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Anke Spoorendonk zu TOP 14 u. 26 - Zusammenarbeit Schule und Bundeswehr
PresseinformationKiel, den 19. Mai 2010 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 14 u. 26 Zusammenarbeit Schule und Bundeswehr Drs. 17/455 und 17/508Dass sich Lehrerinnen und Lehrer bei der Auseinandersetzung mit einem Thema zur politischenBildung Unterstützung von Außen holen, ist tägliche Routine an den Schulen. Der Anlass derheutigen Debatte ist aber ein anderer. Es geht zum einen um einen konkreten Vorfall im KreisPlön, wo laut Presseberichten 50 Schüler des Berufsbildungszentrums an einem Informationstagin der Heeresflugabwehrschule Todendorf über „marktgängige Berufe bei der Bundeswehr“teilnahmen und bei der Gelegenheit auch mit einem Schießsimulator spielen und mitHandfeuerwaffen Schießübungen machen durften. Zum anderen geht es um die grundsätzlicheFrage, wie künftig mit der Bundeswehr im schulischen Alltag umgegangen werden soll.Was getan werden sollte, ist also das Verhältnis zwischen Schule und Bundeswehr auf eine neue,sichere Basis zu stellen. Genau daran scheint es nämlich zu fehlen, wenn bereits ein einziger -wenn auch ausgesprochen unappetitlicher Vorfall - ausreicht, eine ausgewachseneLandtagsdebatte in Gang zu bringen. Hier müssen wir nachholend die Prinzipien der Kooperationdiskutieren und beschließen; und zwar auch, weil sich seitens der Bundeswehr dieKooperationsgrundlagen anscheinend wesentlich geändert haben. 2Derzeit bemüht sich die Bundeswehr, ihren Zugang zur schulischen Bildung auszuweiten. Dennmittlerweile gibt es 4-5 Kooperationsvereinbarungen zwischen der Bundeswehr und einzelnenBundesländern, die sehr weitgehende Beteiligungsmöglichkeiten der Jugendoffiziere derBundeswehr vorsehen. Ein Blick, zum Beispiel in die Kooperationsvereinbarung mit Baden-Württemberg macht deutlich, dass das steigende Engagement der Bundeswehr auch vor demHintergrund zu sehen ist, dass sie vor einem massiven Rekrutierungsproblem steht: es fällt ihrschwer, motivierte und geeignete Bewerber zu finden. Die Bundeswehr verstärkt daher ihreAnstrengungen, direkt in den Schulen Imagewerbung zu betreiben.Alleine im letzten Jahr haben die Jugendoffiziere bundesweit mehr als 4.400Informationsveranstaltungen abgehalten. Einige Bundesländer, unter anderem Nordrhein-Westfalen und das Saarland unterstützen diese Anstrengungen, indem sie den Jugendoffizierenden Zugang zur Ausbildung der Referendarinnen und Referendare ermöglicht.Das lehnt der SSW ab - und zwar aus zwei Gründen: Erstens: Die Bevorzugung der Bundeswehrschließt andere Berufsverbände aus. Gewerkschaften, Kammern oder Freiberufler-Organisationen können mit dem gleichen Recht wie die Bundeswehr einen Zugang zur Aus- undFortbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer fordern. Das würde nicht nur zu einer heillosenÜberfrachtung der Fortbildung führen, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung von Schule aufdie der Berufsvorbereitung verengen.Zweitens, und das ist in meinem Augen das zentrale Argument gegenKooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr: politische Bildung gehört in die Hand derdafür ausgebildeten pädagogischen Fachleute und nicht in die von Jugendoffizieren. Genau dasfordert auch die Gewerkschaft GEW. Das Primat der Pädagogik in der Schule dürfen wir mitanderen Worten an keiner Stelle aufgeben. Die Bundeswehr kann Informationen zur Verfügungstellen, aber damit ergänzt sie lediglich den Unterricht und ersetzt ihn nicht. 3Mit anderen Worten: Jede Diskussion im Unterricht muss den Grundsätzen der Ausgewogenheit,Schülerorientiertheit und nicht zuletzt des Verbotes der Indoktrination gehorchen. Das gilt auchbei der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr.Bedauerlicherweise ist es offensichtlich dringend nötig, diese Grundsätze den Schulen nocheinmal ins Gedächtnis zu rufen. Auch die Gemeinsame Erklärung der Präsidenten derKultusministerkonferenz aus dem Jahre 2000 sollte noch einmal bekräftigt werden. Darin heißtes: „Die Zukunftsaufgaben von Bildung und Erziehung werden vor allem geprägt sein durch (…)die Sicherung von Frieden und Gewaltfreiheit“. Ob dies in Form eines Erlasses geschehen solloder in anderer Form, sollten wir im Ausschuss diskutieren.Ich würde mir wünschen, wenn wir am Ende der Diskussion fraktionsübergreifend zu einerLösung kommen können, die zukünftig effektiv derartige Auswüchse wie am Schießsimulator imKreis Plön verhindert. Gewaltfreiheit und Toleranz, auch das möchte ich noch einmal betonen,kann man aber letztlich nicht verordnen, beides muss im Erleben begriffen werden.