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Flemming Meyer zu TOP 17 - Flächendeckende hausärztliche Versorgung
PresseinformationKiel, den 16. Juni 2010 Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 17 Flächendeckende hausärztliche Versorgung Drs. 17/261Der SSW stimmt dem Antrag zu. Der Appell ist richtig, den Aufruf kann ichunterschreiben und die Verkleinerung der Versorgungsräume ist überfällig. Doch derSSW ist nicht der Ansicht, dass der vorliegende Antrag das anstehende Problem leererArztpraxen auf dem Land tatsächlich löst.Wieder einmal drängt sich der Verdacht auf, dass sich Regierungsfraktionen scheuen,das Thema der Sicherung der flächendeckenden hausärztlichen Versorgung bei derWurzel zu packen. Vor dem Hintergrund des geplanten Endes der Medizinerausbildungzeigt sich überdeutlich, dass die Landesregierung nicht begreift, dass wir es bei denanstehenden Engpässen bei der ländlichen medizinischen Versorgung nicht mit einemEinzelproblem zu tun haben. Die Landesregierung will in Lübeck eine Fakultät dichtmachen und die Regierungsfraktionen wenden sich an die Regierung, dass sie bitte, bitte 2den Ärztemangel „wirkungsvoll begegnet“; von bekämpfen, abstellen oder beenden istschon gar nicht die Rede.Lassen Sie Lübeck offen! Das wäre ein entscheidender Baustein in einer Strategie, diedann tatsächlich und messbar die Rekrutierung verbessern kann. Ein in Lübeckausgebildeter Arzt kennt sich aus in Schleswig-Holstein und muss nicht erst mühsam insLand gelotst werden. Darum muss die Ausbildung in Lübeck bestehen bleiben.Doch zurück zum Antrag.Der SSW schlägt als allerersten Schritt eine gründliche Bestandsaufnahme vor.Nordfriesland ist dabei mit gutem Beispiel vorangegangen. Dort kennt man sowohl dasAngebot als auch die Nachfrage – hochgerechnet bis ins Jahr 2015 bzw. 2025 sehr genau.Von einem generellen Hausarztmangel kann man derzeit nicht reden, es gibt sogarRegionen mit Überversorgung. Die Planung der Kassenärztlichen Vereinigung ist also beiweitem nicht so gut, wie uns ihre Standesvertreter glauben machen wollen –sie musstatsächlich kleinteiliger werden. Pauschale Urteile helfen wenig weiter bei derBeurteilung und Entwicklung effektiver Maßnahmen.Nach Dafürhalten des SSW kommen die Patienten und deren Belange in dem Bericht vielzu kurz; auch das übrigens ein bekanntes Defizit in der Debatte um dieWeiterentwicklung des Gesundheitswesens. Im Bericht der Landesregierung werden allean der Gesundheitsversorgung Beteiligten ausreichend gewürdigt, die Versorgtenscheinen dagegen keine Lobby, keine Meinung, keine Stimme zu haben. Dagegen wissendie Patienten oftmals besser als die Standesvertreter, wo es im System knirscht. Beispiel:Verzahnung ambulanter und stationärer Versorgung. Viele Patienten sind genervt vonDoppeluntersuchung; von der unnötigen Belastungen mit Röntgenstrahlen und denWarte- und Anfahrtszeiten einmal abgesehen. Bislang ist diesem strukturellem Mangelnoch niemand Herr geworden. Inzwischen gibt es sogar die technischen Mittel wie eine 3Telematik-Plattform, die effektiv die Doppeluntersuchungen vermeiden helfen würden.Bis so etwas allerdings im Abrechnungskatalog der Krankenkassen angekommen ist undin der Praxis Routine wird, vergeht wohl noch eine Weile. Die Patienten spielen stattdessen immer noch den Postboten zwischen Fach- und Hausarzt und tragen großeUmschläge mit ihrem Befunden von einem zum anderen.Andere Bundesländer machen es vor: sie versuchen sich an der Reform der Strukturen.Bei uns bleiben wir in Ratschlägen und Modellversuchen stecken. So lobenswert derEinsatz qualifizierter Arzthelferinnen ist, es ist und bleibt ein regional begrenztes Projekt,das nach 21 Monaten ausgelaufen ist.Wir müssen generell umsteuern, um den hohen Versorgungsstandard halten zu können;und eben nicht an einem von schätzungsweise 100.000 kleinen Schräubchen drehen.Wohin uns gut gemeinte Steuerung bringt, zeigt uns die aktuelle Studie der BarmerErsatzkasse. Sie hat nachgezählt, dass die Zahl der Arztbesuche nach Einführung derPraxisgebühr gestiegen ist – und nicht, wie von der Politik vollmundig versprochen,gesunken ist. Die Patienten wollen eben von ihren 10 Euro im Quartal auch etwas haben.Die elektronische Gesundheitskarte? Grandios gescheitert – der Gesundheitsministernennt nicht einmal mehr einen wahrscheinlichen bundesweiten Einführungstermin.Hebammen? Sie sind eine Säule der ambulanten Versorgung und helfen durch ihreaufsuchenden Dienste jede Menge Geld sparen. Sie werden aber durch eine wahreExplosion der Versicherungsprämien mittelfristig genau dieses Angebot nicht mehraufrechterhalten können.Diese Art von Fehlsteuerungen lässt sich mit vielen, weiteren Beispielen belegen. DieSchlussfolgerung kann nur sein: die unglaubliche Vielzahl gesundheitspolitischerAkteure radikal zu verkleinern, Geld- und Versorgungsströme transparent zu machen 4und die Versorgung zu regionalisieren. Den Medizinischen Versorgungszentren kommtbei dieser Reform eine zentrale Rolle zu. Wir haben im Land noch genügendKrankenhäuser, die den Kern einer neuen Struktur sein könnten.Aber ich will die zahlreichen, guten und wirklich sinnvolle Vorschläge nicht noch durchweitere Ideen ergänzen. Zunächst müssen wir anfangen, die Patienten zu fragen. Undzwar schleunigst.