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27.01.12 , 11:54 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 25 - Aufmarsch der FaschistInnen in Lübeck verbieten

Presseinformation
Kiel, den 27. Januar 2012 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 25 Aufmarsch der FaschistInnen in Lübeck verbieten Drs. 17/2154

Schade, dass sich die Fraktion die Linke nach der letzten Innen- und Rechtsausschuss-Sitzung
nicht dazu durchringen konnte, den vorliegenden Antrag auf die Februar-Tagung des Landtages
zu verlegen. - Nun stehen Sie vielleicht als die besseren Antifaschisten da, liebe Kolleginnen und
Kollegen von den Linken, der Sache helfen Sie damit nicht!
Den gleichen Vorwurf könnte man dem Innenminister machen, der Anfang des Jahres
überraschender Weise in den Lübecker Nachrichten verlautbaren ließ, er fordere Lübecks
Bürgermeister Bernd Saxe auf, die für Ende März von Nazis geplante Demonstration zu
verbieten. Diese Aufforderung entspricht der Position, die in Lübeck nicht nur von der Kirche,
sondern auch vom DGB und von der Mehrheit der Bürgerschaft - bestehend aus SPD, Grünen und
Linken – vertreten wird. Der Bürgermeister indes hat immer wieder darauf hingewiesen, dass er
keine Möglichkeit sieht, die Demonstration mit rechtsstaatlichen Mitteln zu verbieten. Die
Reaktion des Innenministers hört sich in den Lübecker Nachrichten folgendermaßen an: „ Aus
Angst vor einem juristischen Scheitern den Versuch eines Verbots gar nicht erst zu unternehmen,
wäre jedoch fatal für die Glaubwürdigkeit des Kampfes aller Demokraten gegen ihre Feinde.“ 2
Den Innen- und Rechtsausschusses versuchte der Innenminister nunmehr davon zu überzeugen,
dass es Gründe gibt, die zu einem Verbot der Demonstration führen könnte. Zuständig sei aber
die Stadt Lübeck als Versammlungsbehörde; er selbst werde als Innenminister von seiner
Weisungsbefugnis nicht Gebrauch machen.
Für den SSW stelle ich vor diesem Hintergrund fest, dass es dem Innenminister anscheinend
wichtiger war, als handlungsstarken Minister in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden –
ein Image, das er ja auch schon in anderen Zusammenhängen gepflegt hat – als dass er die Stadt
Lübeck direkt und vertraulich darüber unterrichtet, wie ein Demonstrationsverbot zu
bewerkstelligen sei. Daher die Forderung unseres Antrages, dass dies unverzüglich geschehen
muss. Denn Fakt ist doch, dass bisher nichts dergleichen geschehen ist. Daran ändert auch die
Aussage des Ministers nichts: Man habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die am Montag letzter
Woche das erste Mal getagt habe


Versammlungs- und Meinungsfreiheit gelten als unentbehrliche und grundlegende
Funktionselemente eines demokratischen Gemeinwesens, befand 1985 das
Bundesverfassungsgericht in seinem so genannten Brokdorf-Urteil. Daher sage ich: Geben wir
die Grundrechte preis, haben uns die Nazis genau da, wo sie uns haben wollen. Auf der anderen
Seite ist völlig klar, dass rassistische und menschenverachtende Parolen nicht in unsere
Gesellschaft gehören: wir müssen sie argumentativ bekämpfen und strafrechtlich verfolgen.
Der SSW hat immer wieder davor gewarnt, Lunte an das braune Fass legen; also selbst dafür zu
sorgen, dass das braune Gesocks Punkte machen kann. Das gescheiterte Verbotsverfahren vor
dem Bundesverfassungsgericht hat der NPD viel falsche Bewunderung eingetragen. Es war falsch
von der Bundesregierung, im Wissen um die zahlreichen V-Leute in der Nazi-Szene, die teilweise
sogar in Vorständen agieren, überhaupt ein Verbotsverfahren einzuleiten.
Genauso falsch wäre es, einen Verbotsantrag gegen den Aufmarsch in Lübeck zu beantragen,
ohne über neue Erkenntnisse bezüglich der Gefährdung zu verfügen. Ein abschlägiges Urteil
wird die Nazis triumphieren lassen; Respekt vor dem Rechtsstaat haben sie damit noch lange
nicht. 3
Der Ruf nach einem Verbot sollte die Auseinandersetzung mit dem rechten Gedankengut nicht
ersetzen! Das wäre zu einfach. Daher sage ich auch: Statt Jahr für Jahr im Landtag die gleiche
Resolution gegen den rechten Aufmarsch in Lübeck zu verabschieden, sollten wir das
zivilgesellschaftliche Engagement verstärkt unterstützen, wenn es darum geht, Konzepte gegen
Rechts zu entwickeln. Der SSW ist nach wie vor davon überzeugt, dass die aktive
Auseinandersetzung nachhaltiger ist als Kundgebungen oder reflexartige Forderungen nach
Verboten.

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