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15.12.11 , 16:39 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 62 - Reform der Lehrerausbildung für Grundschule und Sekundarstufe 1

Presseinformation
Kiel, den 15. Dezember 2011 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk

TOP 62 Reform der Lehrerausbildung für Grundschule und Sekundarstufe 1 Drs. 17/1781 (neu), 1936

Die Lehrerausbildung muss den veränderten Schulstrukturen angepasst werden. Darin sind wir
uns wohl alle einig. Sogar die Landesregierung hat dies erkannt und schildert in ihrem Bericht
umfassend, dass die bisherigen lehramtsbezogenen Studiengänge nicht mehr mit den
Schularten korrespondieren. Als erstes muss daher ein Studiengang für die Ausbildung der
Lehrkräfte für Gemeinschafts- und Regionalschulen eingerichtet werden. Und als nächstes
muss der Studiengang für das Lehramt Grundschulen reformiert werden. Die Grundschulen
existieren zwar in ihrer altbekannten Form weiterhin, stehen aber vor neuen
Herausforderungen. Es ist daher dringend notwendig, dass die kommenden Lehrkräfte auf
diese Herausforderungen vorbereitet werden.


Mit der Anpassung der Lehramtsstudiengänge an die Schularten wird es auch Veränderungen
bei Studiendauer und Studienabschluss geben. Die bisherigen Studiengänge an der Uni
Flensburg für die Grund- und Hauptschulen sowie die Realschulen bestehen aus drei Jahren 2
Bachelor-Studium und einem Jahr Master-Studium. Da ein Master-Abschluss aber 300 Credit-
Points beinhalten muss, ist dieser verkürzte Studiengang nur noch bis zum Wintersemester
2013/14 zulässig. Hier muss also dringend etwas passieren. Im Sommer konnten wir der Presse
entnehmen, dass Bildungsminister Klug diese Veränderung gerne nutzen möchte, um zurück
zum Staatsexamen zu kehren und damit als Land mehr Einfluss auf die Lehramtsausbildung zu
nehmen. Aus seiner Sicht hätten die Lehramtsstudiengänge von Kommissionen extrem
schlechte Bewertungen bekommen, so dass das Land bei der inhaltlichen Ausgestaltung des
Studiengangs mitreden muss. Dem widerspricht das Wissenschaftsministerium und weist
darauf hin, dass diese Rolle rückwärts die Weiterentwicklung der Studiengänge behindern und
auch bei den Hochschulen selbst Protest auslösen würde.


Aus Sicht des SSW kann man dem Wissenschaftsministerium zu dieser realistischen
Einschätzung der Situation nur gratulieren. Die Idee, zurück zum Staatsexamen zu kehren,
obwohl die Hochschulen gerade in mühsamer Arbeit alles umgewandelt haben, ist so
aberwitzig, dass wir es zuerst gar nicht glauben wollten. Hinzu kommt, dass sich die Uni
Flensburg mit ihrer neuen Präsidentin inhaltlich auf einen guten Weg befindet. Das wurde
auch von Staatssekretärin Frau Dr. Andreßen anerkannt, als sie bei dem Jahresempfang der Uni
das Grußwort der Landesregierung sprach.


Bisher hat die Landesregierung laut Bericht noch nicht entschieden, ob sie den Master
verlängert oder zurück zum Staatsexamen geht. Für den SSW möchte ich noch einmal ganz klar
sagen, dass ein Zurück zum Staatsexamen gar nicht geht. Die Bologna-Reform mit ihren
Zielsetzungen der einheitlichen Studiengänge, einheitlichen Bewertungsrahmen und der
Anerkennung von Leistungen in ganz Europa macht schlichtweg keinen Sinn, wenn wir ständig
Ausnahmen schaffen. Davon mal ganz abgesehen, haben die Universitäten einen großen
Kraftakt betrieben, um die Studiengänge umzuwandeln. Es würde die Arbeit an den
Hochschulen, den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig entwerten, wenn die 3
Landesregierung jetzt beschließt, alles wieder zurück zu drehen. Heute hü, morgen hott - so
können Hochschulen natürlich keine gute Arbeit leisten.


Die Verlängerung des Masters wird cirka 1,8 Millionen Euro kosten. Dieses Geld hat die
Landesregierung mit ihrem Master „light“ bisher gespart. Dabei gibt es keinen vernünftigen
Grund, warum die Lehrkräfte an Grund-, Gemeinschafts- und Regionalschulen weniger
Ausbildung bräuchten, als Lehrkräfte an Gymnasien. Aus einer rein pädagogischen Sicht heraus
hätte einem also schon viel früher auffallen müssen, dass das Murks ist. Dies gilt im Übrigen
auch für die Debatte um die Gehälter. Natürlich wird die Forderung erhoben, dass alle
Lehrkräfte gleiches Gehalt bekommen, wenn die Ausbildung gleichlang ist. Für den SSW
möchte ich noch einmal klarstellen, dass es hier um gut ausgebildete Lehrkräfte für unsere
Kinder geht. Es geht nicht darum, wie wir an der Bildung sparen können, um den Haushalt zu
sanieren.

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