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Lars Harms zu TOP 14, 22 + 25 Finanzierung des baulichen Masterplans UKSH, Solide Grundlage für die Entscheidung über die Zukunft des UKSH schaffen, Zukunft der Anlage für Partikeltherapie in Kiel
Presseinformation Kiel, den 16.9.2011Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 14, 22 + 25 Finanzierung des baulichen Masterplans UKSH, Solide Grundlage für die Entscheidung über die Zukunft des UKSH schaffen, Zukunft der Anlage für Partikeltherapie in Kiel Drs. 17/1761, 1774 und 1778Wenn wir heute über die zukünftige Sanierung des UKSH debattieren, dann muss man nachunserer Auffassung folgende Fakten vorab erst einmal festhalten. Erstens reden wir heutenicht über den gesamten Investitionsstau, sondern nur über den Investitionsstau der mit derKrankenversorgung verbunden ist. Forschung und Lehre sind nicht von dem umfasst, wasmithilfe eines Asset-Modells gelöst werden soll. Wir reden also über eine Investitionssummevon rund 350 bis 400 Millionen Euro von insgesamt 700 Millionen EuroGesamtinvestitionsbedarf. Zweitens sprechen wir zwar vom Asset-Modell und davon, dass –ich zitiere aus dem Antrag der Grünen – die notwendigen Bauinvestitionen des UKSH-Masterplans von privaten Investoren durchgeführt werden sollen. In welcher konkretenAusgestaltung dieses Asset-Modell umgesetzt werden soll, ist leider noch nicht klar. Vordiesem Hintergrund, sehen wir es als fahrlässig an, hier das Heft als Parlament aus der Hand zu 2geben und der Regierung quasi einen Freifahrtschein zu geben, wie dieses Modell umgesetztwerden soll.Um es gleich vorweg zu sagen: Auch wir wollen eine schnelle Entscheidung. Deshalb haben wirin unserem Antrag ganz klar formuliert, dass zum Jahresende eine Entscheidung herbeigeführtwerden soll. Allerdings wollen wir, dass das Parlament mit entscheidet und dass dies auf einervernünftigen Grundlage geschieht. Diese Grundlage liegt aber bisher nicht vor. Wir habenbisher nur ein Markterkundungsverfahren und deren Ergebnisse. Diese Ergebnisse enthaltenzwar grobe Planungen der einzelnen Anbieter, in welcher Rechtsform und unter welchenorganisatorischen Bedingungen die baulichen Maßnahmen umgesetzt werden sollen, aber esgibt keine konkreten Zeitplanungen, die Auskunft geben, welche Maßnahmen wanndurchgeführt werden sollen und wie hoch die einzelnen Investitionskosten sind. Die kann esmöglicherweise auch noch nicht geben, aber dann kann man sich auch noch nicht sicherentscheiden, welches Modell nun möglicherweise das beste ist. Nun sollen die einzelnenAnbieter eine genauere Wirtschaftlichkeitsberechnung und Maßnahmenplanung vorlegen,allerdings soll dies in Verhandlungen hinter verschlossenen Türen geschehen. Hier werden dieBetroffenen und der Landtag bewusst außen vor gehalten. Das tragen wir als SSW nicht mit!Betrachtet man die Angebote, die uns nach dem Markterkundungsverfahren vorliegen, so kannman, nach unserer Auffassung, diese Modelle durchaus schon vorab bewerten. Es sind dortModelle beschrieben, die als Grundlage die teilweise Eigentumsübertragung von Anteilen desUKSH zum Gegenstand haben. Trotzdem sind dieses eindeutig Asset-Modelle, die somit vomgrünen Antrag umfasst sind. Wir sind nicht der Auffassung, dass Anteile des UKSH an Privategehen sollen. Andere Modelle wiederum beinhalten die Defusionierung des Uniklinikums.Auch diese Modelle sind Asset-Modelle, wie sie von den Grünen pauschal gewünscht werden.Wir sehen die Defusionierung kritisch, auch wenn sie vom Wirtschaftsminister alsIndividualisierung der Standorte unter dem