Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Silke Hinrichsen zu TOP 15 - EU-Flüchtlingspolitik
PresseinformationKiel, den 26. Mai 2011 Es gilt das gesprochene WortSilke HinrichsenTOP 15 EU-Flüchtlingspolitik Drs. 17/1363, 1498, 1511Asyl ist ein Menschenrecht. Das gilt nicht nur für Politische Verfolgte. Auch Menschen,die in ihrer Heimat vor dem Hungertod fliehen, müssen in Europa ankommen dürfen.Wir brauchen eine europäische Strategie zur geregelten Zuwanderung. Wir habenzurzeit aber eine militärisch gefärbte Diskussion um Grenzsicherung. Das muss sichändern. Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.Demokratie leben, heißt Demokratie ermöglichen. Hier und bei den Nachbarn Europas.Angesichts der komplexen Herausforderungen der Demokratiebestrebungen inNordafrika und vielen arabischen Ländern muss Schleswig-Holstein seinen Beitragleisten. Schleswig-Holstein ist ebenso wie andere verpflichtet, dieDemokratiebewegungen zu unterstützen. Per Landtagsabstimmung dies zu erledigen,ist zu einfach. Schleswig-Holstein ist ein Bundesland und hat als Teil der BundesrepublikMitverantwortung zu tragen, soweit es um die Verstrickung des europaweiten Systemsin der Asylpolitik geht. Noch vor ein paar Monaten hat die Landesregierung 2beispielsweise Abschiebungen nach Syrien grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Dabeiwussten wir bereits seit letztem Jahr, was uns heute per Twitter und Internetfilmen und-fotos täglich bestätigt wird: wie nämlich das Assad-Regime mit Kritikern umgeht. Siewerden verhaftet und misshandelt; Demonstranten werden erschossen.Ein Abschiebestopp ist deshalb überfällig.Der Grad bei der Kooperation mit undemokratischen Regimen ist schmal. Schleswig-Holstein kooperiert mit vielen Ländern und eben auch mit einer Reihe von Staaten, dieihre Bürgerinnen und Bürgern keine oder kaum Rechte einräumen. Ein Beispiel wäreChina. Wirtschaftliche Zusammenarbeit kann eine Brücke werden, auf der nebenwirtschaftliche Waren auch demokratische Werte Einzug halten können. Das istallerdings kein Automatismus. Auch Schleswig- Holstein drückt Augen zu, wenn es umwirtschaftliche Vorteile geht.Eine Resolution im Landtag wird die Situationen in den Ländern vor Ort nicht verändern.Die Menschen im Jemen, in Syrien oder im Iran demonstrieren und kämpfen gegen ihrekorrupten Regime. Sie wollen in Frieden und Freiheit leben. Tatsächlich kamen aberEuropa die autoritären Unrechtsregime in seiner Nachbarschaft in der Vergangenheitsehr gelegen. Schließlich verhinderte das Militär dieser Staaten, unter anderem inTunesien, mit vorgehaltener Waffe die Massen-Ausreise seiner Bürgerinnen und Bürger.Die europäische Agentur FRONTEX suchte Kontakt mit den so genanntenPartnerstaaten, unter ihnen Tunesien und Marokko. Gemeinsam hat Europa bis vor sehrkurzer Zeit die Festung „Europa“ verteidigt. FRONTEX hat jedoch nur für den Schutz dereuropäischen Außengrenzen zu sorgen, um illegale Einwanderung nach Europa zuverhindern. Es ist nicht Teil der Mission, gegen die EuropäischeMenschenrechtskonvention, das Seerecht und die Genfer Flüchtlingskonvention zuverstoßen. Die EU-Flüchtlingspolitik ist eine der Schwachstellen europäischer 3Außenpolitik. Die FRONTEX-Mission klammert Menschenrechtsbelange bislang völligaus.Hier muss grundsätzlich umgedacht werden und der SSW unterstützt deshalb denAntrag von B90/Die Grünen.Der Non- Refoulement Grundsatz muss eingehalten werden, d.h. das Verbot, Personenzwangsweise in einen Staat zu befördern, in welchem sie in flüchtlingsrechtlichrelevanter Weise verfolgt oder Folter, unmenschlicher Behandlung oder anderenschwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt würden.