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26.05.11 , 17:12 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 16 - Studium und Familie besser vereinbar machen

Presseinformation Kiel, den 26. Mai 2011 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 16 Studium und Familie besser vereinbar machen Drs. 17/1365, 1411

Das Thema „Vereinbarkeit von Studium und Familie“ spielt in der öffentlichen Diskussion um
die Gleichstellung der Geschlechter kaum eine Rolle. So gibt es zum Beispiel für Schleswig-
Holstein keine aktuellen Daten zur Elternschaft von Studierenden und auch keine
Untersuchungen über die Auswirkungen der Elternschaft auf das Studium.


Allerdings kommt die Vereinbarkeit von Studium und Familie in den aktuellen
Zielvereinbarungen bereits vor. So wollen zum Beispiel CAU, Uni Lübeck und die Uni Flensburg
dem Genderaspekt Rechnung tragen. Die CAU möchte außerdem das Gleichstellungskonzept
erneuern und die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Studium und Familie
verbessern. Die Uni Lübeck will einen Gleichstellungsplan aufstellen und sich am Programm
„Familiengerechte Hochschule“ mit dem Ausbau der Kinderbetreuung beteiligen. Und die
Flensburger Universität möchte das Zentrum für Genderforschung weiterführen. Diese
Zielsetzungen haben gemeinsam, dass sie sehr allgemein gefasst sind. Außerdem setzen sich
die Fachhochschulen mit dem Thema Gleichstellung vor allem bei der Gewinnung von mehr 2
Professorinnen auseinander, es geht hier aber kaum um die Vereinbarkeit von Studium und
Familie.


Aus Sicht des SSW gehen die bisherigen Zielsetzungen an den Hochschulen zur Vereinbarkeit
von Familie und Studium in die richtige Richtung, aber sie sollten konkretisiert und ausgebaut
werden. Es fehlen vor allem flexible Betreuungszeiten, offizielle Angebote für
Teilzeitstudiengänge, mehr Flexibilität bei Prüfungs- und Abgabeterminen,
familienfreundliche Terminierungen von Veranstaltungen und eine insgesamt auf Eltern-Kind-
Bedürfnisse ausgerichtete Ausstattung der Hochschulen.


Die Uni Jena hat die Familienfreundlichkeit ihrer Hochschule zum Beispiel als Standortfaktor
entdeckt und ein vielseitiges Programm aufgelegt, um Studierenden mit Kindern das Studium
zu erleichtern. Neben drei Betreuungsangeboten an der Hochschule haben die KiTas von halb
sieben morgens bis halb sechs abends geöffnet und die Kosten für die Betreuung staffeln sich
nach dem Einkommen der Eltern. Außerdem gibt es Kinderausweise für kostenloses
Mittagessen in der Mensa, zahlreiche Netzwerke zur Unterstützung von Eltern und sowohl
Teilzeitstudiengänge als auch Sonderstudienplätze. Deutlich wird an diesem Beispiel, dass es
hier vor allem darum geht, bestimmte Rahmenbedingungen zu schaffen und so für ein
kinderfreundliches Klima an der Hochschule zu sorgen.


Die Studie „fast - Familiengründungen im Studium“ aus Baden-Württemberg macht nämlich
deutlich, dass Hochschulen vor allem eins sind: Kein Ort der Kinderfreundlichkeit. Dies wird
deutlich an Lehrenden, die nicht bereit sind, ihre Prüfungs- und Abgabetermine flexibel zu
gestalten, an Veranstaltungen, die von 18 bis 20 Uhr liegen oder auch Studierenden, die nicht
bereit sind, für ihre Kommilitonen mitzuschreiben, wenn diese aufgrund der Kinder fehlen. Vor
allem macht die Studie aber deutlich, dass die Vereinbarkeit von Studium und Familie primär
ein Problem der Frauen ist und wir es hier mit einem typischen Beispiel für die Benachteiligung
von Frauen in unserer Gesellschaft zu tun haben. So bleibt zum Beispiel die männliche 3
Erwerbstätigkeit konstant unbeeinflusst von Familienstand und Kinderzahl. Für Frauen - ganz
egal ob im Studium oder im Beruf - bringen Kinder immer Nachteile. Entweder durch die
Reduzierung der Erwerbstätigkeit oder durch Doppelbelastungen, weil es keine innerfamiliäre
Arbeitsteilung und ausreichend Kinderbetreuung gibt. Auch an den Hochschulen spiegeln sich
also veraltete Rollenmuster wider, die sich vor allem negativ auf Frauen auswirken.


Aus Sicht des SSW gilt es daher zu verhindern, dass Eltern ihr Studium aufgrund von Kindern
abbrechen müssen oder über die Regelstudienzeit hinaus studieren. Es sollten aktuelle
Informationen zu diesem Thema an den Hochschulen in Schleswig-Holstein gesammelt
werden, damit in den kommenden Zielvereinbarungen auf konkrete Mängel und Bedürfnisse
reagiert werden kann.

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