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Anke Erdmann zur Eigenverantwortlichkeit von Schulen
PresseinformationEs gilt das gesprochene Wort! Landtagsfraktion Schleswig-Holstein TOP 60 – Eigenverantwortlichkeit von Schulen Pressesprecherin Claudia Jacob Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin Landeshaus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Anke Erdmann: Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 048.12 / 26.01.2012 Eigenverantwortliche Schule: Ein Konzept, keine Ausrede für BeliebigkeitWenn es nach uns geht, bekommen die Schulen künftig mehr Freiheiten. Gleichzeitig bekommt der Bund mehr Kompetenzen in der Bildungspolitik, das Land weniger. So wird ein Schuh draus.Hinter der Idee der Eigenverantwortlichen Schule steht ein Konzept. Das kann man be- sonders gut am Modellprojekt in Nordrhein-Westfahlen erkennen. Für eigenständige Schulen braucht es Schulleitungen, die die neuen Aufgaben auch stemmen können: Dazu gehören Schulungen, andere Strukturen und Verwaltungsressourcen.Was passiert, wenn man einfach und willkürlich Aufgaben an die Schulen abgibt und das Label „Selbstständige Schule“ dran heftet, sieht man in Niedersachsen. Dort ging es nicht um eine neue Philosophie, es ging darum, dass die Schulen die Sparbeschlüs- se selber umsetzen – „eigenständig“.Wenn das Wort „Eigenständige Schule“ auftaucht, noch dazu als Bejubel- Berichtsantrag von den Regierungsfraktionen, dann sollte man genauer hinschauen. Denn gut gemeint ist eben nicht gut gemacht.Das Ministerium beschreibt vier Bereiche, in denen die Schulen mehr Eigenständigkeit bekommen sollen. Hier möchte ich einen genaueren Blick drauf werfen:1. Pädagogik Gemeinschaftsschulen dürfen künftig selber entscheiden, ob sie binnendifferenziert ar- beiten oder wieder Haupt- und Realschulklassen einführen. Alle Gemeinschaftsschulen Seite 1 von 2 haben ihre eigenen pädagogischen Konzepte erstellt. Nun wird es als Freiheit geprie- sen, dass die aufwändig erstellten Konzepte nach wenigen Jahren wieder umgestoßen werden.Wieso wurde diese „Große Freiheit“ überhaupt notwendig? Die Landesregierung hat im laufenden Galopp mal eben die Bedingungen geändert: längere Arbeitszeiten für Lehr- kräfte, weniger Differenzierungsstunden – also die Säulen, auf denen die Konzepte be- ruht haben.Sie nennen es Eigenständigkeit und wollen doch ein Weiter-so: Wer sich bewegt, hat selber schuld. Schönen Dank!2. Finanzielle Ressourcen Wo keine finanziellen Freiheitsgrade sind, bedeutet Eigenständigkeit, dass Sie den Schulen großzügig gestatten, den Mangel zu verwalten. Schönen Dank!3. Personelle Ressourcen Die SchulleiterInnen können ihr Personal eigenständig einstellen. Das neue Verfahren „PBOn“ ist der richtige Schritt. Dennoch: Viele SchulleiterInnen treibt das Verfahren zur Weißglut. Denn die Wahlfreiheit ist kleiner als gedacht und das Verfahren ist für die Schulen unglaublich zeitaufwändig. Finden Sie mal eine Lehrkraft in Dithmarschen, ei- ne Physiklehrerin in Segeberg oder eine Vertretungskraft in Ostholstein.Zur Frage des Lehrermangels schweigt der Minister sich aber aus. Und das kann nicht sein. Eigenständigkeit kann nicht heißen, dass die Schulen selbst sehen müssen, wo sie die Lehrkräfte herbekommen. Der Minister ist nicht zuständig. Da sagen die Schu- len: Schönen Dank!4. Qualität Es ist erwiesen, dass Eigenständige Schule nur mit Evaluation funktionieren kann. Aber Sie, Minister Klug, sind verantwortlich, dass Schleswig-Holstein ohne eine systemati- sche Qualitätskontrolle da steht. EVIT, VERA 6 wurden einkassiert.Eigenständige Schule ist ein Konzept und kein Label für einen planlosen Minister.In Ihrem Bericht heißt es, Sie wollen von der Input- zur Outputsteuerung, es geht also um die Ergebnisse. Ihr Bericht belegt eindrucksvoll, dass weder Sie, noch Ihr Haus ver- standen haben, was Outputorientierung bedeutet. Alles, was Sie aufzählen ist Input.Wohin es führen soll, wie Ihr Konzept aussieht, wie das neue Gefüge aussieht, das al- les bleibt offen. Ein Schulleiter kommentierte Ihren Bericht so: Die Hilfestellungen für Schulen auf dem Weg zur Eigenständigkeit: Papier, Papier, Papier, sonst nichts.Wenn Eigenständige Schule nicht nur eine leere Hülle bleiben, sondern ein Konzept werden soll, dann liegt vor uns und vor den Schulen noch ein wirklich weiter Weg. *** 2