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Anke Spoorendonk zu TOP 5 - Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes
Presseinformation Kiel, den 26. Januar 2011 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 5, 45 Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes und des Mitbestimmungsgesetzes u. a. Drs. 17/858, 1186, 90, 138, 1187CDU und FDP verabschieden heute eine Schulgesetznovelle, die so überflüssig ist wie ein Kropf.Als Evaluation des jetzigen Schulgesetzes kommt sie zu früh und als Neuausrichtung derschleswig-holsteinischen Schulpolitik hat sie nur die Sichtweisen von Vorgestern zu bieten.Schon als der Referentenentwurf in die Anhörung ging, wurde Protest laut. Und sowohl dieschriftliche als auch die mündliche Anhörung haben ergeben, dass dieses Schulgesetz so nichtgewollt ist. Lehrer, Eltern, Schüler, Verbände, Wissenschaftler, Gewerkschaft, Schulträger,Bürgermeister und eine Volksinitiative, die dem Parlament mittlerweile 25.000 Unterschriftenüberreicht hat, versuchen seit Monaten, diese Schulgesetznovelle zu verhindern. Doch stattden Dialog zu suchen, wird durchregiert. Dass die FDP-Fraktion kurz vor Torschluss eine Pro-Schulgesetz- Erklärung von schulpolitisch befreundeten Verbänden und Personenunterzeichnen lässt, wirkt vor diesem Hintergrund eher niedlich. 2Fakt ist, dass sich CDU und FDP aus ihrer Verantwortung für ein verkorkstes Schulgesetzstehlen, indem sie behaupten, sie würden ja nur Möglichkeiten schaffen, aber niemandenzwingen. Sie schaffen Beliebigkeit unter dem Deckmantel der Liberalität und geben damit dieschulpolitische Gestaltungskraft und Verantwortung aus den Händen. Mit anderen Wortensagt die Landesregierung den Schulen: Macht doch was ihr wollt! Dass sie aber gleichzeitig,sozusagen hinter den Kulissen über den Weg der Verordnungen, Tatsachen schafft, die nur ineine Richtung zeigen, dass ist der wirkliche Skandal.Was übrig bleibt, ist eine schleswig-holsteinische Schullandschaft, die von der Politik nicht nurdie schlechtesten Ausgangsbedingungen erhält, sondern auch noch im Stich gelassen wird.Aus Sicht des SSW gibt es keinen Grund, das Schulgesetz von 2007 über den grünen Klee zuloben, denn es bescherte uns keine Schulreform aus einem Guss: Gymnasien mit G8,Gemeinschaftsschulen mit G9 und dazu noch die Regionalschulen als faulen Kompromiss, weilsich die CDU nicht traute. Alles dies ist auch vom SSW kritisiert worden. Unser Ziel ist weiterhindie flächendeckende Einführung der Gemeinschaftsschule. Dass wir damit nicht allein stehen,haben die letzten Jahre zu genüge belegt. Die Gemeinschaftsschule ist in Schleswig-Holsteinein Erfolgsmodell; die Regionalschule ist es nicht. Nur machen die Gemeinschaftsschulen auchden Gymnasien Konkurrenz, so dass CDU und FDP mit dieser Schulgesetznovelle versuchen zuretten, was zu retten ist und eine bildungspolitische Rolle rückwärts vollführen. Man ist gegendie Benachteiligung des Gymnasiums, heißt es ausdrücklich im Koalitionsvertrag derRegierungsfraktionen. Und plötzlich sind wir wieder an einem Punkt angelangt, den wir längstüberwunden hatten: Statt sich endlich für eine neue Lehrerausbildung stark zu machen und dieQualität des Unterrichts und der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern in denMittelpunkt zu stellen, bindet uns die Landesregierung eine neue Schulstrukturdiskussion ansBein. 3Mit der Einführung des Y-Modells an den Gymnasien, sollen diese im Wettbewerb gegen dieGemeinschaftsschulen besser bestehen. Gleichzeitig wird versucht, die fortschrittlicheschleswig-holsteinische Schulpolitik zurück zu holen, indem der Wesenskern derGemeinschaftsschulen - und zwar der binnendifferenzierte Unterricht und die damitverbundene Vorstellung, dass alle Kinder gleiche Chancen erhalten - zerstört wird. Mit derErmöglichung von abschlussbezogenen Klassen betreibt die FDP nicht nur Klientelpolitik, siezementiert vor allem Bevölkerungsschichten und führt das dreigliedrige Schulsystem durch dieHintertür wieder ein. Die Vorstellung, dass es dumme, nicht so dumme und schlaue Kindergibt, die mit einem Stempel auf der Stirn in die ihnen vorgegebenen Schubladen klettern, ist soüberholt, dass man sich wirklich fragt, in welchem Jahrhundert diese Partei lebt. Dazu kommt,dass die Einrichtung von Oberstufen an Gemeinschaftsschulen erschwert wird, so dass ganzeSchulplanungen zunichte gemacht und insbesondere der ländliche Raum bildungspolitischweiter geschwächt wird.Das ganze passiert laut FDP, weil Elternproteste wahrgenommen werden. Dabei wird völligignoriert, dass die Eltern gegen die hohe Belastung ihrer Kinder in den G8-Jahrgängenprotestieren und dass dieses