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Lars Harms zu TOP 5, 36, 38, 39 und 59 - Finanzthemen
Presseinformation Kiel, den 21.03.2012Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 5, 36, 38, Gesetzentwurf und Resolution zur Ausführung von 39 + 59 Artikel 53 der Verfassung des Landes Schleswig- Holstein, Anträge zu den Haushaltseckwerten der Landesregierung und zum Europäischen Fiskalpakt und Bericht zum Kommunalen Investitionsbedarf Drs. 17/2248, 2311, 2346, 2357, 2361, 2362, 1877 (neu) + 2221Selbstverständlich ist eine nachhaltige Finanzpolitik die Grundlage jeden politischen Handelns.Hier sind wir uns fast alle einig. Es ist richtig, die Finanzen im Blick zu haben, wenn es umpolitische Entscheidungen geht. Es ist aber auch wichtig, deutlich zu machen, dass auch in derjetzigen Lage durchaus politische Prioritäten gesetzt werden können. Die Finanzlage an sich istkeine Begründung für kurzfristige Streichungsorgien welcher Art auch immer.Vielmehr kommt es doch darauf an, die Finanzlage dauerhaft positiv zu beeinflussen undSpielräume zu nutzen, wo es denn geht. Nicht die eine oder die andere politische Entscheidungder vergangenen 20 Jahre hat dazu geführt, dass die Haushaltslage so ist, wie sie ist, sonderndie eigentliche Problematik liegt tiefer. In den sechziger, siebziger und achtziger Jahren hatman Personal scharenweise eingestellt, ohne an die finanziellen Belastungen zu denken, die 2sich daraus ergeben. Das heißt, man hat sich kurzfristige personelle Wünsche erfüllt undAufgaben ausgeweitet, ohne dass Rückstellungen für das Personal gebildet wurden. Man hatalso keinen langfristigen Ansatz gefahren. Der Effekt ist, dass wir jetzt hohePensionsaufwendungen zu tragen haben. Alleine, wenn diese Pensionsleistungen nicht durchden Haushalt getragen werden müssten, hätten wir unser Ziel der Haushaltskonsolidierungschon erreicht.Wenn wir also jetzt uns an diese Haushaltskonsolidierung machen, dann müssen wirlangfristig handeln. Kurzfristiges Wegsparen von Strukturen im Bildungsbereich, imSozialbereich oder bei der Kultur helfen uns nichts. Wir müssen die Strukturen verbessern.Wenn wir einsparen wollen, dann nicht bei der Bildung, sondern bei den Strukturen derVerwaltung. Dann müssen wir eine Aufgabenkritik durchführen und dann müssen wir vorallem die Verwaltungsstruktur modernisieren. Wir haben mit der Landesverwaltung, denKreisen, den Ämtern und den über tausend Kleinstgemeinden immer noch eineVerwaltungsstruktur aus Kaisers Zeiten. Das ist der erste Punkt an dem wir ansetzen müssen,damit es auch den Kommunen in Zukunft besser geht.Der zweite Punkt ist natürlich die Einhaltung der Schuldenbremse, die die meisten unter uns jabewusst, aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte eingeführt haben. DieSchuldenbremse ist aber ein Instrument der Haushaltskonsolidierung und kein Selbstzweck.Wir haben mit dem Bund zur Umsetzung der Schuldenbremse einen Weg vereinbart, den diemeisten einhalten wollen und den alle einhalten müssen. Aber es gibt keinen Grund, dieseVereinbarung ohne Not übererfüllen zu wollen. Wenn wir von einem Ausgangswert von 1,3Milliarden anstatt 1,1, Milliarden ausgehen, dann werden wir bis 2020 zirka 500 Millionen Euromehr ausgeben dürfen, als Schwarz-Gelb es vorschreiben will. Wir meinen, dass dieser mit demBund vereinbarte Weg ganz klar der bessere ist, weil er flexibler ist. Und außerdem hindert unsdieser Weg nicht daran, auch die Einnahmesituation zu verbessern. Wir müssen dasSteuerrecht vereinfachen und verbessern und dabei muss es dann auch dazu kommen, dass die 3Einnahmegrundlagen des Landes verbessert werden. Auch das ist ein Auftrag für diezukünftige Landesregierung.Es gibt in Zukunft viele Unsicherheiten, die sich auf den konkreten Haushaltsvollzug auswirkenkönnen. Steuerrechtsänderungen, Wohngeldsteigerungen, Kindergelderhöhungen könneneinen Einfluss haben. Und wenn man bedenkt, dass das so genannteWachstumsbeschleunigungsgesetz ein Loch von 70 Millionen Euro in die Haushaltskassegerissen hat, dann kann man erahnen, wie unsicher die Planungsmöglichkeiten hier sind. Daseinzige was sicher ist, ist dass die Schuldenbremse von allen eingehalten werden muss – das istVerfassungsauftrag auf allen Ebenen. Deshalb brauchen wir die höchst mögliche Flexibilität inder Umsetzung der Schuldenbremse.Und im Rahmen dieser Flexibilität müssen dann die wichtigsten politischen Ziele umgesetztwerden. Da mag es durchaus Unterschiede geben. Für den SSW gibt es einen überragendenSchwerpunkt: Und der heißt Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Hier muss investiertwerden. Bildung ist das Wirtschaftswachstum der Zukunft und hier kann man nicht sparen.Das unterscheidet uns von der derzeitigen Regierung.Weiter darf es nicht sein, dass Menschen in Schleswig-Holstein ungleich behandelt werden.Das gilt sowohl für den sozialen Bereich als auch für die Minderheitenpolitik.Und drittens müssen wir die Grundlagen der Wirtschaft so beeinflussen, dass Arbeitsplätze inder Fläche geschaffen werden können. Deshalb brauchen wir als Schwerpunkte, dieVerbesserung der Verkehrsanbindungen, den Ausbau des Breitbandnetzes in der Fläche unddie Stärkung des Tourismus.Nur mit einer solchen nachhaltigen Finanz- und Wirtschaftspolitik hat Schleswig-HolsteinZukunftschancen. Und nicht mit planlosen Sparorgien auf Kosten aller.