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Lars Harms zu TOP 12 - Finanzielle Situation des Landes Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 25.5.2011Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 12 Finanzielle Situation des Landes Schleswig-Holstein Drs. 17/1352Mit Blick auf die vorangegangene Debatte möchte ich für den SSW noch einmal folgendesdeutlich machen: Trotz der zügigen konjunkturellen Erholung und der erfreulichenEntwicklung der Steuereinnahmen ist die finanzielle Situation des Landes aus unserer Sichtalles andere als rosig. Auch wir haben aus diesem Grund die Entscheidung für dieSchuldenbremse mitgetragen. Die Rückführung des strukturellen Defizits ist und bleibt einKraftakt. Daran gibt es keinen Zweifel. Doch die vorliegende Antwort der Landesregierung aufdie Große Anfrage der Grünen muss auch vor diesem Hintergrund als das gesehen werden, wassie ist: Nämlich nicht mehr und nicht weniger als eine Momentaufnahme. Sobald auch nurgeringe steuerrechtliche Änderungen wirksam werden, sind diese Annahmen hinfällig.Wir sind der Auffassung, dass bei der Beurteilung der finanziellen Lage - und vor allem beiZukunftsprognosen - grundsätzlich Vorsicht geboten ist. Wir alle müssen uns darüber imKlaren sein, dass die Finanzielle Situation des Landes nicht nur von einer Vielzahl von Faktorenabhängt, sondern dass es sich hierbei auch um einen sehr dynamischen Prozess handelt. Wer also behauptet, unser Land stünde heute und über Jahre hinaus am finanziellen Abgrund, dersagt höchstens die halbe Wahrheit.Es ist ganz einfach Fakt, dass uns die konjunkturelle und steuerliche Entwicklung immer auchpolitische Gestaltungsspielräume für die Zukunft eröffnet. Zwar fließen die konjunkturellbedingten Mehreinnahmen aus gutem Grund in die Senkung der Neuverschuldung. Doch dieaktuellen Zahlen der Steuerschätzung zeigen: Allein im Jahr 2012 liegen die Landeseinnahmen– die eben nicht gänzlich konjunkturell bedingt sind – rund 220 Millionen Euro über dem, wasnoch im November erwartet wurde. Das heißt wir haben 3,2 % mehr Steuereinnahmen als nochgeplant. Bei einem geschätzten Wirtschaftswachstum von 1,8 %, die man für Personal- undSachkostensteigerungen zugrunde legen könnte, blieben immerhin noch über 90 MillionenEuro über.Für uns ist deshalb eindeutig: Trotz der schwierigen Situation darf nicht so getan werden, alswären uns in den kommenden Jahren durch die Vorgaben der Schuldenbremse alleMöglichkeiten genommen. Dies gilt im Übrigen auch vor dem Hintergrund der durch denStabilitätsrat festgestellten „drohenden Haushaltsnotlage“ und der damit verbundenenForderung nach einem Konzept zum Abbau der Neuverschuldung. Denn Grundlage hierfür isteine Pro-Kopf-Berechnung bezogen auf den Gesamtschuldenberg. Der Schuldenberg unddamit die formell festgestellte „drohende Haushaltsnotlage“ werden aber erst einmal bleibenund können nur durch einen Altschuldentilgungsfonds in den Griff bekommen werden. Wasbleibt ist somit die Forderung nach einer Begrenzung der Neuverschuldung, wie sie ohnehinbei uns in der Verfassung steht. Somit hat sich hier inhaltlich nichts geändert.Ich will damit sagen, dass uns nicht der finanzielle Spielraum, sondern vielmehr der politischeWille der Verantwortlichen fehlt, wenn es darum geht, Schleswig-Holstein weiterzuentwickeln.Was im Rahmen der Haushaltsberatungen bereits deutlich wurde, setzt sich heute mit der hiervorliegenden Antwort der Landesregierung fort: Es fehlen nicht nur tragfähige Konzepte für die nachhaltige Sicherung bewährter und unentbehrlicher Strukturen - beispielsweise im sozialen,kulturellen oder minderheitenpolitischen Bereich. Nein, in den Aussagen der Landesregierungsucht man auch vergebens nach Visionen, wie Schleswig-Holstein überhaupt weiterentwickeltwerden soll. Im Erhalt der Zukunftsfähigkeit sieht der SSW aber eine ganz wesentliche Aufgabeder Landespolitik. Und was diese Zukunftsfähigkeit beinhaltet wird nach unserer Auffassungauch sehr deutlich in der Landesverfassung beschrieben. In den Artikeln 5 bis 9 können Sie esnachlesen. Da geht es um Minderheiten, Soziales, Umweltschutz, Schulen und Kultur. Das sindfür uns die tragenden Pfeiler unseres Gemeinwesens, die nicht durch kurzsichtigeFinanzbeschlüsse zum Einsturz gebracht werden dürfen.Trotz der schwierigen finanziellen Situation dürfen wir die Weichen für unser Land nicht sostellen, dass ihm die Chancen in der Zukunft genommen werden. Ohne Zweifel müssen wirden Verpflichtungen der Schuldenbremse und den mitunter steigenden Ausgaben, wie etwaden Pensionen für Landesbedienstete, nachkommen. Letzteres sind übrigens aus meiner Sichtkeine Belastungen, sondern völlig berechtigte Ansprüche, die meist über viele Jahre erworbenwurden. Im Übrigen werden diese Zahlungen auch dazu beitragen, die Binnenkonjunktur zustärken. Aber mit Augenmaß, mit sozial ausgewogenen Reformen des Steuersystems und demnötigen Verhandlungsgeschick auf Bundesebene kann durchaus der nötige Freiraum erhaltenwerden, um dieses Land auch in Zukunft aktiv zu gestalten. Und das ist die eigentliche Aufgabeder Landesregierung.