Dach einer Holding getarnt werden. Wiederumandere Modelle, sehen zwar vor, dass die Patientenversorgung zwar vorerst in öffentlicherHand bleibt, aber trotzdem ein Managementvertrag mit dem jeweiligen Betreiber geschlossen 3werden soll. Die Mitarbeiter sind in diesem Asset-Modell vorerst weiterhin öffentlich-rechtlichangestellt, aber das sie steuernde Management ist schon privat organisiert. Auch diesesModell, würde unter die Asset-Modelle fallen, die die Grünen pauschal zulassen wollen undauch die Landesregierung spricht davon, dass man über die Zusammensetzung desManagements verhandeln könne. Wir haben da erhebliche Bedenken.Dieses Beispiel macht im Übrigen auch deutlich, dass die verschiedenen Angebote, die imRahmen des Markterkundungsverfahrens abgegeben worden sind, unterschiedlicheAuswirkungen für die Mitarbeiterschaft des UKSH haben können. Bevor wir als SSW uns füroder gegen ein solches Modell entscheiden, wollen wir wissen, mit was die Mitarbeiter bei denjeweiligen Modellen zu rechnen haben. Nach unserer Auffassung sind wir als Eigentümer desUKSH verpflichtet, auch die Interessen der Mitarbeiter mit im Auge zu haben. Das mag uns vondem einen oder anderem hier im Hause unterscheiden, aber für uns sind die Mitarbeiter dietragenden Säulen des UKSH und hier haben wir die Verpflichtung für vernünftigeRahmenbedingungen für die Beschäftigten zu sorgen.Überhaupt ist es wichtig, das Projekt Sanierung UKSH über die gesamte Laufzeit zu betrachten.Wir können hier mit 25 Jahren rechnen. In dieser Zeit kann sich so gut wie jeder Parameterändern und damit können wir sicher sein, dass vertragliche Vereinbarungen mit Privatensicherlich nicht vollständig jede Eventualität der Entwicklung der nächsten 25 Jahre abdeckenkönnen. Das an sich ist schon schwierig und deshalb ist es nur folgerichtig, dass man auchernsthaft durchrechnet, welche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen, wenn das Land oderdas UKSH selber die Investitionen ohne private Beteiligung durchführen. Die Aussage, das Landhabe kein Geld, kann ich hier nicht gelten lassen. Wir haben in diesem JahrSteuermehreinnahmen von über 600 Millionen Euro und wir werden in Kürze darüberdiskutieren, ob wir der HSH-Nordbank aus uns durch die Bank zufließenden Mitteln 250Millionen Euro zuführen. Vor den Hintergrund, dass natürlich nicht die ganzen 338 MillionenEuro Investitionssumme auf einen Schlag finanziert werden müssen, sondern immer nur eine 4Teilsumme – wie hoch sie auch in den einzelnen Jahren sein mag – darf man zumindestfeststellen, dass es sich auch hier um eine politische Entscheidung handelt, welchen Weg mangehen will.Betrachtet man die jährliche Summe Geld, die für die Miet- und weiteren Kosten veranschlagtsind, wenn ein Asset-Modell umgesetzt wird; nämlich rund 35 Millionen Euro jährlich, dannfragt man sich schon, ob man die Baumaßnahmen nicht auch anders finanzieren kann.Summiert man alle jährlichen Raten über 25 Jahre auf, so erhält man die gigantische Summevon rund 875 Millionen Euro, um eine Investition von etwas mehr als 300 Millionen Euro zufinanzieren – wohlgemerkt ohne Zins und Zinseszins. Da bleibt wohl ein fetter Gewinn in denprivaten Taschen. Das kann nicht Sinn und Zweck der Maßnahme sein.Doch damit nicht genug. Finanziert werden soll das Ganze ja durch Einsparungen, die durch dieNeubauten generiert werden sollen. Das heißt, alles wird billiger, weil ja die Wege undArbeitsabläufe kürzer und effizienter werden. Was passiert aber eigentlich, wenn dieseRechnung nicht aufgeht. Dann, liebe Kolleginnen und Kollegen, zahlt