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27.01.11 , 15:02 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 12 - Die schleswig-holsteinische Erwachsenen- und Weiterbildung

Presseinformation Kiel, den 27. Januar 2011 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 12 Die schleswig-holsteinische Erwachsenen- und Weiterbildung Drs. 17/661, 951

Bevor ich zu den Inhalten dieser Großen Anfrage zur Erwachsenen- und Weiterbildung komme,
möchte ich mich im Namen des SSW erst einmal bei all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
der Ministerien herzlich bedanken, die an der Beantwortung mitgewirkt haben. Wir haben es
mit einer wohltuend differenzierten Beantwortung zu tun. Dafür herzlichen Dank.


Die Antworten auf unsere Große Anfrage machen deutlich, welche Ziele die Landesregierung in
Sachen Erwachsenen- und Weiterbildung verfolgt. Nicht nur, dass die Nachfrage nach
Weiterbildung erhöht werden sollen, auch die Teilnahme soll gesteigert werden. Darüber
hinaus geht es vor allem um die Bereitstellung einer guten Infrastruktur mit vernünftigen
Rahmenbedingungen und die Verbesserung von Transparenz, Information und Beratung. Dies
sind hohe Ziele, die interessante Frage lautet also, was die Landesregierung tut, um diese auch
zu erreichen.


Die Infrastruktur Schleswig-Holsteins hat in Sachen Erwachsenen- und Weiterbildung seit
Mitte der 90-iger Jahre eine Vorreiterrolle in Deutschland. Dafür spricht nicht nur die historisch 2
sehr hohe Anzahl an Volks- und Heimvolkshochschulen, sondern vor allem die
Weiterbildungsverbünde. Diese Verbünde sind nicht nur ein wertvolles Instrument, um über
die Angebote der Erwachsenen- und Weiterbildung vor Ort zu informieren, sondern um
generell in Sachen Bildung für Erwachsene zu werben und die Angebote zu koordinieren. Mit
etwas Sorge betrachten wir daher das Auslaufen der Finanzierung der Verbünde im Jahr 2013
und hoffen sehr, dass allen klar ist, was für eine herausragende Arbeit die Verbünde in
unserem Flächenland leisten und dass wir auf ihre Arbeit nicht verzichten können. Gerade die
unentgeltliche Beratung ist ein wichtiges Instrument, um über Fördermöglichkeiten, Angebote
und Anbieter zu informieren und darf nicht von einem Entgeltsystem abgelöst werden.


Die Landesregierung hat ganz richtig erkannt, dass wir in Sachen Weiterbildung einen
Handlungswandel brauchen. Zwar herrscht weitestgehend gesellschaftlicher Konsens über die
Bedeutung der Bildung für Erwachsene, aber trotzdem wird sie nicht entsprechend genutzt.
Gerade das Instrument der Bildungsfreistellung – oder der Bildungsurlaub, wie es häufig heißt
– hat nicht zu der gewünschten Erhöhung der Teilnahme an Weiterbildungskursen geführt.
Dass die Zahl der Anspruchsberechtigten in 20 Jahren nie über 1,2% gestiegen ist, ist wirklich
ärgerlich. Obwohl die Ursachen längst bekannt sind. Die Konsequenz darf aber nicht sein, dass
dies einfach akzeptiert wird. Vielmehr muss gerade hier angesetzt werden. Wir brauchen
vernünftige Instrumente, um vor allem in Betrieben für die Bildungsfreistellung zu werben und
Kurse passgenau anbieten zu können.


Ein weiterer sehr interessanter Punkt der Großen Anfrage ist der Umgang mit der
Erwachsenenbildung. Die Landesregierung hat ihre Kürzungen bei den Volkshochschulen im
Doppelhaushalt entschärft. Trotzdem haben die Kürzungen fatale Folgen, weil das Angebot
reduziert werden muss, Personal entlassen und Teilnehmergebühren erhöht. Wenn die
Landesregierung dann gleichzeitig noch feststellt, dass die ansehnlichen Eigen- und
Drittmitteleinnahmen der Volkshochschulen erhöht werden müssen, verliert man den Glauben
an eine Landesregierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, gute Rahmenbedingungen für die 3
Erwachsenenbildung zu schaffen. Schon heute liegt der Eigenanteil bei 65% - bei einer
weiteren Erhöhung haben wir das System also bald komplett privatisiert. Eine Förderung der
flächendeckenden Grundversorgung sieht aus unserer Sicht anders aus.


Positiv nehmen wir daher zur Kenntnis, dass die Landesregierung das Projekt „VHS 2020“ des
Landesverbandes wahrnimmt und unterstützt. Berücksichtigt werden muss aber auch, dass die
Volkshochschulen sich nur mit ihrer Zukunft auseinander setzen können, wenn sie nicht
tagtäglich ums Überleben kämpfen. Es ist daher notwendig, eine angemessene finanzielle
Förderung auf einem hohen Niveau zu erhalten, um eine Entwicklung zu ermöglich. Mit kaputt
sparen kommen wir an dieser Stelle nämlich nicht weiter.


Es gibt weitere interessante Inhalte in dieser Anfrage, wie z.B. die Teilnehmerstruktur und die
Ausrichtung der Erwachsenen- und Weiterbildung auf Nachfrageorientierung. Ich freue mich
daher sehr auf eine anregende Diskussion und eventuelle Anhörung im Bildungsausschuss und
dass dieses wichtige Thema auf die politische Tagesordnung gerückt ist.

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