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10.09.10 , 20:10 Uhr
SSW

Silke Hinrichsen zu TOP 25 - Beratungsstellen Frau & Beruf

Presseinformation
Kiel, den 10. September 2010 Es gilt das gesprochene Wort



Silke Hinrichsen
TOP 25 Beratungsstellen Frau & Beruf Drs. 17/774

Die Beratungsstellen „Frau & Beruf“ scheinen permanent in ihrer Existenz bedroht. Die
Flensburger Beraterinnen hatten daraus vor Jahren einen Sketch aufgeführt, in dem sie
selbstironisch ihre Überlebensfähigkeiten thematisierten: immer wieder tot geglaubt,
doch am Ende reichte es doch mit der Finanzierung.


Doch nun ist ganz offensichtlich „Schluss mit Lustig“. Die Beratungsstellen Frau & Beruf
im Land bekommen im nächsten Jahr 17.000 Euro weniger an Landesmitteln und 2012
37.000 Euro. Das ist das Todesurteil für die kompetente, individuelle und wohnortnahe
Beratung. Man muss keine Prophetin sein, um vorherzusehen, was wir stattdessen
bekommen werden: Farbige Broschüren, allgemeine Vorträge, die sich an
wiedereinsteigende Frauen richten und pauschale Hinweise. 2
Frauen, die über einen längeren Zeitraum nicht berufstätig waren, haben dagegen viele
Fragen: Kinderbetreuung, Qualifizierung, flexible Arbeitszeitmodelle oder auch
finanzielle Förderungsmöglichkeiten. Sie haben also finanziell seitens der
Landesregierung keine Ansprüche auf eine Beratung, aber enormen Bedarf, der durch
das neue Unterhaltsrecht ab 01.01.2008 weiter gestiegen ist. Genau da beginnt die
Arbeit von Frau & Beruf.


Frauen zu ermutigen, Mädchen an für sie unbekannte Berufe heranführen und gerade
auch älteren Frauen eine Berufstätigkeit jenseits von Minijob und Leiharbeit zu eröffnen
- so lauten die ehrgeizigen Ziele der Beraterinnen. Bei ihnen stehen die Frauen im
Mittelpunkt und keine menschenleere Vermittlungsstatistik. Die Frauen sind nicht in
Fälle zersplittert, sondern werden im besten Sinne des Wortes ganzheitlich beraten.
All das würde man sich auch für das Leistungsspektrum der Arbeitsagentur wünschen;
auch für Männer. Zweifelsohne geschieht dort ebenfalls eine qualifizierte Beratung, aber
die enormen Fallzahlen und die Verbindung von Leistungsberechnung,
Leistungsgewährung und Berufsberatung in einem Haus ist nicht immer optimal.


Selbstkritisch müssen wir als Abgeordnete sehen, dass es uns in den letzten Jahren nicht
gelungen ist, das Leistungsspektrum der Beratungsstellen auf ein stabiles finanzielles
Fundament zu stellen. Wir waren alle Jahre wieder vollends damit ausgelastet, die
allerschlimmsten Sparpläne zu vereiteln.


Zum Einzelnen: Die Frage, ob die Art der Aufgabenwahrnehmung sinnvoll und
wirtschaftlich ist, also die Vollzugskritik, beantwortet die Landesregierung auf ihre ganz
eigene Weise mit drastischen, existenzgefährdenden Kürzungen. Frauenarbeit, oder 3
genauer gesagt die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, hat bei der
Landesregierung eine Wertigkeit von Null. Ausweislich des Haushaltsplanes 09 12 wird
trotz des Verweises auf die bisherige Förderung der Zuschuss zurückgeführt. Das ist das
Ende der Politik und die Herrschaft der Zahlen. Vorbild ist der Landesrechnungshof, der
die Beratungsleistung von Frau & Beruf zwar positiv bewertet, indem er in seinen
Prüfungsmitteilungen ausdrücklich die Praxis der Arbeitsverwaltung erwähnt,
Problemfälle in der Beratung an die Beratungsstellen zu verweisen. Aber der
Landesrechnungshof kann einfach nicht aus seiner Haut: sobald seine Prüfer das Etikett
„freiwillige Leistung“ erspähen, raten sie immer der Landesregierung, diese Aufgabe
einzustellen. Da macht man es sich wohl sehr einfach.


Die Beraterinnen haben bewiesen, dass sie ohne eine große Verwaltung eine solide
Arbeit leisten und alle Anfragen der Klientinnen, eben auch die komplizierten, ohne
lange Wartezeit kompetent bearbeiten. Also bei der Aufgabekritik: ein klares Ja. Über die
Vermittlungszahlen müssen wir uns unterhalten, aber der Vorwurf statistischer
Tricksereien muss vom Tisch. Die Frage danach, ob die Aufgabe der individuellen
Beratung wahrgenommen werden muss, also die Zweckkritik, kann ebenfalls ohne
Zögern bejaht werden - die Argumente habe ich dargelegt.
Diese wichtige Aufgabe ist also hervorragend von den Beratungsstellen erfüllt worden.
Darum muss die Aufgabe in den erfahrenen Händen der Beraterinnen bleiben. Und dafür
werden wir uns einsetzen. Denn wir haben die besten Argumente auf unserer Seite.

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