das Land. Schon jetzt sindwir am Unterschuss des UKSH beteiligt und dieses Jahr werden es voraussichtlich rund 20Millionen Euro sein. Der Landesrechnungshof hat angekündigt, dass er zum Monatsende einenBericht über die Effizienzreserven des UKSH vorlegen will. Diese sind schon einmal untersuchtworden und nun kann man natürlich mit Recht fragen, ob alle Effizienzreserven schon gehobenworden sind, oder ob da noch Geld im System zu sparen ist. Wenn ja, dann stellt sich dieFinanzierungssituation für die Baumaßnahmen wiederum anders dar und dann werden auchBaumaßnahmen in eigener Trägerschaft mehr und mehr realistisch. Es macht also durchausSinn diesen Bericht abzuwarten und auch die Eigenfinanzierung der Maßnahmendurchzurechnen.Ich möchte noch auf eine völlig andere Fragestellung eingehen, die bisher nach unsererAuffassung eine zu geringe Rolle in der Diskussion gespielt hat. Nämlich die Frage, ob ein ÖPP-Modell immer und überall die bessere Variante im Vergleich zur öffentlichen Trägerschaft der 5Maßnahmen ist. Das Partikeltherapiezentrum in Kiel kann da als gutes Beispiel dienen. Eingroßes Unternehmen sagte eine technische Ausstattung zu und konnte das Versprechen nichteinhalten. Nun mag man sagen, dass dies nicht schlimm sei, weil man vertraglich so gestelltist, dass der finanzielle Schaden gering gehalten wird. Aber was ist mit dem Imageschaden undwas ist mit den hierdurch verlorenen Patienten. Das Investitionsrisiko war hier hoch und manist auf die Nase gefallen. Das Risiko ist beim UKSH ist ungleich höher, weil die Materie nichtnur komplex ist, sondern weil wir es in den nächsten 40 Jahren mit einer rasantenmedizintechnischen Entwicklung zu tun haben werden. Wenn die bauliche Substanz danndieser Entwicklung angepasst werden soll, werden wir immer wieder neu verhandeln müssen.Damit sind immer wieder teure Nachbesserungen vorprogrammiert, die wir alle bezahlenmüssen; inklusive des Unternehmensgewinns des privaten Unternehmers.Ein letztes Wort noch zu einem Risiko, dass kaum einer im Auge hat. Ein ÖPP-Projekt führtdazu, dass das Land bzw. das UKSH zwar offiziell keine Schulden aufnimmt, sondern nur einePacht oder Miete zahlt. Allerdings ist dieses wirtschaftlich gesehen eine Auslagerung vonSchulden. Es muss daher sicher gestellt sein, dass die Bundesregierung nicht zu einer gleichenEinschätzung in Bezug auf das Asset-Modell kommt, denn dann wären unsereKonsolidierungshilfen in Gefahr und hier reden wir dann über 80 Millionen Euro jährlich. Wennman es also genau nimmt, dann kann man ein ÖPP-Modell eigentlich nur dann anwenden,wenn man die gleiche Maßnahme auch aus dem Haushalt heraus finanzieren könnte. Kannman es nicht, verstößt man gegen die Schuldenbremse.Für uns als SSW ist es wichtig, dass wir alle Angebote auf ihre Wirtschaftlichkeit hinüberprüfen und dann miteinander vergleichen. Hierbei müssen die Mitarbeiterrechteunbedingt gewahrt bleiben und es muss sich die Arbeitssituation der Beschäftigten verbessern.Schlussendlich müssen die Risiken für das Land und das UKSH möglichst gering gehaltenwerden. 6Die Fragestellungen, die ich hier aufgeworfen habe, machen deutlich, dass man eben nichtpauschal ein Modell favorisieren kann und es dann der Regierung allein überlassen bleibt, wiesie verhandelt und welches Angebot sie dann annimmt. Würden wir dieses zulassen, dannwürden wir uns als Landtag vor der Verantwortung drücken und uns wegducken. Der SSW willdas nicht und deshalb wollen wir alle Fakten auf den Tisch haben und dann entscheiden – zumWohle des UKSH und seiner Mitarbeiter und Patienten.