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Anke Spoorendonk zu TOP 59 - Hochschulpolitisches Konzept der Landesregierung
Presseinformation Kiel, den 19. November 2010 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 59 Hochschulpolitisches Konzept der Landesregierung Drs. 17/602, 882Die Landesregierung hat in Sachen Hochschulpolitik in den letzten Monaten viel Porzellanzerschlagen. Aus Sicht des SSW war dies unnötig, hätte die Landesregierung erst gedacht unddann gehandelt. Stattdessen bekommen wir jetzt - nachdem die sektoralen Einschnitte in derHochschullandschaft bekannt gegeben wurden - das hochschulpolitische Konzept derLandesregierung vorgelegt. Dabei erscheinen die „sektoralen Einschnitte“ desWissenschaftsministers so wahllos, dass unklar ist, was die Zielsetzung in derWissenschaftspolitik sein soll. Dies wird auch nach dem Vorlegen des Konzepts nicht klarer.Klar ist hier nur, dass Denken und Handeln der Landesregierung nicht übereinstimmen.Dies gilt zum Beispiel für das Thema Internationalisierung. In dem Konzept wird festgestellt,dass „die Anstrengungen in Richtung verstärkter Internationalisierung auch imHochschulbereich intensiviert werden müssen“, da Schleswig-Holstein hier bundesweit denletzten Platz einnimmt. Zu einer verstärkten Internationalisierung gehören eine stärkereinternationale Ausrichtung der Studiengänge, Austausch unter den Studierenden,internationale Kooperation und die Förderung der Fremdsprachenkenntnisse. Warum im 2gleichen Atemzug die Wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge in Flensburg auslaufensollen, bleibt angesichts der Schwerpunktsetzung der Landesregierung rätselhaft. Genau dieserStudiengang funktioniert grenzüberschreitend, die Studierenden werden in zwei Länderninterdisziplinär, international ausgerichtet auf mindestens drei Sprachen unterrichtet undkommen derzeit aus 20 verschiedenen Nationen. Insgesamt erfüllt dieser Studiengang damitsämtliche Traumvorstellungen einer verstärkten Internationalisierung und müsste landesweitals Vorzeigebeispiel hochgehalten werden. Stattdessen beschließt die schwarz-gelbeLandesregierung das Auslaufen des Studiengangs und stellt sich damit bei der Förderung derInternationalisierung selbst ein Bein.Das Gleiche gilt für das Thema Exzellenzinitiative. Wenn man sich anschaut, wie eifrig dieLandesregierung dabei ist, die Forschung der Hochschulen auf internationale Spitzenforschungauszurichten, ist es nicht verwunderlich, wenn kein Geld mehr für die grundlegende Lehre undForschung übrig ist. So hat Herr de Jager selbst bei der Debatte am 17. Juni festgestellt: „Wirsind in Schleswig-Holstein Gefangene unseres eigenes Erfolgs. Wir haben mehr Exzellenz inSchleswig-Holstein im Sinne der Exzellenzinitiative, als wir uns erlauben können.“ Für den SSWgilt dabei ganz klar, dass exzellente Forschung gut ist, aber sie ist nicht alles. Und sie darf schongar nicht dazu führen, dass andere Hochschulen in der Entwicklung ihrer Potentiale beschränktwerden.Insgesamt macht die Landesregierung in ihrem hochschulpolitischen Konzept vor allemdeutlich, dass sie zwar gerne eine Weiterentwicklung der Hochschullandschaft hin zuexzellenter Forschung und Lehre möchte, dass sie aber gleichzeitig nicht bereit ist, dafür auchden angemessenen finanziellen Einsatz zu geben. So versucht man sich zum Beispiel die UniLübeck vom Hals zu schaffen, indem eine Stiftungsuniversität gegründet werden kann, diedann Studiengebühren erhebt und sich primär aus der Wirtschaft finanziert. Auch in Flensburgsichern die regionalen Wirtschaftspartner mit einem Konzept für eineKommunikationsplattform zur Durchführung von gemeinsamen Studiengängen und 3Forschungsprojekten sowie einem Hochschulfonds zur finanziellen Absicherung der Zukunft,der Wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge der Uni. Die Wirtschaft springt also ein, umeine der grundlegenden Aufgaben des Landes zu retten: die Finanzierung der Bildung! Ob dasLand das Angebot der Flensburger aber überhaupt annimmt - davon ist in diesem Konzeptnichts zu lesen. Obwohl dies die wirklich dringenden Fragen sind.Die schwarz-gelbe Landesregierung ist ganz auf freie Marktwirtschaft ausgerichtet, wenn siepositiv hervorhebt, dass die Output-orientierte Finanzierung zu einem Wettstreit mitUmverteilungswirkungen zwischen allen Hochschulen des Landes führt. Aus unserer Sicht läuftdieses Konzept aber auf Kannibalismus hinaus. Die größte Universität frisst die kleineren unddie Landesregierung tritt dann noch ordentlich nach. Dabei ist es gerade die Landesregierung,die in Sachen Bildung die Verantwortung trägt. An ihr liegt es, jetzt die Weichen für einenachhaltige Hochschulentwicklung zu stellen, damit alle Hochschulen die Möglichkeiterhalten, mit all ihren Facetten und ihrer Einmaligkeit für eine hervorragende Forschung undLehre in Schleswig-Holstein zu sorgen.