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Lars Harms zu TOP 22 - Pflichtstundenerlass vom 30. März 2010 bestätigen
Presseinformation Kiel, den 19. Mai 2010 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 22 Pflichtstundenerlass vom 30. März 2010 bestätigen Drs. 17/560Die Große Koalition hatte den Lehrerinnen und Lehrern an den Regional- undGemeinschaftsschulen noch versprochen, dass sie aufgrund der besonderen Belastungen derSchulzusammenführung und des binnendifferenzierten Unterrichts zukünftig eine Stundeweniger unterrichten müssen. Dieses Versprechen hat Bildungsminister Dr. Klug am 30. Märzmit dem Einkassieren des neuen Pflichtstundenerlasses gebrochen und deutlich gemacht,womit wir es in der Schulpolitik neuerdings zu tun haben: Wir haben einen Bildungsminister,der nicht für die Bildung kämpft, der den Schulen statt Ruhe Chaos bringt und der seine Arbeitvon einer koalitionsinternen Arbeitsgruppe bestimmen lässt, die den pseudo-offiziellen Titel„Haushaltsstrukturkommission“ trägt.Für den SSW sage ich ganz klar: So nicht! Aus unserer Sicht war es ein großer Fehler, denangekündigten Pflichtstundenerlass wieder einzukassieren. Nach den Umwälzungen in derSchullandschaft in den vergangenen Jahren ist es wirklich das falsche Signal, die Lehrerinnenund Lehrer als Belohnung für ihre Mehrarbeit auch noch mit zusätzlichen Stunden zu belasten.Zukünftig sollen nämlich die Lehrerinnen und Lehrer an den Regional- und 2Gemeinschaftsschulen einheitlich 27 Stunden pro Woche unterrichten, an den Gymnasien undden berufsbildenden Schulen 25,5 Stunden.Es geht bei dem Einkassieren des Pflichtstundenerlasses aber nicht nur darum, dassLehrerinnen und Lehrer eine Stunde mehr unterrichten sollen. Es geht vielmehr darum, dassder Bildungsminister die desolate Finanzlage des Landes auf die Lehrer abwälzt, um so seinumstrittenes Y-Abitur-Modell mit 450 Stellen finanzieren zu können.Was dem ganzen aber die Krone aufsetzt, ist die Tatsache, dass die Aufhebung desPflichtstundenerlasses ein weiterer Beleg dafür ist, dass das gegliederte Schulsystem durch dieHintertür wieder eingeführt werden soll. Es kann doch nicht sein, dass schon wieder nach denGemeinschaftsschulen getreten wird. Obwohl die Schwächung dieses Schultyps bei derLandesregierung ja mittlerweile System hat. Der Unterricht an den Gemeinschaftsschulen istdurch heterogene Schulklassen und ein Mehr an individueller Förderung sowieso schonschwierig. Aber anstatt dies zu honorieren, wird jetzt noch eins draufgesetzt. Die gymnasialenFachkräfte der Gemeinschaftsschulen müssen zukünftig 1,5 Stunden mehr als an denGymnasien unterrichten und die Differenzierungsstunden wird es ab 2011 auch nicht mehrgeben. Was die Landesregierung mit der Rücknahme des Pflichtstundenerlasses zeigt, ist vorallem, dass ihr jeglicher Respekt vor der Arbeit an den Gemeinschaftsschulen fehlt – obwohlgerade diese Schulart durch den Einsatz der Schulleitungen, Lehrer, Eltern und auch Schülererfolgreich und nachgefragt ist.Aus Sicht des SSW brauchen wir langfristig ein völlig anderes Modell zur Berechnung derLehrerarbeitszeit. Die Kopplung der Arbeitszeit an Schulformen, die es zum Teil schon nichtmehr gibt, ist veraltet und führt innerhalb der Lehrerschaft zu großer Unzufriedenheit. Wirbrauchen daher ein Modell, das die Arbeitszeit nach Aufwand und Einsatz individuell,transparent und nachvollziehbar darstellt. Die umstrittene Verteilung von Unterrichtsstundennach Schulformen muss abgeschafft und durch eine funktionale Differenzierung nach 3unterrichteten Fächern ersetzt werden. Und wir brauchen einen Paradigmenwechsel imVerständnis von Schule. Schule muss nämlich als Bildungsort verstanden werden, an dem100% der Arbeitszeit einer Lehrkraft wirkungsvoll eingesetzt werden. Somit verändern sich dasOrganisationsbewusstsein innerhalb der Schule und das Selbstverständnis der Schulleitungenund der Lehrerschaft.Aus Sicht des SSW wäre eine solche Veränderung in Zeiten von Gemeinschafts- undGanztagsschule zu begrüßen. Wir müssen aufräumen mit dem Bild vom Lehrer, der ein paarStunden unterrichtet und die restliche Zeit mit Urlaub und Freizeit verbringt. Der Beruf vonLehrerinnen und Lehrern sieht schon lange anders aus. Jetzt liegt es an uns, dieorganisatorischen Rahmenbedingungen der veränderten Wirklichkeit anzupassen und dieArbeit der Lehrerinnen und Lehrer endlich zu honorieren.