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Anke Spoorendonk zu TOP 15 - Das Archivwesen in Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 08. September 2010 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 15 Das Archivwesen in Schleswig-Holstein Drs. 17/32 und 17/616Ziel dieser Großen Anfrage war es, herauszufinden, wie die Landesregierung das Archivwesensieht und wie sie einen zukünftigen Ausbau sichert, damit die Archive ihre Aufgabenentsprechend erfüllen können. Sowohl die Dauer der Beantwortung unserer Großen Anfragezum schleswig-holsteinischen Archivwesen als auch der Inhalt dieser Antwort machendeutlich, dass sich - nun ja, drücken wir es doch mal positiv aus - das Interesse derLandesregierung am Archivwesen in Grenzen hält. Verblüfft war ich allerdings schon darüber,mit welch einer Ignoranz gegenüber der Sicherung des schleswig-holsteinischen Kulturgutesdie Landesregierung ein Defizit im Archivwesen an das andere reiht, und anscheinendüberhaupt keinen Handlungsbedarf sieht.Aus der Beantwortung der Großen Anfrage geht nämlich hervor, dass es eine Vielzahl vonDefiziten gibt, die die Arbeit des Archivwesens in ihrer Existenz bedroht.An erster Stelle wären da die Kommunalarchive zu nennen. Obwohl deren Einrichtung seitzehn Jahren eine Pflichtaufgabe ist, fehlen in Schleswig-Holstein noch 56 Kommunalarchive in 2Kreisen, Städten, Ämtern und Gemeinden. Die Landesregierung konstatiert, dass mitArchivierungslücken gerechnet werden muss und sie keine Möglichkeit hat, dieArchivierungspflicht durchzusetzen. Angesichts der Kommunalaufsicht des Innenministeriumserstaunt diese Aussage. Noch mehr erstaunt, dass die Landesregierung schreibt, dass derBerufsverband der Archivare - der VKA - seit zehn Jahren für die Umsetzung des Gesetzes wirbt.Wir leben allerdings in einem Rechtsstaat, in dem die Ausführung von Gesetzen nicht derBeliebigkeit unterliegen.An zweiter Stelle wäre das Landesarchiv zu nennen. Das Landesarchiv hat in den letzten zehnJahren 30% Kürzungen beim Personalbudget hinnehmen müssen. Mit weiteren Kürzungenwird gedroht. Die Konsequenzen dieser Kürzungen werden bei der Erfüllung vonKopierwünschen für die interessierte Öffentlichkeit deutlich. Von 1999 bis 2009 sind diese von28.000 auf 80.500 jährlich gestiegen. Die beiden Stellen, die diese Aufgabe erfüllen, sind überDrittmittel finanziert und laufen Ende des Jahres aus. Damit kann das Landesarchiv dieserAufgabe nicht mehr nachkommen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger ebenso wieVerwaltungs- oder Behördenmitarbeiter haben dann noch die Möglichkeit, sich hinzusetzen,und die Unterlagen abzuschreiben. Hier werden aus unserer Sicht die absurden Konsequenzeneiner Politik deutlich, die der Argumentation folgt, wenn die Zuwendung nicht ausreicht,müssen halt Aufgaben gestrichen werden.Weitere Defizite zählt die Landesregierung im Bereich der Aus- und Fortbildung auf. DieAusbildungen geschehen ausschließlich im Landesarchiv. Seit 2006 bzw. 2008 hat es allerdingsaufgrund der Personaleinsparungen keine Ausbildungen mehr im Archivdienst gegeben.Nachwuchssicherung sieht aus Sicht des SSW anders aus. Daher begrüßen wir ganzausdrücklich, dass mit dem Doppelhaushalt 2011/12 wieder zwei Ausbildungsplätze eingeplantsind. Allerdings ist dies die einzig gute Nachricht in dieser Beantwortung. 3Ansonsten kann man feststellen, dass innerhalb des Archivwesens besonders vomLandesarchiv und dem VKA eine herausragende Arbeit geleistet wird, die von hohemEngagement gekennzeichnet ist und ehrenamtlich unterstützt wird. Die Landesregierung hältsich zurück bzw. fühlt sich nicht zuständig und tut überhaupt nichts.Dies wird auch bei der Beantwortung der Frage zum Wirtschaftsarchiv deutlich. 2001 hat derLandtag den Antrag des SSW zur Einrichtung eines Wirtschaftsarchivs einstimmig beschlossenund die Landesregierung wurde damit beauftragt, diesen Prozess zu unterstützen.Landesarchiv und VKA sind allerdings - mal wieder - die einzigen, die hier aktiv geworden sind.Insgesamt überlässt die Landesregierung jegliche Arbeit dem Landesarchiv und dem VKA undist weder unterstützend noch beratend noch sonst wie in diesem Bereich aktiv.Archive sind das Gedächtnis unserer Gemeinschaft. Sie sind Zentren der historischenForschung, sie schaffen Rechtsicherheit und sorgen als Dienstleistungseinrichtung fürBehörden für eine funktionierende Verwaltung. Es ist an der Zeit, dass die Landesregierungdieses Thema auf die politische Tagesordnung setzt und aktiv wird und wenigstens den StatusQuo sichert, bevor die Arbeit des Archivwesens endgültig kaputt geht.