 8. Mai deklaratorisch als Befreiung tituliert hat.Aber es geht hierbei nicht um "Befreiung des deutschen Volkes vom Hitler-Faschismus" wie er als Gedenktag in der DDR lange hieß. Deutschland ist schließlich nicht von Au- ßerirdischen überrannt worden, sondern hat sich selbst dem Faschismus ergeben und die Welt terrorisiert. Für mich ist dieser Tag international bedeutsam. Am 8.Mai wurde nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt befreit von Nazi-Deutschland.Etikette drohen manchmal auch den notwendigen Inhalt zu überdecken. Kein Gedenk- tag darf wirkliches Gedenken ersetzen. Seite 1 von 2 Die Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor 30 Jahren markiert den Wendepunkt in der hegemonialen Erinnerungsgeschichte Nachkriegs- deutschlands, weil sich das deutsche Staatsoberhaupt, zumal ein Konservativer, der den Krieg selbst miterlebt hat, diesen Tag als Befreiung bezeichnet hat. Weizsäckers Rede hat im In-und Ausland gezeigt, dass Deutschland dankbar ist, weil es nicht die Kraft und den Willen gehabt hat, sich selbst zu befreien.Kanzlerin Merkels diesjährige Teilnahme bei den Siegesfeiern in Moskau zeigt, dass sich in den vergangenen 25 Jahren Erinnerungsgeschichte weiter entwickelt hat. Ich halte die Bedeutung der gegenseitigen Anerkennung unterschiedlicher Erinnerungskul- turen für richtig, ohne dass wir Deutsche sie uns zu eigen machen müssen.Weizsäcker hat gesagt, dass für uns Deutsche der 8. Mai kein Feiertag sein kann, son- dern ein Tag des Gedenkens. Er steht immer im Zusammenhang mit Schuld, Leid, Ver- antwortung und Erinnerung.Mit der Zeit und dem Verlust der letzten Kriegsgeneration schwindet auch die Erinne- rung. Ein offizieller Gedenktag kann lebendige Erinnerung nicht ersetzen. Er ist richtig, aber nicht wesentlich. Wichtiger ist, dass wir Erinnerung wach halten und die Lehren des 8. Mai, dessen Wurzeln spätestens im 30. Januar 1933 liegen, immer wieder disku- tieren. Es gibt heute einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass Erinnerung keinen Abschluss finden kann, sondern ein sich ständig weiter zu entwickelnder Prozess ist.Erinnern, verehrte Kolleginnen und Kollegen, muss aktuell sein können. So macht es uns zum Beispiel die Dauerausstellung Topographie des Terrors in Berlin vor. Sie zeigt uns die Dimensionen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft für Europa auf.Erinnern, verehrte Kolleginnen und Kollegen, bedeutet aber auch die Verpflichtung, für unsere Demokratie zu kämpfen, wie wir es tun, wenn wir für die Rechte von Minderhei- ten einstehen oder uns, wie jüngst in diesem Parlament, Neonazis entgegenstellen, die durch unsere Straßen marschieren.Am 8. Mai 1949 hat der Parlamentarische Rat das Grundgesetz beschlossen. Das Da- tum war nicht zufällig gewählt. Das sichtbare, gemeinsame Fundament unserer Demo- kratie steht in direkter Verbindung zum Ende der schrecklichsten Gewaltherrschaft in der Geschichte.Erinnern, verehrte Kolleginnen und Kollegen, ist aber auch eine Verpflichtung, die aus der Vergegenwärtigung des Vergangenen eine Idee und eine Aufgabe für die Zukunft ableitet. So, verstehe ich unseren Antrag und appelliere an jeden Einzelnen von Ihnen, diese Initiative mit zu tragen. *** 2