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Anke Spoorendonk zu TOP 27 - Gastschulabkommen mit Hamburg weiter entwickeln
Presseinformation Kiel, den 20. Mai 2010 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 27 Gastschulabkommen mit Hamburg weiter entwickeln Drs. 17/509Das Gastschulabkommen zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist nicht neu. Bereits seit1963 gibt es ein Abkommen zwischen den beiden Bundesländern, das den Besuch einer Schuleim Nachbarbundesland regelt. Vor sechs Jahren wurde eine Neuauflage des Abkommensbeschlossen, in der sich Hamburg und Schleswig-Holstein verpflichteten, effektiveMaßnahmen zur sachgemäßen Reduzierung der Schülerzahlen aus Schleswig-Holstein zutreffen. Mit anderen Worten: Schulbesuche im anderen Land sollten nur noch als Härtefällemöglich sein.Die Kündigung dieses Abkommens durch Hamburg im letzten Sommer konnte nicht wirklichüberraschen. Überraschen konnte nur, mit welcher Härte und Unverhältnismäßigkeit dieHamburger Schulbehörde dabei vorging. Sowohl die Kündigung des Gastschulabkommens wieauch die Dienstanweisung für die Hamburger Schulen haben deutlich gemacht, dass unserNachbar Hamburg so wie bisher nicht mehr weitermachen möchte. Und um es gleich vorwegzu sagen, irgendwie kann man das sogar verstehen. 2Die Zielsetzung des Abkommens von 2004 ist – wenn man sich die Statistik anguckt – nicht nurnicht erreicht worden, sie ist ins völlige Gegenteil gewendet worden. Seit 2004 ist die Anzahlder schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler nämlich sowohl an den staatlichen wieauch den nichtstaatlichen allgemeinbildenden Schulen und den berufsbildenden Schulen inHamburg gestiegen. Die Zahl der Hamburger Schülerinnen und Schüler an schleswig-holsteinischen Schulen ist dagegen gesunken – wobei hier die Hamburger Kinder, die Heimebesuchen, nicht berücksichtigt sind.Nachdem trotz des Gastschulabkommens von 2004 die Zahl der pendelnden Schülerinnen undSchüler aus Schleswig-Holstein stetig steigt, ist es durchaus verständlich, dass Hamburg mitder pauschalen Ausgleichszahlung von 8,5 Mio. Euro nicht mehr zufrieden ist.Allerdings ist die Gemengelage aus Sicht des SSW etwas komplizierter. Denn bisher habenbeide Länder in dieser Sache viele Fehler gemacht und beide haben auch von der großzügigenHandhabung der bisherigen Abkommen profitiert. Mit anderen Worten: wir wollen in dieserSache weder Schleswig-Holstein noch Hamburg den Schwarzen Peter zuschieben. Denn wiralle wissen, dass vieles schief gelaufen ist und wir wissen auch, dass wir eine pragmatischeLösung brauchen.Wir brauchen eine Lösung, die nicht zu Lasten der Eltern und ihrer Kinder geht. Die schleswig-holsteinischen Familien brauchen Rechtssicherheit und sie brauchen vor allem einenrespektvollen Umgang mit ihren Kindern. - Die nämlich keine Straftäter sind, sondern einfachnur aus guten Gründen im Nachbarbundesland zur Schule gehen. Weiterhin brauchen wir eineLösung, die klar stellt, dass jedes Bundesland für seine eigenen Schülerinnen und Schüler zahlt.Dabei ist es aus Sicht des SSW erst einmal zweitrangig, wo diese Kinder zur Schule gehen. Vielwichtiger ist aus unserer Sicht, dass sie zur Schule gehen und die Bildung erhalten, die ihrePersönlichkeit am besten entwickelt und fördert.Natürlich kann es nicht sein, dass Hamburg schleswig-holsteinische Schüler unterrichtet unddafür keinen angemessenen finanziellen Ausgleich bekommt. - Wobei die steigende Anzahl der 3schleswig-holsteinischen Schüler in Hamburg natürlich auch auf die lässige Handhabung desGastschulabkommens von 2004 zurück zu führen ist. Das Fehlverhalten Hamburgs in dieserSache ändert aber nichts daran, dass Schleswig-Holstein für die Schulbildung seiner Kinderzahlen muss. - Entweder in Form einer Ausgleichszahlung oder indem wir selbst ausreichendPlätze an unseren eigenen Schulen zur Verfügung stellen.Für den SSW möchte ich daher ganz klar sagen, dass dies keine Lösung ist, die von Heute aufMorgen, durch Eskalationsstrategien oder den Ruf nach einem Nordstaat erreicht wird. Undauch eine gemeinsame Schulentwicklungsplanung ist aus unserer Sicht derzeit nicht dieLösung. So lange sowohl das schleswig-holsteinische als auch das Hamburger Schulsystemmitten im Umbruch sind und heute niemand weiß, welche Schulformen es morgen gibt, fehlteinfach die Grundlage, für eine solche Planung. Wir brauchen vielmehr Lösungen, die nurlangfristig und durch diplomatisches Geschick erreicht werden können. Dafür brauchen wireine klare Datengrundlage notwendig, und wir brauchen Bildungspolitiker, die keineErbsenzähler sind, sondern endlich pragmatisch handeln.