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Anke Spoorendonk zu TOP 14 und 23 - Dänemark-Strategie und Dänische EU-Ratspräsidentschaft
Presseinformation Kiel, den 26. Mai 2011 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 14, 23 Anträge zur Dänemark-Strategie des Landtages und zur Dänischen EU-Ratspräsidentschaft Drs. 17/1368, 1478Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat mit ihrer Dänemark-Strategie einen Entwurffür die zukünftige grenzüberschreitende Zusammenarbeit vorgelegt. Dieser Entwurf wurde anverschiedene Akteure der deutsch-dänischen Zusammenarbeit mit der Bitte umStellungnahme versendet. Aus Sicht des SSW sollte auch der Landtag die Möglichkeit nutzen,auf die Landesregierung einzuwirken und die Strategie mit zu gestalten. Denn wir begrüßenzwar grundsätzlich die Dänemark-Strategie, sehen aber noch Ergänzungsbedarf. Daher habenwir einen Antrag gestellt, in dem wir auf Themenschwerpunkte hinweisen, die zu einererfolgreichen Zusammenarbeit mit unserem Nachbarland Dänemark dazu gehören.Die Dänemark-Strategie der Landesregierung ist bereits sehr umfassend und öffnet denBlickwinkel sowohl für die Zusammenarbeit an der Landgrenze - also zwischen dem LandesteilSchleswig sowie der Region K.E.R.N. und der Region Syddanmark - als auch dieZusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark durch die Fehmarnbelt- 2Querung. Allerdings wird die Fehmarnbelt-Querung erst in 10-15 Jahren ihre volle Wirkungentfalten, so dass in den nächsten Jahren die Zusammenarbeit an der deutsch-dänischenLandgrenze weiter Vorrang haben muss.Die Landesregierung stellt in ihrer Strategie fest, dass sie sowohl die „Jütlandroute“ als auchdie Fehmarnbelt-Querung entwickeln möchte, ohne eine Region gegen die andereauszuspielen. Mal abgesehen von dem Begriff „Jütlandroute“, der dringend ersetzt werdensollte, muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass alle Regionen gleichwertigeEntwicklungschancen erhalten. Dies bedeutet aber nicht, dass alle Regionen gleich behandeltwerden. Mit anderen Worten: jede Region muss die Förderung erhalten, die sie braucht. Diehistorisch gewachsene Kooperation mit der Region Syddanmark ist dabei nicht nur amfundiertesten, sondern auch die Zusammenarbeit mit Dänemark, die am weitestenfortgeschritten ist und die meisten Erfolge aufzuzeigen hat. Für diese Region müssen alsoandere Handlungsansätze gelten, als für die Fehmarnbelt-Region, die erst am entstehen ist.Aus Sicht des SSW ist es daher notwendig, die Dänemark-Strategie um wichtigeHandlungsansätze der bisherigen Zusammenarbeit in der deutsch-dänischen Grenzregion zuerweitern. An erster Stelle sei hier der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur genannt. Es kannnämlich nicht sein, dass die Querung des Fehmarnbelts oder die geplanteHinterlandanbindung dazu führen, dass die restlichen Verkehrswege durch Schleswig-Holsteinnach Dänemark vernachlässigt werden. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kooperationenim Bildungsbereich, die eine politische und finanzielle Unterstützung brauchen. DieZusammenarbeit der Hochschulen und die Sicherstellung der deutsch-dänischen Studiengängean der Uni Flensburg sind vorrangig zu nennen. Aber auch der Ausbau des Dänisch-Unterrichtsan den öffentlichen Schulen gehört in diesen Bereich. Wir begrüßen, dass die Landesregierungein ausreichendes Dänisch-Angebot an den Schulen und entsprechende Ausbildungsplätze anden Hochschulen vorhalten möchte. Gleichzeitig sinkt die Teilnahme am Dänisch-Unterrichtaber seit Änderung des Schulgesetzes. Es wirkt daher fast absurd, wenn die Landesregierung 3für die Fehmarnbelt-Region einen Ausbau des Dänisch-Unterrichts fordert und gleichzeitignicht nur die Anstrengungen im nördlichen Landesteil zur Förderung der dänischen Sprache insLeere laufen lässt, sondern auch noch