Problem mit der Schulgesetznovelle in keinster Weise gelöst wird.Nach wie vor bleibt der Unterrichtsstoff in G8 und G9 der gleiche. Nur weil einige wenigeGymnasien zukünftig G8 und G9 parallel anbieten, ist die verkorkste Einführung von G8 alsonoch längst nicht behoben. Der SSW steht für ein Abitur nach 9 Jahren; wir stehen aber nichtfür Rosinenpickerei. Daher sage ich: Wir wollen keine Wettbewerbsverzerrung zwischenGemeinschaftsschulen und Gymnasien. Wer für das Y-Modell eintritt, sagt nämlich auch, dassihm das Abitur an Gemeinschaftsschulen nicht gut genug ist.Zu diesen grundsätzlichen Kritikpunkten kommen aus Sicht des SSW eine ganze Reihe weitererPunkte, die deutlich machen, dass die vorliegende Gesetzesnovelle nicht zu Ende gedacht ist,so zum Beispiel die unklare Vollkostenberechnung beim Schullastenausgleich. Mit denHeimatgemeinden solle es einen fairen Interessenausgleich geben, heißt es. Wie dieser 4aussieht und was passiert, wenn Kosten steigen oder abweichen, ist jedoch weiterhin unklar.Der schleswig-holsteinische Gemeindetag hat daher zu Recht darauf hingewiesen, dass dieVollkostenberechnung viele Auseinandersetzungen provozieren wird. Und auch dieFormulierung zur inklusiven Beschulung ist nur auf den ersten Blick positiv. Zwar begrüßt derSSW ganz ausdrücklich, dass sich auch Förderzentren ohne Schülerinnen und Schüler zukünftigim Sinne des Gesetzes als Schule definieren können. Dies ändert jedoch nichts daran, dass dieinklusive Beschulung im gleichen Atemzug unter Ressourcenvorbehalt gestellt wird. Eineinklusive Beschulung kann es aber nicht zum Nulltarif geben!Der SSW hat zum vorliegenden Gesetzentwurf einen Änderungsantrag gestellt, in dem wir fürdie Schulen der dänischen Minderheit die Gleichstellung fordern. Der Beschluss aus derDezembersitzung des Landtages, einseitig bei den Schulkindern der dänischen Minderheit zukürzen, ist ein eklatanter Bruch mit der Minderheitenpolitik des Landes. Dieser Beschluss warvor einem Monat genau so falsch, wie er es heute ist und in Zukunft sein wird.Daher appellieren wir noch einmal besonders an die Abgeordneten der regierungstragendenFraktionen, diesen Beschluss zu korrigieren. 2007 hat der damalige und auch heutigeMinisterpräsident in Verbindung mit der Schulgesetzänderung die Gleichstellung noch alsalternativlos dargestellt, weil die Schulen der Minderheit quasi öffentliche Schulen für dendänischen Bevölkerungsteil sind. Heute interessiert dies anscheinend niemanden mehr. Alleunsere Argumente der letzten Monate sind ins Leere gelaufen, weil die Landesregierung unddie Koalitionsfraktionen nicht einmal den Willen zum Zuhören hatten. CDU und FDP haben sichbewusst auf veraltete Informationen gestützt, falsche Informationen genutzt und sichGegenargumenten verschlossen. Dabei gibt es jenseits von Schwarz-Gelb keine Mehrheit fürdie einseitigen Kürzungen bei den Kindern an dänischen Schulen. CDU und FDP missachtennicht nur einen Teil der Bevölkerung, der in diesem Land lebt und Steuern zahlt, sie missachtenvor allem auch die minderheitenpolitischen Grundsätze in diesem Land und führen uns zurückin die 70iger Jahre. 5Aber das tun CDU und FDP nicht nur in Sachen Minderheitenpolitik, sondern eben auch inSachen Schulpolitik. Sie ignorieren eine Volksinitiative mit über 25.000 Unterschriften undziehen eine Schulgesetznovelle durch, ohne die Anhörungen zu beachten oder die Kritikwahrzunehmen. Unter demokratischen Gesichtspunkten ist diese Vorgehensweise wirklich einArmutszeugnis.Mag sein, dass die CDU 2007 über ihren eigenen Schatten sprang. Sie hat es aber getan! Daherstimmt es traurig, dass sie heute nicht mehr dazu steht. Fakt ist, dass sich die CDU von der FDPam Nasenring durch die bildungspolitische Manege hat ziehen lassen, und das ist bitter. Vielschlimmer ist aber die Tatsache, dass es der FDP mit dieser Schulgesetznovelle gelungen ist, einSalto rückwärts zu veranstalten, der das Publikum wirklich staunen lässt.Allerdings muss ich für den SSW ganz klar sagen, dass nur die CDU/FDP-Schulpolitik vorwärtsin die Vergangenheit marschiert. Die Schulen sind in ihrer Entwicklung schon sehr viel weiterund wollen einen mühevollen Prozess nicht mehr zurückdrehen, sondern endlich in Ruhearbeiten. Wir sollten den Schulen daher Zeit geben und nur dort nachbessern, wo es wirklichhakt, wie z.B. bei der Belastung durch G8 oder der Struktur der Lehrerausbildung. Dafürbenötigen wir aber keine Schulgesetzänderung! Für die Schulen in diesem Land kann ich mirnur wünschen, dass sie – trotz der Steine, die ihnen die Landesregierung mit diesemSchulgesetz in den Weg legt - den Mut nicht verlieren auf ihrem Weg für eine gute Schule!