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Anke Spoorendonk zu TOP 27 - Defizite bei der Bildungsqualität abbauen
PresseinformationKiel, den 27. Januar 2012 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 27 Defizite bei der Bildungsqualität abbauen Drs. 17/2154Wäre unser Bildungsminister ein Quereinsteiger ohne vorhergehende politische Erfahrung, danngäbe es noch die Möglichkeit, dass er falsch beraten worden wäre. Aber Ekkehard Klug kennt denLandtagsbetrieb aus dem Effeff. Mit seiner politischen Erfahrung kann ihm nichts in derLandespolitik fremd sein. Und deshalb ist es natürlich ein bemerkenswerter Vorgang, wenn ersich als zuständiger Fachminister darauf einlässt, ein Konzept für mehr Lehrerstellen, sowohldem Koalitionspartner wie auch der eigenen Fraktion über die Medien vorzustellen.Wir können nur vermuten, was ihn geritten haben mag. Fakt ist, dass eine Debatte über denAbbau von Bildungsdefiziten in Schleswig-Holstein dadurch eine völlig andere Dimension erhält.„Bildung als Lebenschance“ heißt das Papier, wo laut Presseberichten detailliert aufgerechnetwird, wofür denn 453 Lehrerstellen im Einzelnen benötigt werden – als Beispiele werdengenannt: 100 Stellen in den Ausbau der gebundenen Ganztagsschulen, 116 Stellen zur Ausbildungvon Fachkräften – in den Mängelfächern vermute ich, für den Ausbau des beruflichenGymnasiums 100 Stellen und 90 Stellen für die Fortführung von bestimmten pädagogischenProjekten, damit Schüler besser Lesen und Rechnen lernen. 2Aus Sicht des SSW ist gegen die Stärkung der genannten Bereiche nichts einzuwenden. Dennanscheinend liegt uns erstmals auch eine untermauerte Analyse vor. Wie anders lässt sichansonsten erklären, dass der Bildungsminister nicht 300 oder 500 Lehrerstellen beantragt,sondern genau 453?Für mich steht weiterhin fest, dass ich mich vor dem Hintergrund dieser neuen Zahlen an derNase herumgeführt fühle, wenn ich an die Stellungnahmen des Ministeriums hinsichtlich derUnterrichtsversorgung an unseren Schulen denke. Deutlich wird auch, dass die Bilanz desBildungsministeriums nach zwei Jahren Schwarz-Gelber Regierungsarbeit nichts anderes alsSchönfärberei ist.Hinzukommt, dass vieles schlecht gemacht wurde, weil der Minister immer wieder unter Beweisstellt, dass er den Dialog mit den Kommunen als Schulträger nicht hin bekommt. Amdeutlichsten kam dies natürlich zum Ausdruck, als es um die Novellierung des Schulgesetzes undden ganzen Murks um G 8, G 9 und G Y ging. Aber auch die Stärkung der Schulsozialarbeit drohtan die Wand gefahren zu werden, weil die Mittel zu zögerlich abgerufen werden – aus vielenverschiedenen Gründen, die in der nächsten Tagung des Landtages debattiert werden sollen.Dass die Bundesmittel 2013 auslaufen und noch keine Nachfolgeregelung in Sicht ist gehört auchzur Klarstellung hinzu.Man könnte das vorgeschlagene Konzept mit der schönen Überschrift „Bildung alsLebenschance“ daher auch als Versuch interpretieren, die Erfolgsbilanz des Ministeriums nochetwas aufzuhübschen - als Torschlusspanik also.Was bleibt, ist aber die Tatsache, dass wir trotzdem vor einem bildungspolitischenScherbenhaufen stehen. Die Einführung abschlussbezogener Klassen an Gemeinschaftsschulenist hierfür ein Beweis. In Ratzeburg zum Beispiel gab es monatelange Debatten, bis sich dieSchulkonferenz für die Einrichtung abschlussbezogener Klassen aussprach. Die Leserbriefspaltenwurden daraufhin länger und länger, weil sich viele Eltern damit nicht abfinden wollten und eineechte, gemeinsame Beschulung ihrer Kinder einforderten. Dann kam der Bescheid aus Kiel, derausdrücklich die Einrichtung abschlussbezogener Klassen vom hundertprozentigen Elternwillen 3abhängig machte. Damit war der Beschluss der Schulkonferenz hinfällig. Die Debatte hatte aberbereits tiefe Gräben aufgeworfen.Wir erkennen hier ein Muster: Das Muster der Entscheidungen des Ministeriums, das sichunberechenbar und unkalkulierbar verhält. Zumindest interpretieren Schulleitungen undElternbeiräte genau so entsprechende Verordnungen, Erlasse und Briefe aus Kiel.Herr Minister Klug, heute werden die Zeugnisse an den Schulen verteilt.In Ihrem Zeugnis steht drin: Ihre Versetzung ist nicht nur stark gefährdet. Sie sollten wirklich Ihreschulische Karriere neu überlegen.