Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Anke Spoorendonk zu TOP 52 - Gedenkstättenarbeit in Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 30. Juni 2011 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 52 Gedenkstättenarbeit in Schleswig-Holstein Drs. 17/1295, 17/1428Auf Einladung der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten hielt Professor JanPhilipp Reemtsma vom Hamburger Institut für Sozialforschung Ende November 2003 in derKieler Kunsthalle einen bedenkenswerten Vortrag unter der Überschrift „WozuGedenkstätten?“. Konkret regte Reemtsma an, sich eine Karte Europas anzugucken, in die dieLager der Nazis eingezeichnet sind. Auch, wer sich vorher nicht sonderlich detailliert mit derGeschichte des Nationalsozialismus befasst hat, wird dann erkennen, dass DeutschlandEuropa mit diesem System der Lager überzogen hat. „Wo immer wir leben“, sagte Reemtsma,„haben wir es nicht weit zu einem Lager oder einem, mehreren Nebenlagern“. Damit hat ermeines Erachtens die Notwendigkeit von KZ-Gedenkstätten auf den Punkt gebracht.In Schleswig-Holstein gibt es mit Ahrensbök, Husum-Schwesing, Kaltenkirchen und Ladelundvier Gedenkstätten im Sinne Reemtsmas. Darüber hinaus gibt es noch weitere Orte desGedenkens an die Opfer des Dritten Reiches und der Auseinandersetzung mit den Tätern. Diesist gut so, da gerade in Schleswig-Holstein - als eine der ehemaligen Hochburgen der Nazi-Zeit- eine Aufarbeitung der Geschehnisse des Dritten Reiches und das Gedenken an die Opfer 2wichtig ist. Allerdings stand die Arbeit der Gedenkstätten in Schleswig-Holstein in den letztenJahren nur selten auf der politischen Tagesordnung des Landtages. Dies macht auch der vonuns geforderte Bericht der Landesregierung deutlich.Aus dem Bericht geht hervor, dass die Gedenkstätten eine sehr heterogene Trägerschaft undentsprechende Finanzierung haben. Sie sind alle von dem ehrenamtlichen Engagement vor Ortabhängig und finanziell auf Eintrittsgelder, Spenden und Sponsorengelder angewiesen. Mit derGründung der „Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten“ 2002 wurde eineEinrichtung geschaffen, die die Gedenkstätten in ihrer Arbeit finanziell und inhaltlichunterstützen sollte. Allerdings scheint dies bisher nicht ausreichend funktioniert zu haben.Zumindest sind keine klaren Ergebnisse erkennbar. Zu hinterfragen ist auch, wieso es in denletzten zehn Jahren nicht gelungen ist, das Stiftungskapital von rund 600.000 Euro zu mehren.Aus dem Bericht der Landesregierung geht weiterhin hervor, dass 2011 eine halbe Stelle bei derBürgerstiftung für die notwendigen konzeptionellen Entwicklungsprozesse in und mit denGedenkstätten eingerichtet werden soll. Auslöser dafür ist zum einen, dass dieGedenkstättenarbeit neu gestaltet und die einzelnen Orte stärker miteinander vernetztwerden sollen. Zum anderen fördert der Bund seit 1999 Gedenkstätten und Projekte zumNationalsozialismus. Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das bisher keine Mittel ausdiesem Etat abgerufen hat. Dieser Punkt sollte im Ausschuss unbedingt hinterfragt werden. Esdarf nämlich nicht der Eindruck entstehen, dass Schleswig-Holstein eine kritischeAuseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht wünscht.Die Verteilung von zu wenigen Geldern durch die Bürgerstiftung und die einheitlicheAußendarstellung der Gedenkstätten mit einem gemeinsamen Logo und Flyer reichen ausSicht des SSW als konzeptioneller Neuanfang nicht aus. Zwar begrüßen wir, dass dieHaushaltsansätze für die Gedenkstättenarbeit im aktuellen Haushalt nicht gekürzt wurden.Aber dies ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass die Gedenkstätten schon am Tropf hängenund es hier nichts mehr zu kürzen gibt. So schreibt auch die Landesregierung in ihrem Bericht, 3dass die Erträge aus dem Stiftungskapital und die ergänzenden Landeszuschüsse nichtausreichend sind.Vor diesem Hintergrund ist beeindruckend, was vor Ort geleistet wird. Hervorheben möchte ichhier insbesondere die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, die als ältesteGedenkstätte des Landes in kirchlicher Trägerschaft ist und nicht nur eine hauptamtliche Krafthat, sondern auch die meisten Besucher. Dies ändert jedoch nichts daran, dass man sich vor Ort„zurechtwurstelt“, um mit der Arbeit weiterzukommen. Die Entstehungsgeschichte der imletzten Herbst eingeweihten Steele am Panzergraben zwischen dem ehemaligen Lagergeländeund dem Dokumentenhaus macht die Problematik deutlich. Das neue Monument ist an sichbeeindruckend, die eingeworbenen Mittel durften aber nur dafür eingesetzt werden und nichtfür die Weiterentwicklung der Gesamtkonzeption.Um die bestehende Vermittlungs- und Anschauungsarbeit langfristig zu gewährleisten, mussdaher die Bürgerstiftung die notwendigen Dienstleistungen erbringen. Doch auch das Land istletztlich gefragt. Ehrenamtliche Arbeit wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen,allerdings darf die Arbeit der Gedenkstätten nicht allein darauf fußen. Und die Dienstleistungder Bürgerstiftung darf auch nicht dazu führen, dass die zur Verfügung stehenden Mittel derBürgerstiftung die Gedenkstätten zu Konkurrenten machen.