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Anke Spoorendonk zu TOP 17 - Auslandseinsätze der Bundeswehr
Presseinformation Kiel, den 10.09.2010 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 17 Auslandseinsätze der BundeswehrMan kann diskutieren, ob es die Aufgabe des Landtages ist, als Länderparlament zu diesenFragen Stellung zu beziehen. Es gehört jedenfalls nicht zu den Aufgaben, zu denen wir gewähltworden sind. Die Kompetenz liegt beim Deutschen Bundestag, der in den letzten vier Monatenauch insgesamt sechs Debatten zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geführt hat. Wennwir diese Debatte nun auch im Landtag führen, dann geht nicht um Landespolitik, sondernallein um Parteipolitik. Fünf von sechs Parteien haben hier nur die Ansichten ihrer Bundesparteikundgetan. Die Folgen sind gleich null. Denn im Gegenteil zu den Kollegen des Bundestagstragen wir nicht die Verantwortung, eine Entscheidung treffen zu müssen, die letztlich dazuführen kann, dass weitere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan ihr Leben lassen. Deshalbwird der Austausch der persönlichen Meinungen und Parteipositionen zum Afghanistaneinsatzin diesem Hause nie mehr sein können als „schön, dass wir uns mal darüber ausgetauschthaben“.Man kann diskutieren, ob die deutsche Bundeswehr vor dem Hintergrund der Geschichteüberhaupt im Ausland eingesetzt werden soll. Das ist ja eine Frage, die nicht an Parteigrenzen 2halt macht und quer durch Parteien verläuft, auch beim SSW. Was für uns vollkommen klar ist,ist dass Bundeswehreinsätze mit geopolitischen Zielen niemals legitim sein können. Mit dieserMeinung stehen wir aber bei weitem nicht allein. In der Diskussion um die Äußerung HorstKöhlers ist längst schon alles Erforderliche gesagt und getan worden. Die Parteien habendeutlich gemacht, dass es für sie nicht akzeptabel ist, die Bundeswehr oder andere Armeenaufgrund von Handels- oder Rohstoffinteressen einzusetzen. Horst Köhler hat erklärt, dass erdas ja auch nicht wollte und ist ja gerade wegen der klaren Kritik als Bundespräsidentzurückgetreten.Dieser Antrag ist von vorn bis hinten verkorkst. Selbst wenn wir hier heute der Bundestagwären, würden wir dem so nicht zustimmen. Der Antragsteller stochert oberflächlich in einemenorm komplexen Thema herum und benennt nicht einmal klar, welche Auslandseinsätzeseiner Ansicht nach kein legitimes Mandat haben und grundgesetzwidrig sind. Stattdessen solldie Bundesregierung der Öffentlichkeit das mitteilen, was er denkt. Das ist absurd.Was den zweiten Punkt dieses Antrags angeht, so kann ich nur sagen, dann mach doch! Wenndie Linke der Meinung ist, dass die Bundeswehr bewusst eingesetzt wird, um das friedlicheZusammenleben der Völker zu stören – was ein wirklich ungeheurer Vorwurf ist –, dann soll siedies beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vortragen. Ich werde mich auf jeden Fall hierund jetzt nicht zur Richterin aufschwingen und auf so zweifelhafter Grundlage der Bundes-regierung und dem Bundestag unterstellen, sie würden das Grundgesetz nicht achten. Wirhaben im Moment genug Hobbyverfassungsrichter in Schleswig-Holstein.Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Linken! Ich kann nicht verstehen, dass sie solcheAnträge durchgehen lassen. Kämpfen sie mit offenem Visier und benennen sie Ross und Reiter.Ich teile nicht die Ansicht, dass die demokratische Auseinandersetzung über die Auslands-einsätze nicht offen genug stattfindet und dass es einer „Selbstanzeige“ der Bundesregierungbedarf, der ohne weitere Begründung unterstellt wird, sie würde im dunklen Kämmerlein jetzt 3schon geopolitischen Tagesordnungen folgen. Ein solcher Antrag, der ausschließlich aufnahezu verschwörungstheoretische Unterstellungen fußt, hat in einer offenen demokratischenAuseinandersetzung nichts zu tun.Darüber ärgere ich mich wirklich, zumal wir alle in diesem Haus wissen, wie schwer sich dieAbgeordneten des Bundestages tun – quer durch alle Fraktionen – wenn um Auslandseinsätzegerungen wird. Denn jedes Mal stoßen Staatsräson, ethische Überzeugung und politischeIdeologie aufeinander. Deshalb hat keiner der Beteiligten verdient, dass derart oberflächlich,polemisch und unterstellend mit diesem Thema umgegangen wird. Liebe Kolleginnen undKollegen, bitte spart Euch so etwas für die Parteiarbeit auf. Für dieses Haus ist es eineBeleidigung.