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Anke Spoorendonk zu TOP 19 - Bildungsföderalismus neu gestalten
Presseinformation Kiel, den 24. August 2011 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 19 Bildungsföderalismus neu gestalten Drs. 17/1602Mit der Forderung nach bundesweit einheitlichen Regelungen für das Bildungssystemreagieren die Kolleginnen und Kollegen von Bündnis 90/Die Grünen auf die zunehmendeUnzufriedenheit mit dem bundesdeutschen Bildungsföderalismus. Ob die angedeutete„Peitsche“ – die Bildungspolitik allein dem Bund zu überlassen – wirklich zielführend ist, wageich allerdings zu bezweifeln.Mit so wenigen Federstrichen kann man nach Meinung des SSW das historisch gewachseneSystem des Bildungsföderalismus also nicht mal eben ändern. Allerdings ist dieUnzufriedenheit der Bevölkerung ein klares Indiz dafür, dass hier etwas getan werden muss.Dennoch möchte ich ein Fragezeichen an die Forderung setzen, den Bildungsföderalismus ansich zu schmälern oder gleich ganz abzuschaffen. Dass er der Quell allen Übels in derBildungspolitik sein soll, mag dahingestellt sein. 2Richtig ist allerdings, dass die Befürworter des überarbeiteten Bildungsföderalismus – alsErgebnis der Föderalismusreform I – einen bildungspolitischen Wettbewerb zwischen denLändern wollten. Frei nach dem Motto: die besten Ideen ausprobieren und in andere Länderexportieren. Stattdessen haben wir ein beispielhaftes Lehrstück dafür bekommen, dassWettbewerb nicht nur produktiv sein kann, sondern bei fehlenden Ressourcen vor allem auchzerstörend. Dass Schleswig-Holstein in den Verhandlungen der Föderalismuskommission vordieser Fehlentwicklung gewarnt hat, ist rückblickend nur ein schwacher Trost. Kooperation undKonkurrenz liegen nah beieinander und aktuell überwiegen in den Ländern ganz klar dieeigenen Interessen vor denen der gesamten Republik. Dies ist ein Hauptübel des gelebtenBildungsföderalismus. Übergeordnet betrachtet scheinen die Bundesländer „vergessen“ zuhaben, dass Bildung eine nationale Aufgabe ist und gemeinsam angepackt werden muss. DieLänder tragen gemeinsam die Verantwortung für den Bildungsstandort Deutschland. Dabeikann es nicht darum gehen, dass alle den gleichen Weg gehen. Wichtig sind aber solidarischesHandeln und gemeinsame Zielvereinbarungen, die über – in den Ländern unterschiedlichausgestaltete – Bildungsstandards hinausgehen.Der Föderalismus hat gerade im Bildungsbereich viele Vorteile. Er bietet die Chance, vor Ort aufProbleme zu reagieren und relativ flexibel zu agieren; die Angelegenheiten bleibenüberschaubar und verstehbar und sowohl historische als auch regionale Besonderheitenkönnen berücksichtigt werden. In der Schulpolitik kann man einheitliche Bildungsstandardssetzen, aber dann kommt es vor Ort in den Schulen auf die Umsetzung an. Die Qualität vonSchule bestimmt sich in großem Maße durch die Eigenverantwortung vor Ort und eineinhaltliche Diskussion, die ganz bestimmt nicht auf höherer Ebene zu führen ist.Es ist zudem ein Vorurteil, dass der Bund alles besser macht. Es wird nie danach gefragt, wieder Bund die Bildung besser machen sollte oder was der Bund überhaupt tun könnte. Klar wärenur, dass man ein Super-Ministerium schaffen würde, dass den aktuellen Herausforderungen 3in der schleswig-holsteinischen Bildungspolitik nur noch weniger gerecht werden könnte als esdie jetzige Landesregierung schon nicht kann.Für den SSW steht fest: Wir wollen nicht die Abschaffung des Bildungsföderalismus, sondernseine Modernisierung. Dafür brauchen wir eine Föderalismusreform III, die allerdings nicht mitder Brechstange zu haben sein wird. Ein erster Schritt muss sein, dass der Weg geebnet wirdfür eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die einen Konsens fähigen Vorschlag zur Änderung desBildungsföderalismus erarbeitet. Diese Arbeitsgruppe darf aber keine reine exekutiveVeranstaltung werden: Nicht nur der Bundestag, sondern auch die Landesparlamente sindausreichend zu beteiligen. Das haben uns die vorhergehenden Föderalismuskommissionen zuGenüge gelehrt. Die Zeit der Absichtserklärungen ist mit anderen Worten vorbei, jetzt mussgehandelt werden. In dem Punkt sind wir zumindest mit den Grünen einer Meinung.Die Einführung eines Kooperationsverbots war ein Fehler, der geheilt werden muss. Dennletztlich kommt das Eingeständnis dieses Fehlers nicht nur den finanzschwachenBundesländern, sondern allen zugute. Dass es nur so möglich sein wird, die Intentionen desBildungsgipfels von Bund und Ländern von 2008 umzusetzen, füge ich in Klammern hinzu.Parallel zu diesem „dicken Brett“ sollten aus Sicht des SSW auch andere – pragmatische –Schritte ins Auge gefasst werden, um den Bildungsföderalismus zu modernisieren. Die Ländermüssen sich somit die Frage gefallen lassen, warum ihr Engagement in der KMK immer weiternachlässt. Wir meinen: Wir brauchen eine Stärkung der KMK durch andere Führungs- undEntscheidungsstrukturen, ein handlungsfähiges Sekretariat und ein auskömmliches Budget.Statt die gesamte Bildungszuständigkeit auf den Bund zu verlagern, brauchen wir die Stärkungeines solidarischen Föderalismus verbunden mit einer Belebung der gesamtstaatlichenVerantwortung von Bund und Ländern im Bildungsbereich. Nur so werden wir aus Sicht desSSW unser Bildungssystem zukunftsfähig gestalten können.