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Silke Hinrichsen zu TOP 18 - EU-Gleichstellungsstrategie
PresseinformationKiel, den 25. Mai 2011 Es gilt das gesprochene WortSilke HinrichsenTOP 18 EU-Gleichstellungsstrategie Drs. 17/1448Der Justizminister ist seit dem 1.1.2011 Vorsitzender der Konferenz derGleichstellungsminister. Man darf auf seine Initiativen gespannt sein. Die Vorkonferenzhat ja bereits getagt und die Ministerkonferenz findet im Juni statt.Die Bundesregierung wird in diesem Jahr erstmals einen Gleichstellungsbericht vorlegen,dies wurde bereits im letzten Jahr von den zuständigen Landesministern begrüßt. DieEuropäische Kommission hatte bereits damals ihre Gleichstellungsstrategie vorgestellt.Grund für diesen regelrechten Gleichstellungsboom ist der wirtschaftliche Aufschwung.EU-Justizkommissarin Viviane Reding sagt es sogar ausdrücklich: „Um das Wachstum inEuropa wieder anzukurbeln, sollten die Talente der Frauen - auch in Führungspositionen- besser genutzt werden.“ Allerorten fehlen Fach- und Arbeitskräfte. Und da kommen dieFrauen ins Spiel: sie sind hoch motiviert, in der Regel ausgesprochen gut ausgebildet und 2vor Ort sind sie ja auch. Na, da sollte sich doch bald der Anteil von Frauen inFührungspositionen und die Entlohnung von Frauen insgesamt im Handumdrehenverbessern.Die Legende, nach der sich alles zum Guten entwickelt und sich die Benachteiligung vonganz alleine auswachse, ist falsch. Entsprechende Kampagnen, von PR-Agenturenerdacht, dass Unternehmen freiwillig etwas ändern, erschöpfen sich in viel gutem Willenund noch mehr bunten Infoblättern. Junge Ärztinnen, die nach dem Studium einefamilienfreundliche Niederlassungsmöglichkeit suchen, hat es bis heute nicht geholfen;ihr Anteil ist immer noch geringer, als es dem Studierenden-Anteil entspricht. Eben sowenig helfen diese Kampagnen Minijobberinnen, denen die Altersarmut droht, oderden Bäckereifachverkäuferinnen, die nach drei Jahren Ausbildung weniger verdienen alsihre männlichen Kollegen in der Backstube; dieses Lohn-Ungleichgewicht ist sogartariflich abgesichert.Gleichstellung darf gerade nicht von wirtschaftlichen Eckdaten abhängen, sondern istein elementares Menschenrecht, das derzeit millionenfach mit Füßen getreten wird.Darum ist der Staat gefragt. Er muss dafür Sorge tragen, dass alle Bürgerinnen undBürger gleich behandelt werden. Dazu muss man natürlich zunächst bei sich selbstanfangen: Karriere- und Beschäftigungsmöglichkeiten müssen im öffentlichen Dienst fürMännern und Frauen gleich ausgestaltet sein. Der SSW ist davon überzeugt, dassSchleswig-Holstein dabei auf einem guten Weg ist; wenn auch immer noch nicht voneiner Gleichbehandlung geredet werden kann.Im Gegensatz dazu ist die private Wirtschaft immer noch sehr zurückhaltend. Offenfrauenfeindlich ist man heute selten; die Benachteiligung von Frauen geschieht verdeckt 3und deshalb ist ihr auch sehr schwer beizukommen. Das ist der Grund, warum der SSWklare Regeln, genaue Verantwortlichkeiten und deutliche Sanktionen fordert. Norwegenmacht es in Sachen Aufsichtsrat vor. Dort haben die Quoten für Aufsichtsräte in wenigenJahren nachhaltig den Frauenanteil erhöht.Aber wir brauchen den Blick gar nicht so weit schweifen zu lassen; schließlich sind dieAnteile von Frauen in ostdeutschen Führungsetagen sehr viel höher als beispielsweise inSchleswig-Holstein. Dort unterstützen solide und belastbare familienfreundlicheStrukturen die Frauen. Deren Ausbau fällt dagegen bei uns gerade den Sparzwängen derklammen Kommunen und dem Sparhaushalt des Landes zum Opfer. Dazu zähle ichausdrücklich auch die Kürzung bei den Beratungsstellen von „Frau und Beruf“, dieeinzige Anlaufstelle für individuelle Beratung von Berufsrückkehrerinnen. DieLandesregierung spart eine funktionierende, unbürokratische und nebenbei auch nochsehr erfolgreiche Struktur kaputt.Gleichstellung ist eben von vielen Faktoren abhängig. Eine unumstößliche Tatsachebleibt aber auf jeden Fall: Gleichstellung kostet Geld; Gleicher Lohn für gleiche Arbeitkostet Geld. Familienfreundliche Strukturen kosten Geld und eine qualifizierteAusbildung auch.Gleichstellungsstrategien versanden ohne vernünftige finanzielle Unterfütterung.Genau das ist der EU-Kommission vorzuwerfen. Denn die EU plant wenig Handfestes: essoll alljährlich einen Tag der Lohngleichheit als PR-Aktion geben und Unternehmer undGewerkschaften sollen in einen Dialog eintreten. PR und Dialog sind aber zu wenig.Der SSW fordert nachdrücklich gesetzliche Regelungen zur Gleichstellung: nur sie sinddauerhaft und nachhaltig.