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Anke Erdmann zu gemeinsamem Ethik- und Religionsunterricht
Presseinformation Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Es gilt das gesprochene Wort Pressesprecherin Claudia Jacob TOP 36 – Gemeinsamer Ethik- und Landeshaus Religionskundeunterricht, Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Telefon: 0431 / 988 - 1503 Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin Fax: 0431 / 988 - 1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de Anke Erdmann: www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 417.10 / 09.07.2010Unsere Gesellschaft braucht die Fähigkeit zum interreligiösen und transreligiösen DialogWir reden hier heute nicht darüber, ob wir für oder gegen Wertevermittlung und Religi- on in der Schule sind, sondern über das wie. Ziel eines solchen Unterrichts, der Ethik und Religion in den Mittelpunkt stellt, muss die Integration, die Gleichberechtigung und das Zusammenleben in kultureller Vielfalt sein. Aber er kann auch Raum geben, damit Kinder und Jugendliche ihre eigene Perspektive vertiefen und hinterfragen können. Diesen Ansatz kann man unterstützen, unabhängig davon, wie man persönlich zum Thema Religion steht und welche Bedeutung man Glauben beimisst.Unsere Schülerinnen und Schüler sind unterschiedlich – das gilt auch bei religiöser oder weltanschaulicher Prägung des Elternhauses, die häufig auch bi-nationale oder bi- konfessionelle sind. An unseren Schulen lernen längst Kinder mit muslimischem, christ- lich-orthodoxem, jüdischem, christliche-freikirchlichem oder hinduistischen Hintergrund.Aber auch für konfessionslose SchülerInnen ist der klassische Religionsunterricht nicht das richtige Angebot. Ihnen wird dann der „andere Unterricht“ angeboten. Konkret be- richten Eltern, dass der Ethikunterricht an unsere Schulen gar nicht – oder nur unattrak- tiv in Nachmittagsstunden – angeboten wird. Es fehlt uns also doppelt an Gleichbe- handlung.Wer betont, dass es wichtig ist, die eigene religiöse Identität zu stärken, damit es zu Toleranz kommt, der muss natürlich eine Antwort für alle Schülerinnen und Schüler ha- ben. Entweder biete ich also allen Schülerinnen und Schülern entsprechenden Unter- Seite 1 von 2 richt an – konfessionsgebundenen oder konfessionslosen. Der eingeschlagene Weg, Ethik- und Islamunterricht anzubieten, ist ja nur ein erster Schritt. Allein diese beiden Fächer bedarfsgerecht anzubieten, wäre ein enormer Kraftakt, von den restlichen ganz zu schweigen.Als Protestantin, als Bürgerin sage ich: Gerade weil Religion gesellschaftlich wichtig bleibt, sich die Bedeutung dieses Themas aber wandelt, gerade deshalb müssen wir über einen Wandel im Bereich Religions-und Ethikunterricht nachdenken.Was unsere Gesellschaft braucht, ist die Fähigkeit zum interreligiösen, zum transreligi- ösen Dialog. Das Wissen um- und voneinander, die Grundlage für Toleranz – da ist ein gemeinsamer Unterricht eine zeitgemäße Antwort.Schauen wir nach Hamburg: „Religion für alle“ – das ist zum Hamburger Erfolgsmodell geworden – seit Jahrzehnten! Mir gefällt daran, dass es einen gemeinsamen, konfessi- onsübergreifenden Unterricht gibt, in dem es nur um den religionswissenschaftlichen Blick von außen auf die Religion geht, sondern wo auch die Binnenperspektive eine Rolle spielt: Ich als Muslima, ich als katholischer Christ, ich als Jüdin, ich als Atheist… Und das Fach ist so konzipiert, dass bis zur neunten Klasse auch die konfessionslosen ohne Einschränkung ihren Platz finden. Danach wird Ethik als gleichberechtigtes Wahl- fach angeboten.Ich beantrage für meine Fraktion Ausschussüberweisung – das ist ein guter Anstoß, der Linken. Mir ist aber wichtig, dass wir das nicht als Grabenkampf organisieren. Wenn das erfolgreich sein soll, gilt es auch – wie auch in Hamburg – die Kirchen mitzuneh- men.Und allen, die Befürchten, dass die Initiative der Linken zu einer weiteren Säkularisie- rung beiträgt, entgegne ich: „Wichtig ist auf dem Platz“ – und das heißt hier nicht Schu- le, sondern – jetzt mal aus meiner protestantischen Sicht: Kirche. Wer in der Schule un- ter Dauerstress steht, der hat für Jugendgruppen, Gottesdienstgestaltung, Kirchentage und die eigene religiöse oder weltanschauliche Identitätsentwicklung keine Zeit mehr. *** 2