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Lars Harms zu TOP 43 - Bericht über die Unterrichtssituation
Presseinformation Kiel, den 07. Oktober 2011 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 43 Bericht über die Unterrichtssituation Drs. 17/1842Dass es der vorliegende Bericht mit seinem vergleichsweise komplizierten Tabellenwerk direkt indie Schlagzeilen geschafft hat, liegt nicht unbedingt an überraschenden Zahlen, denn Eltern undSchüler wissen sehr wohl um das Ausmaß der Misere.Der Bericht hat aus einem anderen Grund Wellen geschlagen; wir befinden uns mitten in einerGlaubwürdigkeitskrise der Schulpolitik. Nach mehreren schulpolitischen Reformen und derenteilweisen Rücknahmen steht es nicht gut um das Image der schleswig-holsteinischenBildungspolitik. Die Bürgerinnen und Bürger machen sich Sorgen, ob Schule ihren Auftrag nochadäquat erfüllen kann. Bei durchschnittlichen Klassengrößen im Gymnasium von 26Schülerinnen und Schülern erscheint die Frage durchaus berechtigt. Vor allem vor der Tatsache,dass ausgerechnet in den Gymnasien der höchste Wert beim durchschnittlichenUnterrichtsausfall vorliegt.Pikanterweise fallen an den Gymnasien laut Bildungsminister deshalb so viele Stunden aus, weildie Lehrkräfte zunehmend auch in der Unterrichtszeit an Fortbildungsveranstaltungenteilnehmen. Im Bundesvergleich stehen die hiesigen Gymnasien nicht gut da; es fällt mehr 2Unterricht aus als es durchschnittlich in Deutschland der Fall ist. Auch bei den übrigenSchultypen ist keine Entspannung in Sicht, auch in Gemeinschaftsschulen und Regionalschulenfallen jährlich tausende Stunden aus. Das ist kein einmaliger Ausreißer. Bereits 2007 wurde diedamalige Landesregierung für ihre „Bildungsverweigerungspolitik“ gescholten, weil denSchülerinnen und Schülern ihr Anrecht auf den vorgesehenen Unterricht verweigert wurde.Gesagt hat das übrigens der damalige schulpolitische Sprecher der FDP, Ekkehard Klug, der alsMinister 2011 genau für dieses Politik verantwortlich zeichnet.Der Bericht zur Unterrichtssituation ist jedes Jahr wieder Ausgangspunkt für eine schulpolitischeGrundsatzdebatte, die nicht in Schuldzuweisungen stecken bleiben sollte. Eltern und Schülererwarten mehr von uns. Viele Eltern fühlen sich durch diese Zahlen bedrückt und ohnmächtig.Der Landeselternbeirat hat bei der Anhörung zum Schulgesetz im letzten Jahr die Mitarbeit derEltern bei diesem Thema angeboten und seine Forderung nach Transparenz wiederholt. BeideForderungen blieben ohne Nachhall. So sehen sich die Eltern jedes Jahr wieder gezwungen, denUnterrichtsausfall durch häusliche Hausaufgabenbetreuung oder professionelleNachhilfestunden kompensieren zu müssen. Sie können gegen den Unterrichtsausfall nichtsausrichten, sondern sehen sich in die Rolle des Zuschauers gedrängt. Auch aus diesem Grunderwächst aus diesen Zahlen so ein mächtiger Sprengstoff. Die CDU in Rheinland-Pfalz punkteteim Landtagswahlkampf dementsprechend mit dem Slogan „Unterrichtsausfall ist die Mutter derBildungslücke“ und versuchte, die Eltern zu mobilisieren.Aber noch etwas hat dazu beigetragen, dass der Unterrichtsausfall landesweit von den Medienaufgegriffen wurde. Dem Bericht ist nämlich nicht zu entnehmen, wie der Bildungsminister inabsehbarer Zeit dem Problem zu Leibe rücken wird. Vor Jahren konnte das Programm „JedeStunde zählt“ durch die Einstellung neuer Lehrkräfte den Unterrichtsausfall deutlich verringern.Doch ähnliche Programme oder Konzepte sind nicht in Sicht. Der Bildungsminister hat resigniertund akzeptiert den Unterrichtsausfall offensichtlich als ein Dauerproblem: schlimm, aber ohnegroße finanzielle Anstrengungen nicht beizukommen. 3Das ist falsch. Denn positive Beispiele aus Nordfriesland und Flensburg zeigen, dass kurze Wege,kreative Konzepte und eine engagierte Schulaufsicht einiges verbessern können. Dort fallendurchschnittlich die wenigsten Stunden aus. Allerdings geht das zu Lasten der Lehrkräfte, dieinzwischen einen Berg von Überstunden vor sich her schieben. Bereits zu Beginn derSommerferien hatten die Flensburger Schulen das Jahrsbudget für Vertretungsstundenaufgebraucht. Danach werden Ausfälle durch Überstunden kompensiert. Das ist natürlich keineechte Lösung.Ein eigenes Budget für jede Schule, wie es die Elternvertretung einiger Flensburger Schulenfordern, könnte Entlastungen bringen. Doch das Ministerium wird wohl kaum freiwilligEntscheidungskompetenzen aus der Hand geben. Gleichwohl sollten wir gerade solche Ansätzeim Ausschuss ausloten.