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Anke Spoorendonk zu TOP 12 - Für eine friedliches und solidarisches Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 24. März 2011 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 12 Für eine friedliches und solidarisches Schleswig-Holstein Drs. 17/1289Es ist ein einfaches physikalisches Gesetz, wonach sich Luft und Wasser immer dorthinbewegen, wo Platz ist. In der Demokratie ist es ganz genauso: wo Positionen geräumt,Öffentlichkeit aufgegeben oder Rechte verfallen, werden sie von anderen besetzt.Den Strippenziehern der braunen Szene geht es genau um solche Geländegewinne. Die Nazisnutzen jede Gelegenheit, um ihre menschenverachtende, rassistische undgewaltverherrlichende Ideologie vorzubringen. Dazu nutzen sie viele, unterschiedliche Mittel;unter anderem so genannte Gedenktage, an denen überall in Deutschland braune Truppenaufmarschieren. Auffällig viele junge Leute beteiligen sich an diesen Aufmärschen und fühlensich als Teil einer starken Kameradschaft. Darum sind es ja auch Aufmärsche und keineDemonstrationen. Diese zynischen und martialischen Auftritte der Stiefeltreter zurVerhöhnung von millionenfachem Leid entsprechen keineswegs dem, was eine Demonstrationausmacht. 2Die Rechten versuchen das Leid der Opfer in ihrem Sinne zu vereinnahmen; gerade darumdürfen wir ihnen nicht das Feld überlassen. Zu unserer Geschichte gehören die Bombardierungvieler Städte wie Guernica, Coventry und London. Und zur Geschichte gehören die Opfer desBombenkriegs in Deutschland. Versöhnung und internationale Verständigung ist nur möglich,wenn Menschen und Staaten zu ihrer Geschichte stehen und dessen offensichtlicherVerzerrung entgegentreten. Genau das passiert in Lübeck, wo sich ein Bündnis gegen Rechtszusammengefunden hat und am 26. März gewaltfrei demonstrieren wird.Nazis und gewaltbereite Demonstranten machen den Einsatz der Polizei unumgänglich, umdie Versammlungsfreiheit durchzusetzen. Vielen Dank für diesen Einsatz.Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut und unverzichtbarer Bestandteil unserergesellschaftlichen Verfasstheit. In diesen Tagen kämpfen in Nordafrika Menschen tapfer fürdieses Recht. In Libyen werden sie dafür erschossen. Vor diesem Hintergrund gewinnt diesesuns so selbstverständlich gewordene Recht der Versammlungsfreiheit wieder seine volle Kraft.Demonstrationen sind aber nur ein Teil unserer Demokratie. Wir müssen unseredemokratischen Werte jeden Tag wieder neu mit Leben erfüllen. Rechte Aufmärsche kommennur dann zustande, wenn rechte Denkmuster in der Gesellschaft verankert sind. Die rechtenHetzer profitieren dabei von denen, die sie gewähren lassen. In Zeiten, in denenPolitikverdrossenheit chic ist, Wahlbeteiligungen im Sinkflug begriffen sind unddemonstrierende Bürgerinnen und Bürger als Wutbürger diffamiert werden, fällt es schwer,engagiert für demokratische Werte zu streiten.Umso größer der Respekt vor den Menschen, die für das friedliche und solidarische Schleswig-Holstein auf die Straße gehen. 3Rechtsextreme Gewalt und Agitation ist auch in Schleswig-Holstein seit Jahren wieder zueinem Teil des Alltags geworden. Es ist also notwendig, dass die gesamte Gesellschaft erkennt,dass die rechtsextremistische Gefahr nicht von selbst wieder verschwindet.Wir müssen den Menschen zeigen und sie davon überzeugen, dass wir zum Beispiel nicht vonAusländern überschwemmt werden, dass Ausländer nicht den anderen die Arbeit wegnehmen,dass Asylbewerber auf der Flucht nicht Schmarotzer sind und dass Menschen ausverschiedenen Kulturen respektvoll zusammenleben können, ohne etwas zu verlieren. AlleMenschen haben ein Recht auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Alle Menschen sindgleich viel wert. Diese Dinge müssen wir jeder und jedem klar machen. Die besserenArgumente haben wir!