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Lars Harms zu TOP 23 + 33 - Anträge zur Norddeutschen Hafenkooperation und zur Elbvertiefung
PresseinformationKiel, den 26. Januar 2012 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 23 & 33 Anträge zur Norddeutschen Hafenkooperation und zur Elbvertiefung Drs. 17/2140 & 17/2171In 2007 hat der SSW einen Antrag zur Norddeutschen Nordsee-Hafenkooperation im Landtageingebracht. Politisches Ziel unserer Initiative war die Errichtung einer gemeinsamenOrganisationsform der Nordseehäfen der vier Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg,Niedersachsen und Bremen, um eine feste verbindliche Zusammenarbeit der Häfen zugewährleisten und diese gemeinsam zu Vermarkten. Man könnte sagen, wir wollen die Häfenfusionieren zu einem gemeinsamen Hafen „Deutsche Bucht“. Hierin unterscheidet sich auchunser Antrag von dem der Grünen.Der Antrag der Grünen zielt zwar darauf ab, in Verhandlungen einzutreten, um eine gemeinsameHafenstrategie und Kooperation zu erreichen, bleibt damit er aber hinter den Forderungen desSSW zurück. Die Richtung der Grünen stimmt aber trotzdem, denn auch die Grünen wollen mehrals Schwarz-Gelb bereit ist zu tun.Das Ziel, das wir gemeinsam verfolgen ist, die Häfen so zu entwickeln und zusammenzuführen,dass sie als Einheit mit den großen Häfen von London oder Rotterdam konkurrieren können.Dafür brauchen wir aber eine verbindliche Zusammenarbeit der norddeutschen Nordseehäfen. 2Die Zeiten sind vorbei, wo wir es uns leisten konnten, miteinander zu konkurrieren. Wenn wirinternational mit den großen Häfen Europas mithalten wollen, dann müssen wir auch ingrößeren Einheiten denken und handeln. Und die Häfen entsprechend zusammenführen.Der Nordseehafen-Deutsche-Bucht ist ein ambitioniertes Unterfangen. Aber wir in Schleswig-Holstein haben ein massives wirtschaftliches Interesse daran, dass unsere Häfenkonkurrenzfähig bleiben. Hamburg ist direkt vor unserer Nase und der Jade-Weser-Port ist nachdem Bau der westlichen Elbquerung vor unserer Haustür.Auch wenn es widerstände gibt, dass die vier Häfen zusammenarbeiten sollen und noch nichtgeklärt ist, welche Rolle die einzelnen Häfen nach einer Fusionierung übernehmen, muss dieZusammenarbeit das politische Ziel sein.Dann muss auch klar sein, dass wir uns gemeinsam für die Hinterlandanbindung unserer Häfenim Norden einsetzen müssen, damit unsere Häfen schnell und gut an das europäischeVerkehrsnetz angebunden werden. Hierfür muss hart auf Bundesebene gestritten werden.Deshalb macht uns auch hier nur Einigkeit stark und gleichzeitig müssen wir uns dannmöglicherweise noch schneller von dem einen oder anderen Luftschloss verabschieden.Klar ist, dass wir mit dem Jade-Weser-Port einen gemeinsamen Tiefseehafen hätten. Damitwürde sich auch die Frage nach der Elbvertiefung erübrigen. Das Ausbaggern der Elbe ist einmassiver Eingriff in die Natur und in die Strömungsverhältnisse. Die Folgen eines solchenEingriffs sind von den Planern letztendlich nicht abschätzbar. Das haben die Erfahrungen derletzten Elbvertiefung gezeigt. Denn der letzte Eingriff stellt sich gravierender da, als geplant.Die Ausmaße der Elbvertiefung sind diesmal deutlich größer als 1999. Statt 14 Mio. KubikmeterBaggergut sollen nun bis zu 40 Mio. Kubikmeter Baggergut bewegt werden.Wie sich dieser Eingriff auf das Flusssystem, den Hochwasserschutz und auf das angrenzendeLand auswirken wird, ist nicht vorhersehbar. Daher ist die Angst der Elbanrainer – insbesondere 3der Landwirte und Obstbauern – durchaus ernst zu nehmen. Die drohende Versalzung ihrerFlächen und des Grundwassers würde sie ihre Existenz kosten.Die Strömungsgeschwindigkeit wird weiter zunehmen. Es wird zu Erosionen kommen, die dieNebengewässer und Elbhäfen versanden lassen. Was wiederum zusätzliche Baggermaßnahmenmit sich führt. Die Wasserstände werden steigen, weil sich die Fleißgeschwindigkeit erhöht. Umden Hochwasserschutz weiterhin zu gewährleisten, müssen dann auch die Deiche bei uns erhöhtwerden.Damit wird Schleswig-Holstein zum Geberland. Damit der Hamburger Hafen in den nächstenJahren für große Pötte erreichbar ist, geben wir Geld aus, um unsere Deiche zu erhöhen.Damit der Eingriff ausgeglichen werden kann, geben wir unsere Flächen her.Hat eigentlich irgendwer einmal eine Kosten-Nutzen-Analyse der Elbvertiefung für Schleswig-Holstein aufgestellt? Wahrscheinlich nicht, weil dann die Sinnlosigkeit dieser Maßnahme auchwirtschaftlich schwarz auf weiß bewiesen wäre.Das Planfeststellungsverfahren hat begonnen und wird in den nächsten Monaten abgeschlossensein. Für den SSW stelle ich fest, wir lehnen die Elbvertiefung ab, weil die ökologischenAuswirkungen nicht abschätzbar sind. Die Elbvertiefung ist eine Fahrrinnenanpassung für Schiffedieser Generation. In wenigen Jahren werden wir wieder vor dem Problem stehen, dass die Elbedann nicht tief genug ist. Damit ist klar, die Elbvertiefung ist nicht nachhaltig.Der Norddeutsche Tiefseehafen der Zukunft liegt am Jadebusen und nicht an der Elbe.Zusammenarbeit ist deshalb besser, als eine künstliche Konkurrenz unserer Häfen, die unsinternational noch weiter zurückfallen lässt.