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Flemming Meyer zu TOP 40 - Fortschreibung des Psychiatrieplanes
PresseinformationKiel, den 28. Juni 2011 Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 40 Fortschreibung des Psychiatrieplanes Drs. 17/1584Wer im Kreis Rendsburg-Eckernförde wohnt und sich informieren möchte über diehiesigen Unterstützungsangebote bei eigener psychischer Erkrankung oder die einerFreundes oder Familienmitgliedes, der ist erst einmal aufgeschmissen. Denn dieErstellung eines psychosozialen Wegweisers mit Adressen, Sprechstunden undErreichbarkeit scheiterte an fehlenden Mitteln. Einen aktuellen psychosozialenWegweiser gibt es in Rendsburg-Eckernförde nicht.Diese Information ist den Unterlagen zu unternehmen, den den Sozialausschuss imZusammenhang mit dem Novellierungsantrag zum Psychiatrieplan erreichten. DieStellungnahmen waren insgesamt sehr aufschlussreich und zeigten durchgängig, dasseine Evaluierung der Regionalisierung im Bereich der Psychiatrie und eineBestandaufnahme der Einrichtungen von allen Experten befürwortet wurde. 2Die Aktualisierung des Psychiatrieplanes ist also objektiv gegeben; einmal ganzabgesehen von der Tatsache, dass die psychischen Erkrankungen zugenommen haben.Die Regierungsfraktionen lehnen eine Bestandsaufnahme aber kategorisch ab undwollen stattdessen auf Grundlage veralteter Strukturen und Zahlen weiterwurstelnlassen. Damit werfen sie Schleswig-Holstein genau dorthin, wo es vor dem aktuellenPsychiatrieplan 2000 schon einmal war: ans Ende der bundesdeutschenPsychiatrieentwicklung.Das ist keine Frage des Prestiges, sondern eine Frage der patientengerechtenVersorgung. Das zeigen bereits die langen Wartelisten für psychisch Kranke. LautBundestherapeutenkammer beträgt die Wartezeit auf ein Erstgespräch in Schleswig-Holstein über 14 Wochen – das ist der allerhöchste Wert in Westdeutschland. Eintrauriger Rekord. Die unabhängige Patientenberatung beklagt Wartezeiten von einerDauer bis zu einem Jahr in Schleswig-Holstein.Was tun, um diese enormen Wartezeiten zu überbrücken? Selbsthilfegruppen könntenhier effektive Unterstützung leisten, wenn sie in den letzten Monaten nicht kaputtgespart worden wären. Also: Griff in den Medikamentenschrank zu denPsychopharmaka. Die Techniker-Krankenkasse Schleswig-Holstein hat errechnet, dassbei ihren Patienten das Verordnungsvolumen von Antidepressiva in den Jahren 2006 bis2009 um 48 Prozent von 5,1 auf 7,5 Tagesdosen je Erwerbsperson gestiegen sei. Geht dasso weiter, wird sich das Verordnungsvolumen bereits im nächsten Jahr verdoppelthaben.In Schleswig-Holstein macht man ohne aktuelle Fortschreibung einfach so weiter wiegehabt und ignoriert die sich rapide verändernden Rahmenbedingungen. Handlungohne Plan und Wissen: das ist das krasse Gegenteil von geordneter Sozialplanung. Wirleisten uns einen sehr teuren Blindflug, weil wir nicht wissen, ob die eingesetzten Mittel 3sachgerecht eingesetzt werden. Psychopharmaka sind nämlich teuer und - dieVerordnungsexplosion legt es zumindest nahe - eine vermeidbare Alternative. Gäbe esausreichende Therapieangebote, könnte man sich diese Ausgaben sparen.Die Regierungsfraktionen sind dagegen durchaus zufrieden mit Struktur, regionalerVerteilung, Regionalisierung der Angebote und deren Vernetzung. Wäre es nicht so,müssten sie sich den Oppositionsparteien anschließen und eine detaillierte Analyse derpsychiatrischen Angebote fordern. Stattdessen geben die Regierungsfraktionen denReiter über den Bodensee und ignorieren das brüchige Eis der Tatsachen. Bloß nichtwahrnehmen, welche Fehlentwicklungen sich im Land abzeichnen; und immer schönweiter reiten.Übrigens, der Reiter in der Ballade von Gustav Schwab ist, nach seiner verwegenen Tat,tot vom Pferd gefallen.