dafür gesorgt hat, dass die Fremdsprache alsWahlpflichtfach an Gemeinschafts- und Regionalschulen nicht mehr obligatorisch ist.Weitere Ergänzungen sollten aus unserer Sicht im Bereich der kulturellen Zusammenarbeitgemacht werden. Die Projekte People to People, Kulturbrücke, FolkBaltica oder dasKindertheaterfestival sind nur einige Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit dergrenzüberschreitenden Akteure im Bereich der Kultur. Die Kandidatur Sønderborgs zurKulturhauptstadt 2017 ist ein weiterer Meilenstein, den der Landtag ja bereits unterstützt. Esist daher erstaunlich, dass die Kultur in der bisherigen Strategie noch gar nicht auftaucht. Ausder gesamten Region ist Kritik an diesem Versäumnis gekommen, so dass wir hier auf eineschnelle Ergänzung hoffen.Als letzten Punkt möchte ich aus unserem Antrag noch die Vernetzung und Organisation derZusammenarbeit nennen. Unter diesen Punkt fällt zum Beispiel die Unterstützung der Arbeitdes Regionskontors oder der Beobachterstatus der Landesregierung bei denVorstandssitzungen der Region Sønderjylland-Schleswig. An der Dänemark-Strategie sehen wirnämlich, wie wichtig es ist, dass die Landesregierung Einblicke in die Arbeit vor Ort erhält undweiß, was passiert. Nur so kann es ihr gelingen, nicht über die Köpfe der Akteure hinweg zuagieren. Dies gilt übrigens auch für die Neuzuschneidung der kommenden Interreg-Programmperiode von 2014-2020. Die Landesregierung hat hierzu gerade die Betroffenengefragt und muss die schwierige Aufgabe übernehmen, einen grenzüberschreitenden Konsensder Fördergebietskulisse herzustellen, bei dem die Akteure nicht in Konkurrenz zueinandertreten.In der Dänemark-Strategie der Landesregierung wird eine Reihe von Handlungsansätzengenannt, die für die Fehmarnbelt-Region relevant sind und hier eine Entwicklung fördern. Für 4die Zusammenarbeit an der Landesgrenze muss allerdings das Ambitionsniveau erhöhtwerden. Wir teilen daher die von Carl Holst, dem Vorsitzenden der Region Syddanmark,geäußerte Kritik, dass in der Strategie die Richtung und die konkreten Ideen fehlen. DieZusammenarbeit in der Grenzregion hat eine lange Geschichte und wird insgesamt immerintensiver. Dementsprechend muss auch das Aktivitätsniveau erhöht werden und die Strategiefür die Zusammenarbeit erweitert werden. Wir brauchen mehr Inhalt, Finanzierung undHandlung hinter den Vorschlägen.Seit gestern wissen wir aus einer Synopse der Staatskanzlei, welche Rückmeldungen dieLandesregierung zu ihrer Dänemark-Strategie bekommen hat. Uns freut natürlich ganzbesonders, dass so viele Akteure hervorheben, wie wichtig die Verankerung der Minderheitenin der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist. Die Zusammenarbeit mit Dänemark unddamit auch die vorliegende Dänemark-Strategie sind wichtige Bausteine, um sich imMiteinander mit unserem Nachbarland zu positionieren. Daher sollte Schleswig-Holstein diekommende EU-Ratspräsidentschaft Dänemarks nutzen und sich dafür einsetzen, dass dieWeiterentwicklung der Minderheitenpolitik Berücksichtigung findet. Aber ebenso muss dieLandesregierung verstehen, welche katastrophalen Auswirkungen die Kürzungen bei dendänischen Schulen auf die Minderheitenpolitik des Landes haben und dass über dieLandesgrenzen hinaus gefordert wird, zur Gleichstellung zurückzukehren. Die Landesregierungtäte daher gut daran, die besondere Rolle der Minderheiten auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit einzubeziehen.Abschließend möchte ich sagen, dass wir viele der vorgeschlagenen Änderungen dergrenzüberschreitend aktiven und interessierten Akteure teilen und daher hoffen, dass dieLandesregierung mit diesen Rückmeldungen ihr Strategiepapier noch einmal deutlichüberarbeitet und sich für die Zusammenarbeit, aber auch für die Akteure in der deutsch-dänischen Grenzregion insgesamt stark macht.